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Erbach: Fortschreibung für die Zeit bis zum Jahr 2012 – Experte – „Bildung muss Qualität ausstrahlen“

Pressemeldung vom 18. September 2009, 11:18 Uhr

Erbach. Dr. Michael Reuter und Oliver Grobeis zeigten sich zufrieden: Der für Bildungsangelegenheiten zuständige Dezernent des Odenwaldkreises und der Leiter der Schulverwaltung stellten dieser Tage eine erfreuliche Nachricht aus dem Hessischen Kultusministerium vor. „Im vorliegenden Schulentwicklungsplan des Odenwaldkreises erläutern Sie detailliert die Aufgaben und Zielsetzungen, die sich aus der demografischen Entwicklung der Schülerzahlen in den einzelnen Schulformen ergeben. Die bestehenden Bildungsangebote sind umfassend dargestellt und werden hinsichtlich ihrer pädagogischen Konzepte und Planungsziele ausführlich analysiert und bewertet“, schlussfolgert der zuständige Referatsleiter Ralf Hörnig in seinem Genehmigungsschreiben.
Der Plan, konkret die Fortschreibung für die Jahre 2007 bis 2012, geht in 118 Seiten auf die qualitative Schulentwicklung ein, angefangen vom Bildungs- und Erziehungsplan bis zur gymnasialen Oberstufe und dem inzwischen breit gefächerten Angebot in der Ganztagsbetreuung. Es folgen Detailbetrachtungen aller Grund- und weiterführenden Schulen. Im quantitativen Teil wurde jede Schule von der bisherigen Schülerzahlenentwicklung ab dem Schuljahr 1997/1998 bis heute unter die Lupe genommen. Prognosen wurden ermittelt bis zum Jahr 2013, stellenweise sogar bis 2017. Unterschieden wird dabei unter allgemein bildende Schulen, Berufliche Schulen und Förderschulen. Ungezählte Schaubilder, Tabellen und Grafiken laden dazu ein, das Dokument auch als Nachschlagwerk zu nutzen.
Um die anspruchsvolle Aufgabenstellung nach allen Künsten der Evaluierung, Planung und Prognostizierung sowie unter Beachtung aller Rechtsvorgaben meistern zu können, bediente sich der Kreisausschuss der Hilfe der unter anderem auf Bildungsfragen spezialisierten Agentur PP-Agenda (Frankfurt). Deren Geschäftsführer Rolf Miller hat nicht nur in Hessen bereits für zahlreiche Städte und Landkreise Schulentwicklungspläne erarbeitet. Bis zum Jahr 2020 werde die Schülerzahl bundesweit um zwei Millionen sinken, so lauten allgemeine Annahmen.
Für den Odenwaldkreis haben die Planer einen Rückgang an den Grundschulen um rund 450 Schüler in den nächsten vier Jahren einkalkuliert. Für Miller kein Grund zur Panik und schon gar nicht Gelegenheit, den Rotstift anzusetzen: „Für die Schulträger birgt diese Entwicklung eine Chance zur Zukunftsausrichtung über eine verbesserte Qualität“. Auch Dr. Reuter sieht in den nicht unerheblichen baulichen Investitionen, der Einrichtung von Cafeterien, Bibliotheken, zusätzlichen Fach- und Rückzugsräumen sowie einer verbesserten Ausstattung ein Qualitätsmerkmal. Längst spiele ein gutes Schulangebot bei der Entscheidung eine große Rolle, wo junge Familie sich ansiedeln. Nur durch Zuzug neuer Einwohner könne der Schrumpfungsprozess des Kreises abgemildert werden, so der Schuldezernent.
Mit dem vorgelegten Plan und seiner Umsetzung könne der Odenwaldkreis sich als „Bildungsregion“ sehen lassen, ergänzte Oliver Grobeis. Dazu passend die Empfehlung des Fachmanns aus Frankfurt: „Bildung muss Qualität ausstrahlen.“ Obwohl der Plan nun bereits fast zwei Jahre alt ist, sei nur eine nennenswerte Veränderung eingetroffen, nämlich die zum Schuljahresbeginn 2009/2010 erfolgte Schließung der Grundschule von Hesseneck-Hesselbach. „Weitere Grundschulstandorte sind derzeit nicht gefährdet“, fügte Grobeis beruhigend hinzu.
Andere kleinere Grundschulen werden ihr Überleben dadurch sichern können, Jahrgänge gemeinsam zu unterrichten, sobald die Mindestklassengröße von 13 Schülern pro Jahrgang unterschritten wird. Beruhigung bescheinigt das Schreiben aus Wiesbaden auch den Schulen der Sekundarstufen I und II. Sowohl die Georg-August-Zinn-Schule in Reichelsheim wie die Carl-Weyprecht-Schule in Bad König hätten nach ihrer Umwandlung den Rückgang der Schülerzahlen stoppen beziehungsweise in ein Plus umkehren können. Mit einer Begrenzung auf sechs Züge in den Eingangsklassen habe auch der Zustrom zum Gymnasium Michelstadt gebremst werden können.
Die sonderpädagogische Förderung durch die fast ausnahmslose Integration von Lernhilfeklassen an Grundschulen bezeichnete Miller gar als landesweit vorbildlich.
Auch die Lösung der vorläufig letzten großen Aufgabe stehe unmittelbar bevor – für die Zukunft der Theodor-Litt-Schule (TLS) in Michelstadt und der Schule am Sportpark in Erbach. „Beide Schulen wissen, dass sie in der jetzigen Form nicht weiterleben können“, fasste Dr. Reuter den Sachstand zusammen. Der deutliche Rückgang von Anmeldungen auch an anderen Hauptschulen im Kreis hat allein den Förderstufenklassen fünf und sechs an der Schule am Sportpark einen Rückgang von zwölf auf acht Klassen binnen acht Jahren beschert. An der TLS schrumpfte die vergleichbare Schülerzahl gar um mehr als die Hälfte von 16 auf neun Klassen. Für beide Schulstandorte werde es zum nächsten Schuljahr Veränderungen geben, kündigten die Planer an, ohne Einzelheiten nennen zu wollen. Begründung: Die Verhandlungen mit den Beteiligten sind noch nicht abgeschlossen. Doch so viel sei bereits absehbar: Die TLS wird durch eine Einbeziehung in den zentralen Odenwald-Campus am benachbarten Beruflichen Schulzentrum profitieren.
Quelle: Stadt Erbach – Pressestelle

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