Energiewechsel

Bad König: Der Bundespräsident muss noch warten

Pressemeldung vom 27. September 2016, 13:32 Uhr

PERSÖNLICHKEITEN – Sein Name ist Frank Schoenmaker. Seine Taten sind nicht ganz alltäglich und dennoch aus dem Alltag einiger Mensch nicht mehr wegzudenken. Seine Leistungen sind für manche lebenswichtig. Sie leben mitten unter uns. Oft unbekannt und unerkannt. Es handelt sich nicht um Spione, Schläfer, Terroristen, Gangster oder andere zwielichtige Gestalten. Das Gegenteil ist der Fall. Es sind die unauffälligen Helden des Alltags, um die es hier im Allgemeinen geht. Und in diesem Fall um einen besonderen. Wie alles begann: 2014 freute sich Frank Schoenmaker nach 45 Berufsjahren auf die Rente und seine neu gewonnene Freiheit. Aber einrosten wollte er nicht. Aus seiner verantwortlichen Position in der Werbebranche waren ihm 40-Stunden-Wochen ohnehin fremd. Meistens arbeitete er wesentlich mehr und führte wahrscheinlich damals schon das Wort „Engagement“ quasi als zweiten Vornamen. Der frisch gebackene Ruheständler nahm sich also vor, mindestens einen Tag in der Woche im sozialen Bereich ehrenamtlich tätig zu sein. Nebenbei noch etwas Zeit für seine Hobbys Musik und Fußball. Ersteres als aktiver Gitarrenspieler. Letzters als aktiver Zuschauer. Sich vermehrt Frau, Familie und Freunden zu widmen, so stellte er sich sein Leben vor. Als aufmerksamen Zeitungsleser waren ihm die Ehrenamtsagentur im Odenwaldkreis und die Flüchtlingshilfe im AWO-Jugendtreff der Bad König bekannt. Eine erste Anfrage bei der besagten Fachstelle für Freiwilligenarbeit ließen noch nicht erahnen, was sich daraus entwickeln würde. Mit Nachhilfeunterricht für Schüler/innen ging es los. Danach begann der Best Ager, Menschen seiner Altersgruppe im Umgang mit dem PC zu schulen. Anschließend erwarb er die Qualifikation als Kursleiter für die Sicherheit von Senioren, um ihnen Möglichkeiten zur Gegenwehr gegenüber Neppern, Schleppern und Bauernfängern an die Hand zu geben. Vor anderthalb Jahren kam sein Einstieg in die Flüchtlingshilfe Bad König. Erst als Urlaubsvertretung für einen ehrenamtlichen Deutschlehrer. Dann übernahm das Multitalent eigene Sprachkurse. Ob Plakate, Flyer oder Einladungen entwerfen, Ämter- und Arztbesuche mit den Schutzsuchenden, organisatorische und handwerkliche Hilfen – er nahm seither viele Herausforderungen an und sieht, wo es fehlt. Was er nicht kann, eignet er sich an. Er gehört zu den Leuten, die Probleme lösen wollen und keine Probleme machen möchten und dabei bescheiden bleiben. Der Autodidakt hatte vorher noch nie einen Sprachkurs geleitet oder einem Analphabeten Lesen und Schreiben beigebracht. Mittlerweile führte er fünf Menschen in zwei Alphabetisierungskursen an die deutsche Sprache in Wort und Schrift heran. Im Laufe der Zeit unterrichtete er insgesamt über 60 verschiedene Sprachschüler/innen aus über 20 Nationen. Der Allrounder wird von den Asylsuchenden gleichermaßen geschätzt wie von seinen Kolleginnen und Kollegen in der Flüchtlingshilfe. Seine zuvorkommende, offene und unkomplizierte Art, seine Interesse am Mitmenschen und seine Lernbereitschaft sowie sein Gemeinschaftssinn machen ihn zur Identifikationsfigur und zum Vorbild für viele. Schließlich sagt der Teamplayer über seine Tätigkeiten: „Ich lerne jeden Tag von den Leuten, ihren Lebensgeschichten, ihrem kulturellen Hintergrund und ihren Ansichten. Das ist sehr bereichernd.“ Eigentlich hatte er aufgrund seines Engagements eine Einladung des Bundespräsidenten zu dessen Sommerfest Anfang September in Berlin. Dass er sie nicht wahrnahm, lag daran, dass er nicht gerne im Mittelpunkt steht sondern auf dem Teppich bleiben möchte. Demnach bedurfte es einiger Überzeugungskraft des Autors, unseren Protagonisten zur Zustimmung für diesen Bericht zu bewegen. Dass es geklappt hat, darüber ist der Verfasser sehr froh. Auf diese Weise kann mit der Öffentlichkeit geteilt werden, was sonst im Stillen verborgen geblieben wäre. Vielleicht kann der Spieß auch eines Tages umgedreht, Frank Schoenmaker zu seinem Glück gezwungen und der Bundespräsident von einem Besuch im Odenwald überzeugt werden. Schließlich geht das Staatsoberhaupt nächstes Jahr in Ruhestand und hat dann vielleicht mehr Zeit für wirklich wichtige Dinge im Leben – so wie Frank Schoenmaker aus Bad König. Lutz Schröder, AWO-Jugendpflege der Stadt Bad König

Quelle: Stadt Bad König

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