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Bad Homburg v.d.Höhe: Sanatorium Goldschmidt – Erinnerungsort und Denkmal lebendiger Baugeschichte

Pressemeldung vom 2. Juni 2015, 10:39 Uhr

Das Gebäude des ehemaligen Taunus-Sanatoriums Dr. Goldschmidt ist ein bedeutender Erinnerungsort Bad Homburger und Gonzenheimer jüdischer Kurgeschichte und ebenso ein Denkmal lebendiger Baugeschichte.

Zu diesem Ergebnis kommt die Sozialwissenschaftlerin und Historikerin Dr. Birgit Seemann in einer Studie, die sie im Auftrag des Stadtarchivs Bad Homburg angefertigt hat. Die Autorin stellt ihre Studie am Mittwoch, 10. Juni, 19:00 Uhr, in der Reihe „Aus dem Stadtarchiv“ im Gotischen Haus vor.

„In Bad Homburg steht mit diesem Gebäude ein Zeugnis der Geschichte, das heute als einzigartig bezeichnet werden darf“, sagt Oberbürgermeister Michael Korwisi. Die Stadt habe zu Recht eine Erhaltungssatzung beschlossen. Korwisi erwartet: „Diese Studie wird die Diskussion über die Zukunft des Gebäudes am Rebenweg entscheidend beeinflussen.“

Dr. Seemann stellt fest: „Heute ist das einstige ‚Jüdische Sanatorium‘ wohl das einzige seiner Art, das noch erhalten und nicht überbaut, überdies leerstehend und nicht anderweitig genutzt ist.“ Die Autorin stellt auch das „herausragende Profil“ des Gebäudes dar. Es handele sich um ein Zentrum jüdischer Sozial-, Kultur- und Biografiegeschichte. Gründer Dr. Siegfried Goldschmidt habe sich zur Neo-Orthodoxie bekannt, die die Thora mit Erkenntnissen moderner Wissenschaft, in diesem Fall mit Erkenntnissen über medizinische Verfahren und Freudsche Psychoanalyse, anreicherte. „Die vermutlich größtenteils konservativ-jüdische Patientenschaft reiste aus dem gesamten Kaiserreich und dem Ausland an“, schildert Dr. Seemann die damalige Bedeutung der Einrichtung. Sie stellt weiter fest: „Die Kurklinik Dr. Goldschmidt war ein Ort jüdischen Lernens und ein Schutzraum vor Antisemitismus.“ Die 1928 eingeweihte Synagoge habe Beachtung in der jüdischen Welt gefunden, was die Autorin für eine Medizin- und Pflegeinstitution als eher ungewöhnlich betrachtet, und sei vermutlich auch von Gläubigen aus Bad Homburg und Gonzenheim aufgesucht worden.

Die Stadt hat außer der jetzt vorgelegten wissenschaftlichen Studie über die Geschichte des Sanatoriums und seine Bedeutung in der heutigen Zeit in Abstimmung mit dem Hochtaunuskreis auch ein Gutachten über den baulichen Zustand in Auftrag gegeben. Ziel der Stadt ist es, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen und den Eigentümer der Liegenschaft, den Hochtaunuskreis, zu bewegen, das Sanatoriumsgebäude zu erhalten.

Quelle: Bad Homburg v.d.Höhe

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