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Frankfurt am Main: Ältester Liebesbrief Frankfurts ist 411 Jahre alt

Pressemeldung vom 4. August 2009, 15:16 Uhr

Stadtführung zu den Plätzen der Liebe

Frankfurt am Main. Altstadtführungen, Ebbelwoi-Touren oder Rundgänge auf den Spuren Goethes – es gibt viele Wege, Frankfurt bei Stadtführungen kennenzulernen. Sie stellen typisch Frankfurterisches oder stadtgeschichtliches in den Mittelpunkt und bringen so Neubürgern und Touristen die Stadt näher. Das Presse- und Informationsamt präsentiert in einer kleinen Sommer-Reihe Stadtführungen der „etwas anderen Art.“ Den Anfang macht die Führung „Frankfurter Liebespaare“ mit der Historikerin Silke Wustmann.

(pia) Treffpunkt für die romantische Reise in die Vergangenheit ist das Portal des Römers. „Wir haben im Römer geheiratet und gerade unseren vierunddreißigsten Hochzeitstag gefeiert. Die Führung war ein Geschenk unserer Tochter“, erzählt eines der Ehepaare. Viele Paare haben sich für die „Liebespaarführung“ mit Silke Wustmann angemeldet, um Frankfurt mal von der romantischen Seite kennenzulernen. „Bei Liebe und großen Gefühlen denkt man gewöhnlich an Städte wie Venedig und Paris, mit Frankfurt würde man sie eher nicht verbinden“, so Silke Wustmann. Doch während ihrer Recherchen stieß die Historikerin immer wieder auf romantische, aber auch tragische Liebesgeschichten. Und zwar so viele, dass die Historikerin eine eigene Führung „Frankfurter Liebespaare“ daraus machte, sowie ein Buch und Hörbuch veröf fentlichte. „So wurde aus einem anfänglichen Nebenprodukt eine eigene Sache“, erzählt sie. Und diese vermittelt nicht nur romantische und tragische Liebesgeschichten aus 1200 Jahren, sondern: Die Teilnehmer erfahren auch so einiges aus der Stadtgeschichte, was in keinem Reiseführer zu finden ist.

Wahre Gegebenheiten und sagenhafte Überlieferungen
Silke Wustmann verknüpft während ihrer knapp zweistündigen Stadtführung wahre Gegebenheiten mit sagenhaften Überlieferungen wie der Geschichte von Ursula Melem aus dem 15. Jahrhundert. Sie war einem reichen Kölner Kaufmann versprochen, schenkte ihr Herz aber einem armen Handwerker. „Er sollte für ihre Hochzeit eine steinerne Madonna anfertigen, die angeblich die Gesichtszüge von Ursula trug“, so Wustmann. „Die Geschichte ist aber eine Legende. In Wirklichkeit hat Ursula laut dem Stammbuch der Familie Melem zweimal geheiratet.“ Eine Kopie der Madonna hängt heute immer noch am Steinernen Haus in der Altstadt, und die Redewendung „schau nicht so traurig wie die Madonna vom Steinernen Haus“ hielt sich bis zur Zerstörung der Altstadt während des Zweiten Weltkrieges.

Unbekannte Geschichten stehen im Mittelpunkt
Bei Wustmann stehen nicht die bekannten Romanzen und Affären wie die eines Johann Wolfgang Goethe im Mittelpunkt der Stadtbegehung, sondern es sind die unbekannten Geschichten von Frankfurter Bürgern und wie sie in der Stadt am Main lebten und liebten. Diese Geschichten und ihre Orte reizen Wustmann. „Ich mag Städte wie Frankfurt, die erst auf den zweiten Blick wirken und bei denen man sich Mühe geben muss, sie kennenzulernen.“ Nicht der Liebe wegen, sondern als Studentin kam sie nach Frankfurt und eroberte die Stadt auf eigene Faust. „Ich hatte einen Reiseführer und habe erstmal alles abgearbeitet, was mit ein oder zwei Sternen ausgezeichnet war“, erzählt sie. „Mit den Stadtf ührungen habe ich dann während des Studiums begonnen, um nebenbei ein wenig Geld zu verdienen.“ Heute ist es ein Vollzeitjob. Ihre „Frankfurter Liebespaare“ werden immer wieder auch von Hochzeitspaaren gebucht. „Dann lasse ich aber die tragischen Geschichten, wo einer den anderen umbringt, lieber aus“, sagt sie lachend.

„Eur getreye im Herzen – so lang ich leb“
Von den vielen Liebesgeschichten mag Silke Wustmann eine ganz besonders: „Ich finde die vom reichen Frankfurter Weinhändler Johann Adolf von Glauburg, der sich in die Nürnbergerin Ursula Freher verliebt am originellsten. Es gibt wenige Geschichten, die so gut dokumentiert sind. Vieles ging während dem Zweiten Weltkrieg vollständig verloren“, erklärt die Historikerin. Die Briefe des Paares zählen zu den ältesten Liebesbriefen Frankfurts und liegen heute im Stadtarchiv, sorgfältig in einem Klimakasten verpackt. Dort kann man dann nachlesen, was Ursula Freher vor 411 Jahren an ihren Liebsten schrieb: „Eur getreye im Herzen – so lang ich leb“. Das Wort „Herzen“ schrieb sie dabe i nicht aus, sondern malte es auf das Blatt. „Da denkt man doch, wenn man den Brief in der Hand hält, so etwas habe ich auch schon mal geschrieben, nur in einer anderen Schrift“, sagt Wustmann mit einem Schmunzeln.

Klatsch und Tratsch
Insgesamt 33 Geschichten hat sie über die Jahre zusammen getragen, viele davon enden tragisch. „Sie wären heute ein gefundenes Fressen für die Klatschspalten in den Boulevardblättern“, erzählt sie. Doch dieser Aspekt interessiert die Stadtführerin nicht. Obwohl ein Paar aus dem Frankfurt der Gegenwart sie dennoch reizen würde: „Marcel Reich-Ranicki und seine Ehefrau könnten sicher eine sehr interessante Liebesgeschichte abgeben.“

Quelle: Stadt Frankfurt am Main – Pressestelle

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