Energiewechsel

Bad Homburg: Kurstift steht vor wichtigen Weichenstellungen

Pressemeldung vom 28. September 2009, 15:12 Uhr

Bad Homburg. Stadt und AVIVRE: Tun, was den Bewohnern nützt

Das Bad Homburger Kurstift besitzt sehr gute Voraussetzungen. Darüber sind sich der Gesellschafter Stadt und die mit der Umstrukturierung beauftragte AVIVRE Consult GmbH einig. Dennoch gaben sich Oberbürgermeister Michael Korwisi, AVIVRE-Geschäftsführer Frank Löwentraut, Stadtrat Manfred Falkenmeier und Kurstift-Geschäftsführer Peter Ahrens bei einer gemeinsamen Pressekonferenz zurückhaltend, als es um die Bewertung der Chancen für eine baldige Gesundung des Stifts geht. Ihr Fazit: Um das Kurstift für die Zukunft zu rüsten, muss zuerst ein Konzept für eine Umstrukturierung erarbeitet werden. Es stehen dann noch schwierige Gespräche bevor.

„Wir wollen, dass diese Einrichtung aus eigener Kraft agieren kann, denn sie gehört in die Stadt Bad Homburg. Dies aber wird mit einem hohen Aufwand verbunden sein und wird auch nur gehen, wenn die Beteiligten gleich zu Beginn sehr offen miteinander reden“, sagte OB Korwisi. Das Kurstift müsse fit gemacht werden, um auch bei den durch demografischen Wandel und neue gesetzliche Vorgaben geänderten Bedingungen seine Aufgaben zum Wohle der Bewohnerinnen und Bewohner nachhaltig erfüllen zu können. Stadtrat Falkenmeier, als Dezernent im Magistrat für das Kurstift zuständig und Vorsitzender des Aufsichtsrates, stellte fest: „Die Einrichtung steht am Beginn eines keinesfalls einfachen Weges.“

Ein neues Konzept müsse viel stärker als bisher auf die Bedürfnisse pflegebedürftiger Höchstbetagter abstellen, sagte AVIVRE-Geschäftsführer Löwentraut. Interessenten zögen auf Grund eigener Wünsche, vor allem aber auch auf Grund der gesetzlichen Lage immer später in Einrichtungen wie das Kurstift als noch Mitte der 80er-Jahre. Löwentraut: „Betreutes Wohnen ohne Pflege funktioniert daher heute nicht mehr.“

Entsprechende strategische Versäumnisse müssten jetzt aufgearbeitet werden, resümierte Löwentraut. Er suche aber nicht in Vergangenem, er akzeptiere die Situation so, wie sie sich heute darstelle. Löwentraut: „Unser erster Schritt ist, die Defizite zu benennen und dort, wo es nicht mehr geht, neue Wege einzuschlagen. Wir arbeiten von heute ab daran, dass der Aufsichtsrat die Weichen in wichtigen Punkten anders stellen kann.“ Die Entscheidungen des Aufsichtsrats sollen ab sofort in einem Steuerungsausschuss vorbereitet werden, dessen Mitglieder auch Neuerungen im operativen Geschäft vorschlagen und im Rahmen einer zu beschließenden Geschäftsordnung selbst entscheiden können. Löwentraut: „Das Kurstift hat sehr gute Bedingungen, wird aber mittelfristig nicht selbst das Geld verdienen können, das erforderlich ist, um seine Leistungen nachhaltig erbringen zu können.“ Die Leistungen des Kurstifts in der Pflege zum Beispiel seien deutlich höher als die Erlöse. Der Geschäftsführer bezeichnet das richtige Verhältnis zwischen Personalkosten, operativen Kosten und Umsatz als ein weiteres zentrales, aber nicht unlösbares Thema. „Um diesen Punkt zu ändern, werden auch Verhandlungen mit der Heimaufsicht erforderlich sein“, sagte der Geschäftsführer. Dass er neben der Heimaufsicht auch den Heimbeirat beteiligen werde, sieht Löwentraut als Selbstverständlichkeit an.

Korwisi, Löwentraut, Ahrens und Falkenmeier nannten für die kommenden Schritte zwei Prioritäten. Priorität eins: eine hervorragende Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner. „Wir wollen alles unternehmen, was in diesem Punkt nützt“, sagte Löwentraut. Priorität zwei: das Personal. So gäbe es in den heutigen Tarif-Strukturen keine Möglichkeiten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit guten Leistungen entsprechend zu entlohnen oder an Erfolgen teilhaben zu lassen. Das Kurstift werde möglichst schnell auch zusätzliche Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung schaffen, so Löwentraut. Mitarbeiterzufriedenheit nannte er ein wesentliches Qualitätsmerkmal für eine gut funktionierende Einrichtung.

Der AVIVRE-Geschäftsführer betonte, trotz der genannten Punkte sehe er unter dem Strich mehr Positives. Unter anderem als herausragend bezeichnete er die Lage mitten in einer Stadt wie Bad Homburg. Damit habe das Kurstift ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber vergleichbaren Einrichtungen.

„Jeder Euro, der in das Kurstift investiert wird, ist gut investiert“, ist sich Löwentraut sicher. Das Kurstift habe bei der Umsetzung eines neuen Betriebskonzeptes eine gute bis sehr gute Zukunft insbesondere auch in Bezug auf die hohe Zahl ältere Menschen, die im Einzugsgebiet der Einrichtung leben.

„Heute ist es zu früh, um bereits über einzelne Planungsschritte zu urteilen“, sagte OB Korwisi. Er gehe davon aus, dass dieser jetzt vorgenommene Schnitt für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Personal langfristig richtig sei.
Quelle: Stadt Bad Homburg – Pressestelle

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis