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Kriftel: Jirasek dankt dem Vogelschutzbeauftragten der Gemeinde

Pressemeldung vom 9. Februar 2017, 15:30 Uhr

„Wo sind all die Vögel hin?“ Das sei die Frage, die ihm wohl am häufigsten gestellt wird, erzählte jetzt Hans H. Tecklenburg (77) im Gespräch mit dem Ersten Beigeordneten der Gemeinde Kriftel, Franz Jirasek. Dieser dankte Tecklenburg für seinen engagierten Einsatz: Seit 18 Jahren ist der Krifteler mittlerweile ehrenamtlich als Vogelschutzbeauftragter der Gemeinde aktiv – und es macht ihm nach wie vor viel Spaß. Vor allem, wenn „Erfolge“ im Sinne des Natur- und Vogelschutzes verzeichnet werden können. Im vergangenen August zum Beispiel hatte Tecklenburg gemeinsam mit seinen Helfern Heinz Selig und Richard Hilgart sechs Niströhren für Steinkäuze aufgehängt, unter anderem im „Krifteler Wäldchen“. „Drei sind jetzt von Altvögeln besetzt“, freut sich Tecklenburg. „Wenn alles gut läuft, können im Mai Jungvögel beringt werden.“ Die kleine Eule, die am liebsten in den Asthöhlen alter Bäume auf Streuobstwiesen brütet, war in Kriftel zuvor noch nicht ansässig gewesen. „Im modernen Erwerbsobstanbau und bedingt durch die moderne, intensive Nutzung der Landwirtschaft gibt es immer weniger alte Obstbäume auf Streuobstwiesen“, erklärt der Vogelschutzbeauftragte, der sofort beschloss: „Dem Steinkauz muss geholfen werden!“ Gefreut hat er sich auch über die Meldung im November 2016, eine junge Waldohreule sei in einem Alleebaum „Im Engler“ gesichtet worden. Umgehend machte sich der Vogelschutzbeauftragte auf den Weg und konnte die hübsche Eule sogar fotografieren. Jeder zweite Nistkasten besetzt Die Pflege von rund 140 Nistkästen im Gemeindegebiet und auch die Winterfütterung zählen zu den Tätigkeiten Tecklenburgs. „Jeder zweite Nistkasten war im vergangenen Jahr besetzt“, berichtet er. Allein 28 sind an Friedhofsbäumen angebracht. Ob wirklich gebrütet wurde und wieviel Nachwuchs dann das kritische Jungvogeldasein überlebt hat, könne niemand sagen.

Immer wieder müssen zudem Nistkästen umgehängt und Futterstellen an einem neuen Ort neu eingerichtet werden – weil der Platz zu unruhig wurde oder die Pflanzen rundherum zu stark beschnitten wurden und die Vögel nun keine „Deckung“ mehr haben. „Dann trauen sie sich nicht mehr ans Futter“, erklärt der Experte. Natürlich werden die Nistkästen regelmäßig gereinigt, auf Parasiten und Zustand kontrolliert: 2016 hat Tecklenburg bereits im November mehr Gartenschläfer als in den Vorjahren in ihnen entdeckt. Gartenschläfer nutzen die Kästen gerne als Domizil für ihren Winterschlaf. Ruhezone im Krifteler Wäldchen? Darüber hinaus macht der Vogelschutzbeauftragte der Gemeinde Vorschläge für einen verbesserten Schutz der heimischen Vogelwelt. Die Schaffung und Erhaltung von Ruhezonen für die Tiere ist sein besonderes Anliegen. Im Gespräch mit Franz Jirasek bat er jetzt um einen „behutsamen Rückschnitt“ von Pflanzen und Bäumen in der Wintersaison, um Rückzugsgebiete für die Vögel zu erhalten. „Schön wäre es auch, wenn nicht alle Blätter akkurat weggeblasen und entsorgt würden.“ Der Erste Beigeordnete befürwortet das, merkte aber an, dass gerade auf dem Friedhof nicht alle Besucher mit liegengelassenem Laub einverstanden sind. In diesem Zusammenhang äußerte Tecklenburg auch noch einmal den Wunsch, zumindest ein Teilbereich des „Wäldchens“ im Dreieck zwischen Bahnlinie und A 66 eingezäunt bleiben sollte – zum Schutz brütender Vögel vor Zwei- wie Vierbeinern.

Das Gleichgewicht in der Natur erhalten „Natur und Tierwelt brauchen in vielen Bereichen unseren Schutz“, betont Tecklenburg. „Gerade, weil Gärten, Parks und Felder heutzutage ‚ausgeräumt‘ sind und nur wenig Nahrung oder Nistmöglichkeiten bieten.“ Der engagierte Vogelschutzbeauftragte freut sich, dass die Gemeinde seine Arbeit unterstützt: Sie übernimmt die Kosten für Nisthilfen und Vogelfutter und ist offen für die Umsetzung von Ideen. „Das ist nicht selbstverständlich“, lobt Tecklenburg. In vielen Gemeinden im Kreis gibt es die Funktion des Vogelschutzbeauftragten nicht. „Das Wichtigste ist für mich die Erhaltung des Gleichgewichts in der Natur. Die Fressfeinde dürfen nicht die Oberhand gewinnen“, mahnt der Vogelexperte. Grund dafür, dass es Heckenbraunelle und Mönchsgrasmücke in Kriftel kaum noch gibt, sei das Vordringen der Rabenvögel. Dazu gehören die Krähen, Eichelhäher und Elstern. Dass immer weniger Singvögel in den Gärten gesichtet werden, könne auch am veränderten Zugverhalten mancher Vogelarten liegen. Der Klimawandel sei daran schuld. Das Frühjahr 2016 sei noch dazu verregnet und daher kein gutes Brutjahr gewesen. Manchmal gibt es auch eine ganz einfache Antwort auf die Frage: „Wo sind all die Vögel hin?“ Tecklenburg: „Eine reiche Bucheckern-Ernte wie im Herbst 2016 sorgt dafür, dass viele Vögel lieber im Wald bleiben und sich dort sattfressen.“ Infos zu allen Singvogelfragen gibt Heiner Tecklenburg unter 06192/46468.

Quelle: Gemeinde Kriftel

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