Energiewechsel

Burghaun: Kiebitzgrund ist jetzt wieder anonym

Pressemeldung vom 2. Februar 2015, 13:43 Uhr

Hessen Mobil ordnete Entfernung der Hinweisschilder an

Burghaun. Fast auf den Tag zehn Jahre standen sie an den Zufahrtsstraßen in den Kiebitzgrund. Jetzt mussten sie auf behördliche Anordnung entfernt werden. Die von Hans Bolender entworfenen Hinweisschilder, die darauf hinwiesen, dass man nun den Kiebitzgrund betritt. Neben Unverständnis prägt vor allem Verärgerung über den landesbehördlichen Amtsschimmel die Stimmung der Verantwortlichen in der Marktgemeinde Burghaun. Und auch Schilder-Initiator Hans Bolender schüttelt darüber nur den Kopf.

„Auslöser dafür, dass wir diese Schilder aufgestellt haben, war die Sportgemeinschaft Kiebitzgrund. Die musste immer erklären, wo der Kiebitzgrund denn liegt, wenn Gastmannschaften zu Spielen anreisen mussten“, erinnert sich Bolender. Also überlegte man, wie man die Auffindung des Kiebitzgrundes erleichtern könnte. Die Lösung: Schilder an den Gemarkungsgrenzen der Dörfer aufstellen, die das Gebiet bilden, also die Dörfer Großenmoor, Hechelmannskirchen, Langenschwarz und Schlotzau. Summa summarum wurden sechs Schilder für 2000 Euro angefertigt, deren Design von Bolender entworfen worden war, und entsprechend aufgestellt.

Hessen Mobil bewertet Beschilderung als unzulässig
Die schlichten, ovalen Schilder markierten also fortan das Gebiet des Kiebitzgrunds. Doch nach immerhin über neun Jahren sind sie wohl auch Hessen Mobil aufgefallen – was offensichtlich sofort eine Prüfung hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Beschilderung ausgelöst haben muss. Ergebnis: So etwas ist unzulässig. Nach dem Hessischen Straßengesetz entsprächen die Schilder nicht den dort festgelegten Vorgaben. Auch stünden sie zu nahe an den betroffenen Landes- und Kreisstraßen. Und überhaupt wären das Werbeschilder. Also seien sie zu entfernen, so der landesbehördliche Bescheid.

Bolender hält dem entgegen: „Mit diesen Schildern haben wir auch den Kiebitzgrund touristisch in den Blick gerückt. Es wird ja immer wieder, auch von Seiten des Landes, darauf hingewiesen, dass man regionale und lokale Eigenheiten herausstellen und damit auch Werbung machen soll. Nichts anderes haben wir doch mit den Schildern getan, indem wir angezeigt haben, wo der schöne Kiebitzgrund sich befindet. Doch das scheint die Entscheidungsträger bei Hessen Mobil und im Wirtschaftsministerium nicht anzufechten. Die exekutieren irgendwelche Vorschriften, ohne dabei den sonst immer so gerne propagierten höheren Willen bezüglich Förderung regionaler oder lokaler Identitäten und des Tourismus zu berücksichtigen“, zürnt er.

Bürgermeister Hohmann: Niemanden gestört oder gefährdet
Auch Bürgermeister Alexander Hohmann ist deutlich der Unwillen anzumerken. „Es ist schon erstaunlich, dass fast zehn Jahre niemand Anstoß an den Hinweisschildern genommen hat, jetzt aber da ein Riesenfass aufgemacht wird. Die Schilder haben weder irgendwen gefährdet, noch haben sie sonst irgendwie gestört. Allerdings ist es zutreffend, dass seinerzeit keine Genehmigung für die Aufstellung der Schilder eingeholt worden war. Deswegen haben wir auch versucht, über entsprechenden Schriftverkehr dies nachzuholen. Doch Hessen Mobil, aber auch das übergeordnete Hessische Wirtschaftsministerium ließen sich nicht erweichen. Da wurde unter anderem argumentiert, dass die Schilder künstlerische Objekte seien. Für die Menschen im Kiebitzgrund waren sie aber in erster Linie Ausdruck der lokalen Identität“, so Hohmann.

Und so kam es dann, dass das Straßen- und Verkehrsmanagement bei Hessen Mobil in Fulda zuletzt mit Schreiben vom 2. Dezember 2014 ultimativ die Entfernung der Schilder anordnete. Für den Fall, dass dies nicht fristgerecht durch die Marktgemeinde Burghaun erfolgen würde, wurde eine entsprechende Ersatzmaßnahme durch Hessen Mobil angedroht, deren Kosten man dann der Gemeindekasse in Rechnung stellen würde. „Offensichtlich scheint es keine größere Probleme zu geben, mit denen sich Hessen Mobil befassen muss, dass sie für diese Angelegenheit so viel Energie und Manpower einsetzen kann“, kommentiert Bürgermeister Hohmann den Vorgang, nicht ohne eine gewissen spöttischen Unterton durchklingen zu lassen.

Demonstrativer Schilderabbau mit politischer Beteiligung
Also entschloss man sich, den Abbau der Schilder nicht einfach als Verwaltungsakt so nebenbei durch den gemeindlichen Bauhof „zu vollziehen“. Es sollte eine kleine Demonstration der Marktgemeinde Burghaun gegen den „landesbehördlichen Ukas“, mit dem der Schilderabbau verfügt worden war, symbolisieren. Und so legte nicht nur kraftvoll Bauhofleiter Gerd Wedemeyer, sondern auch Bürgermeister Hohmann sowie die beiden Beigeordneten Rolf Lambertz und Gerhard Nuhn Hand an, um die Objekte des Anstoßes zu entfernen. Allerdings werden die Schilder nicht wirklich aus dem öffentlichen Raum verschwinden. Hohmann erläuterte hierzu: „Wir werden die Schilder in den Ortslagen der vier Dörfer erneut aufstellen. Da haben wir als Gemeinde die Hoheit. Allerdings muss ich zugeben, dass dann leider die beabsichtigte Wirkung der Schilder weg ist.“

Quelle: Burghaun

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis