Energiewechsel

Frankfurt am Main: Backstage mit den Rockgrößen

Pressemeldung vom 6. August 2009, 16:25 Uhr

Leo Latasch hat jahrzehntelang Musiker hinter der Bühne medizinisch betreut

Frankfurt am Mai. Es war Frankfurts Konzertmanager Marek Lieberberg, der seinen Stars hinter der Bühne einen besonderen ärztlichen Service bieten wollte. So kam Leo Latasch zu seinem Nebenjob: Der Mediziner, der seit Jahrzehnten in Frankfurt im Klinikbetrieb arbeitet, übernahm die medizinische Betreuung der Musiker hinter den Kulissen.

Frankfurt am Main (pia) Dass man Tee ohne Zucker trinkt, lehrte ihn Mark Knopfler von den Dire Straits. Ob Waldstadion, Festhalle, Batschkapp oder Jahrhunderthalle – Leo Latasch war backstage stets mit dabei, im Gepäck seine mittlerweile speckig gewordene Arztledertasche. Es gibt keine große Stadt, keine Konzerthalle bundesweit, die er nicht als Arzt hinter den Kulissen mitbereist hätte. 30 Jahre war er, der seit 25 Jahren im Hauptberuf im Klinikbetrieb gearbeitet hat, ärztlicher Wegbegleiter des Konzertmanagers Marek Lieberberg und versorgte dessen Stars bei ihren Tourneen durch Deutschland. Latasch nennt Lieberberg „einen Freund“. Auch zu manchen Sängern hat er eine ganz besondere Nähe entwickelt. Seine schönste Zeit habe er mit den „Eurythmics“ erlebt: „Wenn Annie Lennox alte Geschichten erzählte, und man dabei spürte, dass sie sich bei uns beschützt fühlte, dann war das einfach schön.“

Bruce Springsteen und Stones hautnah
Kaum jemand ist den Bee Gees, ist der Band U2, ist dem „Boss“ Bruce Springsteen wohl so hautnah begegnet wie ihr Tournee-Arzt. Husten, Schnupfen, Heiserkeit – die typischen Symptome einer Erkältung – um sie kümmerte sich Latasch vor allem, „schließlich ist die Stimme das größte Kapital der Musiker“. Dass Lieberberg seinen Rock- und Popgrößen einen Arzt zur Seite stellte, sei „ein Service“ gewesen. Ein unübliches Vorgehen, in der Regel griffen Konzertmanager nämlich auf Hotelärzte zurück. „Die aber“, so Latasch, „wissen oft nicht, was hinten alles dran hängt.“ Bei den Rolling Stones etwa waren 900 Leute mit dabei. Wenn dann ein Konzert aus gesundheitlichen Gründen abgesagt würde, sei das stets eine Gratwanderung, denn „Konzertausfälle bedeuten, dass die Helfer hinter den Kulissen kein Geld sehen“. Und so kann sich denn auch Leo Latasch nur an ein einziges Konzert erinnern, das – bereits nach dem ersten Lied – abgebrochen wurde: Leo Sayer hatte eine Stimmbandentzündung.

Mit den Bee Gees zum Ebbelwei
Wie die Rock- und Popbranche tickt? „Ganz zum Anfang gab es die Drogen, danach kam der Alkohol, seit zehn Jahren aber ist man in die Normalität zurückgekehrt“, sagt Latasch. Wenn nach einem Bon Jovi-Konzert der Vorhang fällt, weiß der Rockdoc, „dann ist Ruhe“. Als einmal die Bee Gees in Frankfurt gastierten, waren ihre Familien alle dabei, und man ging anschließend zum „Apfelwein-Wagner“ nach Sachsenhausen. Wenn seinerzeit ein Musiker Schmerzmittel, Schlaftabletten, Antidepressiva, das, was man heute „Lifestyle-Medikamente“ nenne, geordert habe, habe er sich dem rigoros verweigert, sagt Leo Latasch. Ein Nein erlaubte er sich auch, wenn es um die Tourneen von Hardrockbands ging. „Ich kann ihrer Musik ni chts abgewinnen und hätte sie nie als Arzt begleitet.“

Notfallmediziner aus Leidenschaft
Seinen letzten Einsatz als Rockdoktor hatte Latasch vor einem Jahr. Heute ist er ärztlicher Leiter des Frankfurter Rettungsdienstes. Vor seinem Haus im Frankfurter Norden parkt sein Rettungswagen. Ein paar Stunden noch und der Frankfurter Mediziner, der mit seinem kurzgeschnittenen, graumelierten Vollbart irgendwie an Henryk M. Broder erinnert, wird in Richtung Flughafen lossausen. Mindestens einmal im Jahr arbeitet er als Bereitschaftsarzt in der Flughafenklinik. Mit seinen 57 Jahren ist Leo Latasch am längsten dabei. „Ich habe mich immer für die Notfallmedizin interessiert“, sagt er, denn ich empfand es als Herausforderung, schnelle Entscheidungen treffen zu müssen.“ Eine weitere Seite seiner Pers on zeigt der Mediziner als engagierter Frankfurter Jude. Seit 27 Jahren ist er Dezernent für Soziales und Sicherheit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und stellvertretender Vorsitzender der Zentralen Wohlfahrtsstelle in Deutschland. Latasch pflegt seit vielen Jahren engen Kontakt zu Krankenhäusern in Israel, denn von der Rettungsmedizin dort könnten die Frankfurter viel lernen, ist er überzeugt. Zweimal schon begleitete er eine Gruppe von Mitarbeitern aus Feuerwehr, Ärzteschaft und Stadtgesundheitsamt nach Israel, um mit zusätzlichem Know-how zurückzukehren. Ganz nebenbei hat Latasch auch ein medizinisches Bundesforschungsprojekt initiiert. Dabei geht es um die minutenschnelle Übertragung wichtiger Patientendaten von Schwerstverletzten über einen Personal Digital Assistant, kurz PDA, an die Klinik.

Simon and Garfunkel-Fan
Was seine zahlreichen Ehrenämter betrifft, für die ihm vor sieben Jahren das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, könnte sich Professor Latasch schon vorstellen, kürzer zu treten. „Manchmal denke ich“, sagt er, „hey, jetzt sind die Jungen dran, ein bisschen Privatleben wäre auch ganz schön.“ Was indes vermutlich nur wenige ahnen: Der Mediziner geht privat nie auf Konzerte. Nur ein einziges Mal tat er es doch: als Simon and Garfunkel ihr letztes Konzert im Madison Square Garden gaben.

Quelle: Stadt Frankfurt am Main – Pressestelle

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