Frankfurt am Main: „Wir dachten, es kommt kein Schwein“
Pressemeldung vom 14. April, 2010. Veröffentlicht um 18:15 Uhr.
Das Filmfestival „Nippon Connection“ findet zum zehnten Mal in Frankfurt stattAm 14. April ist es soweit. Dann startet zum 10. Mal das Frankfurter Japan-Filmfestival "Nippon Connection". Mit bis zu 16.000 Besuchern rechnen die Veranstalter für die fünftägige Kinoveranstaltung mit Kultstatus. 150 Kurz- und Langfilme stehen auf dem Programm – vom kleinen studentischen Experimentalfilm bis zum Blockbuster.
Frankfurt am Main (pia) Vor zehn Jahren, als Marion Klomfass und Holger Ziegler, beide studierte Film- und Medienwissenschaftler, das Nippon-Festival ins Leben riefen, sollte es eigentlich bei einer einmaligen Sache bleiben. "Wir dachten, es kommt kein Schwein, weil die Filme ja nur englische Untertitel hatten." Doch alles kam anders. Tatsächlich zog es mit einem Schlag gleich 10.000 Japanfans vor die Leinwand. Das Kinoereignis, das nun am 14. April zu seiner zehnten Ausgabe startet, ist außerhalb Japans das größte Festival für japanisches Kino weltweit.
Fern der klassischen Hollywood-Dramaturgie"Der japanische Film war einfach etwas ganz anderes als das, was Hollywood oder das europäische Kino zu bieten hatten", erzählt die Festivalmacherin mit den raspelkurzen, tiefschwarzen Haaren und der porzellanhellen Haut. Faszinierend an den japanischen Filmen sei vor allem die Vielfalt an Genres und die gestalterischen Mittel. Im Gegensatz zur klassischen Hollywood-Dramaturgie, bei der das Gute dem Bösen gegenüberstehe, und es schließlich zum Showdown komme, gebe es im japanischen Film "sehr vielschichtige Charaktere", sagt die Festivalleiterin. Oft wisse der Zuschauer nicht, wie es weitergeht. Typisch sei, "dass es mehrere Enden und auch Wendungen gibt".
Festivalbesucher treffen sich an der Nippon Connection-BarSchauplatz des Festivals ist auch dieses Jahr das "Pupille"-Studentenkino auf dem alten Bockenheimer Universitätscampus. Mit viel Liebe haben die Festivalmacher die gesamte Dekoration gestaltet, ein echter Hingucker ist die rosafarbene Nippon Connection-Bar. Im Jubiläumsjahr wird es zehn verschiedene Plakatmotive geben, allesamt Interpretationen von japanischen Filmtiteln – in der Vergangenheit gab es dafür bereits mehrfach Designpreise. Das Festival-Kernteam umfasst etwa 30 Aktive. Die alleine könnten die Veranstaltung allerdings nicht stemmen. Auf rund 150 schätzt Marion Klomfass die Zahl der freiwilligen Helfer "vom Dolmetscher bis zum Pfandflaschensortierer". Der jüngste ist gerade mal 19 Jahre alt, der älteste über 60.
Das Drama entlädt sich am Frühstückstisch der JapanerWeil die weltweite Wirtschaftskrise längst schon auch Japan erreicht hat, setzen sich in diesem Jahr viele der jungen Independent-Filme im "Nippon Digital"-Spezialprogramm mit der Perspektivlosigkeit japanischer Jugendlicher auseinander. Dabei geben die jungen japanischen Filmemacher "weniger eine konkrete politische Stellungnahme ab, stattdessen sind sie viel näher an den Menschen und ihren persönlichen Lebensgeschichten dran", weiß Helfer Lorenzo Alvarez. Das gesellschaftliche Drama entlade sich in den jungen Independent-Produktionen "am Frühstückstisch der Protagonisten, zwischen Rührei und Brötchen". Marion Klomfass zählt zu den Höhepunkten des Festivals in diesem Jahr den Eröffnungs- und den Abschlussfilm. In Shuichi Okitas "The Chef of South Polar" wird ein Koch auf eine japanische Forschungsstation am Südpol versetzt. In "Sawako Decides" des Regisseurs Ishii Yuga liegt der Vater der jungen Protagonistin im Sterben. Sein Muschelbetrieb ist in einer Krise, und er möchte, dass die Tochter ihn übernimmt.
Finanzieller BalanceaktEinmal im Jahr reist die Festivalleitung zum "Tokio International Filmfestival", besucht den Tokio International Filmmarket, kurz TIF, um wichtige Kontakte herzustellen. Ein Problem, so Marion Klomfass, stellten die steigenden Filmverleihpreise dar. "Es gab Filme, die wir zu unserem Zehnjährigen gerne gezeigt hätten, es aber nicht können, weil der japanische Verleih für eine einzige Aufführung bis zu 2.000 Euro verlangt hat." Unterstützt wird das Festival vom Kulturamt der Stadt Frankfurt und vom Amt für Multikulturelle Angelegenheiten. Zusätzliche Einnahmen erzielt es über den Verkauf von Festival-Artikeln, Getränken und Speisen.
Elitär wollen sie nicht seinGanz wichtig ist den Festivalmachern, nicht nur das ausgesprochen cinephile Publikum anzusprechen. "Nippon Connection" will ein Treffpunkt sein für eine ganz bunte Mischung von Menschen. So wird es Konzerte geben, japanischen Tanz, Shiatsu, Sushikochen, Karaoke, eine "Spielehölle", aber auch Workshops, Diskussionen und Vorträge. "Viele gehen nur dorthin, wo Partystimmung ist", sagt Marion Klomfass, "aber vielleicht kriegen wir sie ja so auch ins Kino."
Quelle: Stadt Frankfurt am Main – Presse- und Informationsamt
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