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Erbach: Blick auf den Herbst – ALR verstärkt mehrere Maßnahmen – Reges Interesse am Programm „Mensch – Natur – Kulturlandschaft“

Pressemeldung vom 11. September 2009, 11:41 Uhr

Erbach. Mit dem Blick auf den herannahenden Herbst richtet der Odenwaldkreis seine Unternehmungen und Fördermaßnahmen verstärkt auf den Streuobstbau aus. So hat das Amt für den ländlichen Raum (ALR), wie berichtet, zum Mitmachen bei der Streuobstaktion aufgerufen, damit wieder 1.000 junge Obstbäume zur Bereicherung der Kulturlandschaft gepflanzt werden können. Anträge für die Sammelbestellung nimmt das ALR in Reichelsheim noch bis Mitte Oktober an. Derzeit läuft das Auswahlverfahren für das Odenwaldprogramm „Mensch – Natur – Kulturlandschaft“ und auch die Obstbörse soll wie im Vorjahr in Gang gesetzt werden, damit Obst aus ungenutzten Streuobstwiesen wieder gute Verwendung findet. Mit diesem Bündel an Maßnahmen bekräftigt Landrat Dietrich Kübler das engagierte Bemühen um die Förderung der Streuobstkultur im Odenwaldkreis.
Das Amt für den ländlichen Raum in Reichelsheim bittet Besitzer von Streuobstwiesen und Obstbäumen, sich dort zu melden, wenn sie Obst zur Selbst-Ernte insbesondere auch für Interessierte aus den Ballungsräumen zur Verfügung stellen wollen. Im vorigen Herbst startete das ALR erstmals eine Obst- und Apfelbörse. Auslöser war damals die Überfülle von Obst auf den Streuobstwiesen, das zum Teil nicht geerntet werden konnte und dazu führte, dass viele alte Bäume auseinander brachen. Weil aus dem Raum Mannheim, aus der Region von Darmstadt bis Frankfurt und Hanau immer häufiger Anfragen kamen, wo im Odenwald bei Wochenendausflügen Obst für den Eigenbedarf aufgelesen oder gepflückt werden könnte, entstand die Idee, zwischen Angebot und Nachfrage zu vermitteln. Gab es zunächst nur konkrete Nachfrage nach frischem gesunden Obst aus Streuobstwiesen zum Einlagern oder auch um selbst Apfelsaft zu pressen, gelang es nach dem Aufruf in kurzer Zeit Streuobstwiesenbesitzer zu finden, die gern ihre nicht mehr selbst genutzten Bäume zum Abernten zur Verfügung stellten.
In diesem Jahr ist die Situation ähnlich. So fragt zum Beispiel eine junge Familie mit Kindern aus Darmstadt an, ob das ALR Obstbäume zum Selberernten „vermitteln“ könne. Das Amt sieht die Apfel- und Obstbörse daher als eine Einrichtung, die dazu beitragen kann, die Streuobstkultur im Odenwald auf Dauer zu erhalten. Das Interesse an Obstschnittlehrgängen und Baumpflanzaktionen zeigt zwar, dass die Bevölkerung wohl ein waches Interesse hat, den Streuobstanbau zu bewahren, zugleich gibt es aber etliche Streuobstwiesen, die nicht mehr gepflegt werden und deren Obst nicht mehr geerntet wird.
Die Naturschutzverbände haben schon länger darauf reagiert und Baumpatenschaften organisiert, wie zum Beispiel BUND Breuberg/Höchst. Die Obstbörse kann als erster Schritt zum Einstieg in eine dauerhafte und nachhaltige Verantwortung betrachtet werden, den uralten Kreislauf der Streuobstkultur mit dem Pflanzen, Veredeln und Schneiden, schließlich mit dem Ernten und der Herstellung von Saft, Brand, Tafelobst, Dörrobst oder Mus in Gang zu halten.
Wer eine Obstwiese oder einzelne Obstbäume besitzt und die Früchte, seien es Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Walnüsse und so weiter nicht mehr selbst erntet, wird gebeten, sich bei Kurt Ester im ALR zu melden, Telefon 06164 50528 und die erforderlichen Angaben zur Lage des Grundstücks, der Obstmenge und der Kontaktadresse zu machen. Auch wer Obstbäume abernten möchte, kann sich mit dem Amt in Verbindung setzen. Das ALR knüpft auch Kontakte zu Keltereien und Brennereien, bei denen Obst angeliefert werden kann oder wo im Lohn gekeltert und gebrannt wird.
Für das laufende Odenwaldprogramm „Mensch – Natur – Kulturlandschaft“ liegt in Reichelsheim eine lange Liste von Bewerbungen und Vorschläge vor. Für den Streuobstbereich werden weitere Bewerbungen gern angenommen, damit dieser ökologisch wichtige Lebensraum und die Leistungen der Streuobstwiesenbesitzer gewürdigt werden können.
Der Odenwaldkreis hatte dieses Programm im Jahr 2007 eingeführt, um Eigeninitiative zu Pflege und Erhalt der Kulturlandschaft zu wecken und zu belohnen. Bürgerinnen und Bürger, die ökologisch wertvolle Grünland- und Streuobstbestände bewirtschaften und damit Lebensraum für seltene Pflanzen- und Tierarten schaffen und schützen, können Prämien bis zu 1.000 Euro bekommen. „Mensch – Natur – Kulturlandschaft“ ist ein wichtiger Baustein im Regionalen Entwicklungskonzept (Reko) und greift den Leitbildgedanken der Regionalen Entwicklungsgruppe auf, die den Odenwald als „landschaftlich und kulturell attraktive, ökologisch intakte Region mit klarem Qualitätsprofil in Rhein-Main-Neckar“ beschreibt.
Innerhalb von zwei Jahren wurden 72 Bürgerinnen und Bürger mit Prämien von rund 60.000 Euro für ihre Verdienste um Pflege und Erhalt besonderer Lebensräume sowie Pflanzen- und Tierarten ausgezeichnet.
Bewertung und Auswahl der Flächen erfolgt durch die Fachbehörden des Odenwaldkreises unter Beteiligung des Naturschutzbeirats und des Gebietsagrarausschusses. Ausgezahlt werden die Prämien gegen Ende des Jahres. Weitere Informationen dazu erhalten Interessierte von Monique Bunzel unter der Rufnummer 06164 50550.
Informationen im Internet: www.streuobstregion.de

Quelle: Stadt Erbach – Pressestelle

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