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Bad Homburg v.d.Höhe: Neuerwerbungen fürs Stadtarchiv

Pressemeldung vom 2. März 2017, 14:48 Uhr

Das Stadtarchiv bewahrt nicht nur das geschichtliche Erbe von Bad Homburg, sondern versucht auch, durch Neuerwerbungen, den historischen Bestand zu ergänzen. Nun konnte das Stadtarchiv zwei ganz unterschiedliche Highlights ankaufen: Den Brief eines Nobelpreisträgers und ein Album mit Fotos vom Atelier Voigt.

Samuel Joseph Agnon (1888-1970) gilt als der wichtigste hebräische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, quasi der „Goethe“ Israels. 1966 bekam er zusammen mit Nelly Sachs sogar den Literaturnobelpreis. Drei Jahre lang wohnte er in Bad Homburg: von 1921 bis 1924. Zahlreiche jüdische Intellektuelle aus dem osteuropäischen Raum kamen nach dem 1. Weltkrieg nach Westeuropa, vor allem nach Berlin, viele wanderten später nach Israel aus und bildeten dort die intellektuelle Elite. Agnon, der eigentlich Czaczkes hieß und auch unter diesem Namen noch in unserer Stadt wohnte, kam 1921 nach Bad Homburg und lebte dort mit seiner Familie in der Villa Imperiale (Kaiser-Friedrich-Promenade 82). Er gehörte zu einem Kreis jüdischer Intellektueller um die Verlegerin Shoshana Persitz und den Schriftsteller Chaim Nachman Bialik, die ebenfalls zu Beginn der 20er Jahre hier lebten. In der Nacht vom 4. auf den 5. Juni 1924 brannte das Haus, in dem der Schriftsteller lebte, und wurde dabei völlig zerstört (möglicherweise Versuch eines Versicherungsbetrugs eines Nachbarn).

Das Feuer hatte schlimme Folgen: Die gesamte Bibliothek des Schriftstellers und bedeutende Werkmanuskripte, darunter eines, das er mit Martin Buber erarbeitet hatte, wurde zerstört. Das Ereignis nahm Agnon zum Anlass, die Entscheidung, nach Palästina auszuwandern, endlich umzusetzen.

Das Stadtarchiv konnte nun einen Brief Agnons aus dem Jahr 1921 an seinen Schwager Moshe Marx in Berlin erwerben. Das Schreiben wurde unmittelbar nach Ankunft der Familie Czaczkes in Bad Homburg verfasst, da die endgültige Adresse noch nicht feststand. Es geht in dem Brief um Bücher, die der Autor zu kaufen gedenkt und die nach Bad Homburg kommen sollen. Weiterhin erkundigt er sich nach Gerschom Scholem, dem bedeutenden Erforscher jüdischer Mystik.

„Für uns ist dieser Fund in einem Antiquariat ein Glücksfall. Der Brief ist besonders wichtig, weil er von eben jenen Büchern handelt, die dann 1924 im Feuer untergingen. Zudem haben wir nicht viele Unterlagen zu seinem Aufenthalt. Vorhanden ist z.B. die Akte des Rechtsstreits, den Agnon nach dem Feuer gegen die Stadt führte“, erläutert Oberbürgermeister Alexander Hetjes.

Auch die zweite Neuerwerbung, die von einer Auktion stammt, ist für das Stadtarchiv ein interessanter Fund: Es handelt sich dabei um ein prächtiges Geschenkalbum in Maroquin-Leder mit goldgeprägtem Titel und Goldschnitt aus dem Jahre 1904. Die Fotos stammen aus dem Atelier T.H. Voigt. Thomas Heinrich Voigt selbst starb 1896, so dass die Fotos entweder weiter genutzt wurden für solche Alben oder von seiner Witwe Louise Hatzig-Voigt bzw. von Sohn Thomas Friedrich Voigt angefertigt wurden.

In dem Album gibt es Gesamtansichten der Kurstadt zu sehen sowie Fotos von Kurpark, Kurhaus, Kaiser-Wilhelms-Bad, Russische Kirche, Elisabethenbrunnen und Saalburg. Besonders machen das Album aber die Aufnahmen vom Croquet-Platz. Dieser war sehr beliebt bei englischen Kurgästen, aber in den Beständen des Stadtarchivs gab es davon noch nicht viele Fotos, nur wenige Postkarten sind vorhanden.

„Das Album ist aber auch als Ganzes sehr interessant, weil es ein Geschenk der Kurverwaltung an Spencer Castle Esq. ist. Er bekam es als Dank für 25 Jahre Kuraufenthalt in Bad Homburg, wie eine Widmung von 1904 auf dem Vorsatzblatt erklärt“, so Hetjes.

Quelle: Bad Homburg v.d.Höhe

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