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Büdingen: 500 Jahre Büdinger FestungsKunst

Pressemeldung vom 28. Juni 2011, 13:25 Uhr

Ein großes Mauer-Werk
In den Gräben ist kein Wasser mehr, aber sonst fast alles noch so wie vor 500 Jahren: Büdingen darf sich glücklich schätzen, eine der am besten erhaltenen Befestigungsanlagen Deutschlands zu besitzen, die wie kaum eine andere für den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit steht. Da später nicht verändert, blieb erkennbar, wie man einen ursprünglich zum Schutz und zur (rechtlichen) Abgrenzung errichteten Steinwall unter dem Eindruck fortschreitender Waffentechnik ausbaute. Waren Mauern bis dato eher hoch und schmal, wurden sie nun abgeflacht und verstärkt sowie mit flutbaren Gräben umgeben. Ecken und Zugänge deckten in Rundbauweise angelegte Bollwerke, aus denen über mehrere Stockwerke Kanonen feuern konnten.

Mit den neuen Mauern sollte aber auch Macht- und Repräsentationswillen demonstriert werden. Selbst in der kleinen Grafschaft Büdingen wusste man Wehrhaftigkeit mit Kunstfertigkeit zu verbinden: Den Hauptzugang der über zweieinhalb Kilometer langen Mauerzüge, das doppeltürmige Jerusalemer Tor von 1503, zieren Wappen, Erker und eine filigrane Maßwerkbrüstung. Dieses heute von einem Mineralienmuseum genutzte Tor bildete freilich noch nicht den Schlussstein in dem von auswärtigen Bauhütten über Jahrzehnte hochgezogenen Steinrechteck mit seinen über zwanzig Türmen und Toren, von denen noch 17 stehen.

Die Hauptarbeiten fanden um 1511 einen vorläufigen Abschluss; jedenfalls ließ es sich in diesem Jahr der knapp neunzigjährige Graf Ludwig II. zu Ysenburg nicht nehmen, höchstselbst die Wehrgänge zu inspizieren. Tragischerweise erschlug ihn dabei ein Baugerüst, wie man durch die am nordöstlichen Eckturm angebrachte Inschrift GOD GNAD DER SELE weiß. Ungeachtet dieses Geschehens kam die vom Grafenhaus finanzierte Fortifikation bald darauf endgültig zur Fertigstellung. Allerdings musste sie nie eine wirkliche Feuertaufe bestehen. Was der heutige Betrachter für Kugeleinschläge halten mag, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als Zangenlöcher zum Anheben der Steinquader.

Spätestens im Dreißigjährigen Krieg hatten sich die meisten Befestigungswerke überlebt. Da der Wettlauf gegen die immer durchschlagskräftigere Artillerie nicht zu gewinnen war, begann das viel gravierendere Vernichtungswerk erst jetzt, indem vielerorts die Mauern abgetragen wurden. Nicht so in Büdingen. Grafenhaus und Gemeinde der traditionsbewussten Residenz verzichteten darauf, die Bollwerke zu schleifen. Diese Entscheidung bewahrte nicht nur ein bedeutendes Kulturdenkmal aus der Zeit um 1500, sie kam auch dem historischen Ortsbild zugute. Die intakte Schale half, ebenso verantwortlich den Kern zu erhalten. Heute steht die Stadtmauer unter Denkmalschutz und ist nach aufwendiger Sanierung stabil genug, auch die nächsten 500 Jahre zu überdauern.

Mit der Sonderführung „Leben in und mit der Festung“ am 03. Juli und am 11. September, jeweils 14.30 Uhr erinnert Büdingen an „500 Jahre FestungsKunst“. Ein Fotowettbewerb lädt ein, den eigenen Eindruck von der Bastion, den Steinmetzarbeiten, Wappen und Türmen zu zeigen. Die Bilder können auf der Internetseite der Tourist-Information (www.buedingen-touristik.de) hochgeladen werden. Attraktive Preise, wie ein privates Kerzenschein-Dinner auf der Festung, warten auf die Gewinner. Den Höhepunkt im Themenjahr stellt das Mittelalterfest Büdingen vom 08. bis zum 10. Juli 2011 dar. Hier kann alte Handwerks- und Steinmetzkunst bei Vorführungen hautnah erlebt werden.

Quelle: Tourist-Information Büdingen

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