Hersfeld-Rotenburg: Ohne Ärzte und Apotheken wird das “flache Land” krank

Pressemeldung vom 17. November, 2009, 10:30 am

Hersfeld-Rotenburg. Medizinische Expertenrunde tagte auf Einladung von Landrat Dr. Schmidt / Mehr Ausbildung von Allgemeinmedizinern / Kooperation mit Kliniken

Wie kann eine flächendeckende und qualitativ hochwertige  medizinische Versorgung in den ländlichen Strukturen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg auch in Zukunft aufrecht erhalten werden? Wie können die Rahmenbedingungen für junge Ärzte so verbessert werden, dass sie bereit sind, sich „auf dem flachen Lande“ niederzulassen und so für eine gute Grundversorgung der Bürgerinnen und Bürger Sorge zu tragen? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt eines Informations- und Meinungsaustauschs, zu dem Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt vor wenigen Tagen einige Ärzte aus unserem Kreis ins Landratsamt eingeladen hatte.

Hintergrund des Ärztegesprächs mit dem Landrat war und ist die Sorge um die dauerhafte Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung im Landkreis Hersfeld-Rotenburg mit ärztlichen Leistungen, aber auch mit der Möglichkeit, Medikamente in  erreichbarer Nähe erhalten zu können. Die niedergelassenen Ärzte stehen – wie so viele andere Berufsgruppen auch – vor einem einschneidenden Generationswechsel. Viele niedergelassene Ärzte sind 50 plus und es ist absehbar, wann sie in den Ruhestand gehen werden. Die schon heute in einigen Bereichen des Landkreises schwierige Betreuungssituation aufgrund fehlender niedergelassener Ärzte wird sich nach Ansicht von Experten weiter verschärfen.

Der Vorschlag der Mediziner lautete, einen Weiterbildungsverbund mit den Kliniken zu begründen und Angebote über Fünf-Jahres-Verträge zu machen. Ohne entsprechende Aus- und Weiterbildung ist es nicht möglich, sich als Allgemeinmediziner in einer Praxis niederzulassen.

Ein zweites wichtiges Anliegen der Ärzteschaft ist es, den Notdienst  zentral zu organisieren. Als Beispiele wurden die Landkreise Kassel und Fulda genannt. In Fulda organisiere die Kassenärztliche Vereinigung den Notdienst und in Folge hätten junge Ärzte einen Anreiz durch eine deutliche Verbesserung der Rahmenbedingungen. Auch für unseren Kreis ist eine solche Umsetzung angedacht.

Gemeinsam mit den Kliniken soll ferner geprüft werden, ob Fördermittel für die Ausbildung der Allgemeinmediziner von der Kassenärztlichen Vereinigung zur Verfügung stehen und in welcher Form werden diese Mittel von Kliniken in Anspruch genommen werden können.

Einig waren sich die Experten mit dem Landrat, dass bessere Rahmenbedingung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf notwendig sind, da der Frauenanteil im Medizinstudium inzwischen deutlich überwiegt.
Angesprochen wurde auch die Gründung eines Ärztenetzes zum besseren Kennenlernen, zum Austausch und zur schnellen Information und Absprache.

Landrat Dr. Schmidt sagte auf Anraten der Ärzte zu, an die Bürgermeister der Städte und Gemeinden des Landkreises heranzutreten und zu appellieren, dass sie mit den Ärzten aus ihren Kommunen ein ähnliches Gespräch führen, um die ärztliche Versorgung in Zukunft sicherer gestalten zu können und um rechtzeitig zu reagieren.

Gemeinsam verabredeten die Ärzte mit Landrat Dr. Schmidt, Anfang 2010 ein Treffen mit den Geschäftsführern und den Ärztlichen Direktoren der Krankenhäuser der Region zu organisieren. Die sichere ärztliche Versorgung der Region auch in kommenden Jahren benötigt nach Ansicht der beteiligten eine „konzertierte Aktion“ von Allgemeinmedizinern, niedergelassenen Ärzten, Fachärzten und den klinischen Einrichtungen. Nur im Zusammenwirken könne uns die gute Versorgung und der hohe medizinische Leistungsstandard gehalten werden, waren sich die Gesprächsteilnehmer einig.
Quelle: Stadt Hersfeld-Rotenburg – Pressestelle

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