Energiewechsel

Gießen: Regierungsvizepräsident Hans-Otto Kneip feierlich in den Ruhestand verabschiedet

Pressemeldung vom 30. Juni 2016, 14:32 Uhr

Hans-Otto Kneip, langjähriger Regierungsvizepräsident in Gießen, wurde heute in den Ruhestand verabschiedet. Der 65-Jährige übte die Funktion, die gleichzeitig mit der Leitung der Zentralabteilung des Gießener Regierungspräsidiums verknüpft ist, vierzehn Jahre lang aus und vertrat damit während seiner Amtszeit auch die vormaligen Präsidenten Wilfried Schmied und Dr. Lars Witteck sowie den amtierenden Regierungspräsidenten Dr. Christoph Ullrich.

Zur feierlichen Verabschiedung am Donnerstag (30.6.) waren neben dem RP und RP a.D. Wilfried Schmied noch etwa einhundert weitere Gäste in das Alte Schloss am Landgraf-Philipp-Platz in Gießen gekommen – darunter Führungskräfte und Arbeitskollegen aus früheren Wirkungsstätten, Wegbegleiter, Familienangehörige und Freunde. Sie alle waren Zeugen des formalen Aktes, mit dem Innen-Staatssekretär Werner Koch den Ruhestand verfügte. Koch würdigte Kneip als eine „anerkannte Persönlichkeit des RP Gießen und des Hessischen Landesdienstes, die über viele Jahre wichtige Entscheidungen geprägt hat und die mit hohem Engagement und viel Herzblut bei der Sache war.“ Dabei habe Kneip, so der Staatssekretär, hohe Fachkompetenz und Pflichtbewusstsein, aber auch einen überaus reichen Erfahrungsschatz in das Regierungspräsidium eingebracht. „Sie gehören zu den Menschen, für die Verwaltung nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung ist“, so Koch.

Hans-Otto Kneip wuchs in Bad Vilbel auf, wo seine Eltern eine Bäckerei betrieben. Er absolvierte die Grund- und Realschule, ehe er zum Gymnasium nach Friedberg wechselte, wo er 1969 das Abitur erlangte. Es schlossen sich ein Studium der Rechtswissenschaften an der Goethe-

Universität Frankfurt an sowie die erste und zweite juristische Staatsprüfung. Nach dem Studium war Kneip über ein Jahr lang stellvertretender Justiziar des Deutschen Fußballbundes, ehe er in den Dienst des Landes Hessen trat. Von 1980 bis 2002 war der spätere Vize-RP Leiter der Hauptabteilung „Allgemeine Landesverwaltung“ beim Landrat des Lahn-Dill-Kreises mit Hauptsitz in Wetzlar. Die über 100 Mitarbei­ter umfassende Abteilung deckte eine große fachliche Bandbreite ab, vom Brand- und Katastrophenschutz, Waffenwesen, Wasserrecht, Gewerbe- und Gaststättenrecht, Ausländerrecht bis zur Kommunalaufsicht. In seine Amtszeit als Leiter des Lahn-Dill-Katastrophenschutzes fielen auch die großen Hochwasser von Lahn und Dill 1981 und 1984, bei dem einige mittelhessische Landkreise den Katastrophenzustand ausrufen mussten. Darüber hinaus fungierte er von Wetzlar aus als Sprecher aller 21 hessischen Hauptabteilungsleiter und war Ansprechpartner der Landesregierung und des Landkreistags für die Angelegenheiten der Staatlichen Landratsämter. Der erfahrene Kommunalrechtler ist außerdem Autor eines Kommentars zur Hessischen Gemeindeordnung und Träger des Ehrenbriefes des Landes Hessen. Darüber hinaus wurde Kneip mit der Silbernen Katastrophenschutz-Verdienstmedaille des Landes Hessen, der Feuerwehrmedaille des Deutschen Feuerwehrverbandes, der Malteser-Dankplakette und der Medaille des Malteser-Ordens Rom ausgezeichnet. Seit 1990 wohnt Kneip in Wetzlar, ist verheiratet und Vater eines erwachsenen Sohnes.

Am 1. März 2002 wurde Hans-Otto Kneip zum Regierungsvizepräsidenten in Gießen berufen. Als ständiger Vertreter des Regierungspräsidenten leitete er die gesamte Verwaltung der Behörde. In Personalunion wirkte er als Leiter der Zentralabteilung mit den Bereichen Organisation und Personal, Aus- und Fortbildung, Kommunalaufsicht und Justiziariat, Service, Beschaffung und IT. In seine Amtszeit beim RP Gießen fiel das vom Landtag beschlossene Gesetz über die sogenannte „Kommunalisierung“. Alle bisherigen Landesbediensteten bei den Landratsämtern wurden ab 1. April 2005 kommunale Bedienstete. Betroffen davon waren z. B. die im Veterinärwesen tätigen oder mit Landwirtschafts-, Verkehrs- und Ordnungsangelegenheiten befassten mehr als 400 Beamte und Angestellte in Mittelhessen. Das RP behielt im Rahmen seiner Fachaufsicht ein Weisungsrecht.

Aber das sollte nicht die einzige organisatorische und logistische Herausforderung bleiben, die unter Kneips Leitung zu bewältigen war. Innerhalb von nur zwei weiteren Jahren wechselten 580 Bedienstete und 6.000 Meter Akten ihren Platz. Die unter Regierungspräsident Schmied durchgeführte Standortstrukturreform beim Gießener Regierungspräsidium wurde erfolgreich umgesetzt. Allein 3.000 laufende Meter Pendelregistratur und weitere 3.000 Meter Ordnerregistratur wurden von A nach B bewegt. Drei Außenstellen in Gießen, Marburg und Wetzlar wurden bei der groß angelegten Umzugsaktion aufgegeben. Ausgangspunkt war die „Operation Sichere Zukunft“ der Hessischen Landesregierung, mit der den Regierungspräsidien unter anderem die Einsparung von 24 Prozent des Personals bis zum Jahr 2008 zum Ziel gegeben worden war. Dem hat die Gießener Behörde durch „Bündelung der Kräfte“ Rechnung getragen: vor allem durch die Konzentration der Umweltabteilung (früher Marburg und Wetzlar) in der Marburger Straße in Gießen und der Abteilung „Ländlicher Raum, Forsten, Natur- und Verbraucherschutz“ in Wetzlar (früher Gießen und Wetzlar) konnte die Behörde im Ergebnis eine reine Flächenersparnis von über 5.000 Quadratmeter vorweisen. Vorzeigbar war damals bis heute auch die Drosselung der vormaligen Ausgaben bei Miete, Nebenkosten und Dienstleistungspauschalen um bis zu 700.000 Euro jährlich.

Im Zuge der neuen Unterbringungskonzeption wurden weitere Synergien auf den Weg gebracht. Hierzu gehörte unter anderem die Erweiterung des für den Katastrophenfall ausgerüsteten Katastrophenschutzlagezentrums im RP-Haupthaus am Landgraf-Philipp-Platz.

Aktuell und in jüngerer Vergangenheit stand Kneip im Spätsommer 2015 vor der Herausforderung der Flüchtlingsunterbringung. In seine Verantwortung fiel es nicht nur, geeignete Räumlichkeiten anzumieten oder zu kaufen, sondern auch die komplette Logistik zu koordinieren, wie die Anlieferung von Betten und anderem Mobiliar, die Vertragsabwicklungen mit Anbietern für soziale Dienste, Caterer, Sicherheitsleute und das übrige Personal.

Auch die Überwachung der Haushalte, insbesondere der Schutzschirmkommunen, war ein großes Thema der vergangenen Jahre, das in der Verantwortung des erfahrenen Kommunalrechtlers Kneip bestens aufgehoben war.

Hausintern setzte sich Kneip gemeinsam mit RP a.D. Dr. Lars Witteck sehr für das „Projekt Zukunftsentwicklung“ der Behörde ein, einen Umstrukturierungs- und Modernisierungsprozess, an dem alle Mitarbeiter beteiligt waren. Außerdem lagen ihm die Identifikationsmaßnahmen seiner Behörde am Herzen, wie zum Beispiel die Überarbeitung des Behördenleitbildes, die Einführung einer Mitarbeiterzeitschrift, das regelmäßige gemeinsame Hoffest aller RP-Liegenschaften oder der behördeneigene Chor „Amtscapella“ sowie das aus eigenen Mitarbeitern rekrutierte Orchester „BürO-Ton“. Auch die Führungskräftetreffen und -Fortbildungen gehen auf Impulse Kneips zurück.

Die Vita Kneips weist aber auch eine Reihe ehrenamtlicher Tätigkeiten auf: So bekleidet er seit inzwischen 46 Jahren Ämter auf FDP-Orts-, Kreis- und Bezirksebene, zeitweise war er stellvertretender Vorsitzender. In den Jahren 1981 bis 1984 war Kneip Kreisbeigeordneter des Wetteraukreises, von 1987 bis 2003 ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht Gießen. Seit fünf Jahren ist er stellvertretender Vorsitzender der Geselllschaft für Reichskammergerichtsforschung e.V. mit Sitz in Wetzlar. Seine große Liebe galt und gilt dem Fußball. Von 1967 bis 1991 absolvierte er auf dem Fußballplatz hunderte Spiele als „Unparteiischer“ und war ein ebenso angesehener wie erfahrener Fußball-Schiedsrichter.

Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich wünschte dem scheidenden Vizepräsidenten einen gesunden sowie aktiven Ruhestand und bedankte sich noch einmal für die freundliche Aufnahme zu Beginn seiner Amtszeit. Kneip habe seine (Ullrichs) Einarbeitungszeit im Oktober 2015, die sehr von der Flüchtlingskrise geprägt war, erleichtert und stets als exzellenter Kenner des Hauses mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Dabei habe er sich nie in den Vordergrund gedrängt sondern mit Übersicht, Struktur und Besonnenheit agiert. Auch wenn die gemeinsame Arbeitszeit mit dem heutigen Tag zu Ende gehe, sei er sich sicher, mit Kneip auch künftig noch auf einen starken Berater um die Belange des RP Gießen zurückgreifen zu können.

Wilfried Schmied würdigte eingangs seiner Abschiedsworte noch einmal die angenehme Zusammenarbeit mit Kneip als „ausgezeichnetem Libero“. Sieben Jahre lang hätten beide gemeinsam die Geschicke des Hauses geleitet, was angesichts der Einsparvorgaben der Hessischen Landesregierung nicht immer einfach gewesen sei. „Mit Ihnen geht eine Ära zu Ende“, betonte Schmied.

Für die Runde der ehemaligen Hauptabteilungsleiter ergriff Ulrich Monz (Gießen) das Wort und danke für die Jahre freundschaftlicher und kollegialer Zusammenarbeit.

Andreas Springer, Vorsitzender des gerade neu gewählten RP-Personalrates, verabschiedete den Vizepräsidenten und damit obersten Personalchef der Behörde mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Man habe in der gemeinsamen Zeit trotz unterschiedlicher Herangehensweise immer ein gemeinsames Ziel gehabt – das Wohl der Beschäftigten und der gesamten Behörde. Dabei habe Kneip großen Weitblick bewiesen, in dem er stets „das Große und Ganze“ im Blick gehabt habe.

Das Schlusswort war dem aus dem Dienst scheidenden Regierungsvizepräsidenten selbst vorbehalten, der einerseits von einem „bitteren Tag“ sprach, da er nun nicht mehr in der Führungsriege der Behörde mitarbeiten könne. Er sei jeden Tag gern zur Arbeit gegangen und bewundere bis zuletzt, mit welchem Leistungswillen und welch großer Einsatzbereitschaft seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich insbesondere in der Bewältigung der Flüchtlingskrise hervorgetan hätten. Aber es sei auch ein „freudiger Tag“, da er künftig mehr Zeit für die Familie, das Haus und seine Hobby haben werde. Abschließend dankte Kneip seiner „Mannschaft“, darunter ausdrücklich seinen Vorgesetzen innerhalb und außerhalb des RP, der Abteilungsleiterrunde, den Dezernatsleitern, seinen Sekretärinnen der vergangenen Berufsjahre sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Die feierliche Verabschiedung wurde umrahmt vom behördeneigenen Chor „Amtscapella“, der mit dem Lied „Die Gedanken sind frei“ und einem selbst arrangierten Medley der Comedian Harmonists den Musikgeschmack des Vizepräsidenten aufgriff und damit seinerseits Danke sagte für die langjährige freundliche Unterstützung aus der Behördenleitung.

Quelle: Regierungspräsidium Gießen

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis