Wetteraukreis: Schuldezernent legt Energiebericht vor – Klimaziele 2020 fast schon erreicht

Pressemeldung vom 28. Oktober, 2009, 10:37 am

Wetteraukreis. Schuldezernent Helmut Betschel-Pflügel hat dieser Tage dem Umweltausschuss des Wetterauer Kreistages den dritten Energiebericht vorgelegt. Der aktuelle Bericht stellt alle gebäuderelevanten Verbrauche und deren Kosten des Jahres 2008 im Vergleich zu den Jahren 1988 und 2007 dar. Besonders erfreulich ist nach den Worten des Wetterauer Schuldezernenten, dass die dabei dokumentierte Verringerung des Bedarfs an Wärmeenergie zwischen 1990 und 2008 bei 27 Prozent lag. „Damit haben wir eines unserer Klimaschutzziele fast schon erreicht, nämlich bis zum Jahr 2020 30 Prozent
Energie gegenüber dem Jahr 1990 einzusparen.“

Der Schuldezernent freilich ist damit noch nicht zufrieden. „Ich denke, hier können wir noch mehr machen und sollten auch eine Vorreiterfunktion übernehmen.“ Der Wetteraukreis leistet damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, diese Initiative drückt sich auch in Euro und Cent aus.

Veränderte Vergleichszahlen

Auf mehr als 40 Seiten haben Jens Dölling und Uwe Mandler vom Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft des Wetteraukreises Zahlen und Daten zusammengefasst. Trotz der Vielzahl der Daten lassen sich diese nicht so ohne weiteres vergleichen. So kommen gerade durch das Sonderinvestitionsprogramm von Bund und Land Schulräume hinzu, die eben auch beheizt werden müssen. Gerade in Liegenschaften wo viel gebaut wird, kommt es zu großen Schwankungen. Hinzu kommt auch die unterschiedliche Nutzerzahl an einzelnen Schulen. Wo das Gebäude in den Abendstunden durch die Volkshochschule und die Sporthalle durch Vereine genutzt wird, fallen naturgemäß höhere Energiekosten an als dort, wo nach Schulschluss die Heizung heruntergeregelt werden kann.

„Das Wissen über den eigenen Energieverbrauch im Detail ist freilich Voraussetzung für effiziente Energiesparmaßnahmen. Energiecontrolling und Energiemanagement sind unverzichtbare Eckpunkte bei der Verbesserung effizienter Energieanwendung. Dadurch können wir Energiekostenverursacher identifizieren und sie auch beseitigen“, so Schuldezernent Betschel-Pflügel.

Untersucht wurden im dritten Energiebericht für das Jahr 2008 380 Schul- und Verwaltungsgebäude des Wetteraukreises mit mehr als 100 Heizungsanlagen. Im Vergleich der Jahre 2007 und 2008 hat durch den strengeren Winter der Wärmebedarf um rund 10 Prozent auf 40.500.000 Kilowattstunden zugenommen. Der Stromverbrauch stieg um 3 Prozent auf 7,1 Millionen Kilowattstunden, gleich blieb der Wasserverbrauch von 56.000 Kubikmetern.

Kosten steigen stärker als Verbrauch

Deutlich stärker als der Verbrauch sind freilich die Kosten gestiegen. Sie nahmen bei der Wärmeenergie um knapp 30 Prozent bei Strom und knapp 15 Prozent zu. Die stark zurückgegangenen Kosten für Energie durch die Finanz- und Wirtschaftskrise haben sich bei den Berechnungen für das Jahr 2008 kaum noch bemerkbar gemacht, sie werden sich im nächsten Energiebericht niederschlagen.

Deutlicher als bei den Vergleichszahlen 2007/2008 ist der Unterschied zwischen dem Verbrauch im langfristigen Vergleich. Das größte Potenzial bei den Einsparungen liegt im Bereich der Heizenergie. Hier wurde in den vergangenen Jahren bereits durch das Schulbausonderprogramm des Wetteraukreises kräftig investiert. Viele Schulen haben mittlerweile eine moderne Heizungsanlage. Das drückt sich auch in der verminderten Leistung dieser Anlagen aus. Sie lag Ende der 80er Jahre noch bei 62.000 Kilowattstunden, heute sind es mit rund 50.000 Kilowattstunden rund 20 Prozent weniger.

Noch deutlicher wird das, wenn man den tatsächlichen Energieverbrauch betrachtet. Er sank von knapp 73 Millionen Kilowattstunden im Jahr 1987 auf 40,5 Millionen Kilowattstunden im vergangenen Jahr. „Das entspricht gut 55 Prozent des Niveaus von 1987“, stellt Schuldezernent Helmut Betschel-Pflügel befriedigt fest.

Auch die Art der Wärmegewinnung hat sich erheblich verändert. Waren es Ende der 80er Jahre überwiegend Ölheizungen so liegt deren Anteil bei weniger als 40 Prozent. 60 Prozent tragen die Ergasheizungen bei. Der Anteil von Anlagen, die mit Holzhackschnitzeln betrieben werden, liegt bei vier Prozent, meist sind dies Großanlagen an Schulzentren.

Regenerative Energien im Aufwind

Weitere Heizungsanlagen, die mit Holzhackschnitzeln und anderen regenerativen Energieträgern beschickt werden können, sind in der Planung. Am Schulzentrum in Büdingen ist mit dem Bau einer entsprechenden Anlage bereits begonnen worden. Am Schulzentrum im Friedberg sind Fördermittel beantragt. Die Grundschule in Ortenberg soll ebenfalls eine solche Anlage bekommen. Die Mittel werden im kommenden Jahr in den Haushalt eingestellt.

Pelletsanlagen sollen auch die Hausbergschule in Butzbach, die Geschwister-Scholl-Schule in Niddatal, die Grundschule in Friedberg-Fauerbach, die Hugo-Buderus-Schule in Hirzenhain sowie die Erich-Kästner-Schule in Rosbach-Rodheim erhalten.

Wärmedämmverbundsystem hilft Energie sparen

Zur Bereitstellung von Wärme gehört auch eine optimale Nutzung der Energie. Bis zu 30 Prozent der Wärmeverluste eines Hauses entstehen durch mangelhaft abgedichtete Außenwände. In den vergangenen Jahren hat der Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft deshalb ein besonderes Augenmerk auf die Dämmung von Schulen gerichtet. In diesem Jahr wurden als große Maßnahmen Wärmedämmverbundsysteme am Weidig-Gymnasium in Butzbach, an der Philipp-Dieffenbach-Schule in Friedberg, der Kurt-Schumacher-Schule in Karben und der Brüder-Grimm-Schule in Friedberg-Dorheim aufgebracht.

Einsparungen durch anderes Nutzerverhalten

„Wir versuchen, durch technische und bauliche Veränderungen den Energieverbrauch in den Schulen massiv zu reduzieren. Ein wichtiger Aspekt ist freilich auch ein angepasstes Nutzungsverhalten. Bei voll aufgedrehter Heizung Klassenräume längere Zeit zu lüften ist natürlich wenig effizient. Wir bilden die Hausmeister an den Schulen fort um hier Multiplikatoren für ein verändertes Nutzerverhalten zu qualifizieren. Der Energiebericht dokumentiert die aktuelle Verbrauchs- und Kostenentwicklung von Vergangenheit und Gegenwart. Kreistag und Kreisausschuss müssen daraus die weiteren Maßnahmen für die Zukunft ableiten“, so abschließend Schuldezernent Helmut Betschel-Pflügel.
Quelle: Stadt Wetteraukreis – Pressestelle

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