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Frankfurt am Main: Bei den Tieren

Pressemeldung vom 17. Juni 2011, 09:40 Uhr

„Animals‘ Angels“ wollen den Blick für die Praxis der Schlachtviehtransporte schärfen
Seit 13 Jahren ist die Tierschutzorganisation „Animals‘ Angels“ im Frankfurter Westend beheimatet. Weltweit agieren deren Mitglieder, die insbesondere ein Auge für Missstände beim Transport von Schlachtvieh haben. Allein 2010 verzeichneten die Tierschützer 451 Einsätze in 18 Ländern – ihre Arbeit ist inzwischen zum Fulltime-Job geworden.

Frankfurt am Main (pia) Das billige Schnitzel in der Pfanne, ein Burger auf die Schnelle – sie haben ihren Preis, den allerdings das massenweise importierte Schlachtvieh zahlt, nicht der Konsument, der sich über die Preisschnäppchen in aller Regel freut. Das Martyrium vieler Tiere beginnt, bevor der Bolzenschuss sie tötet: mit tagelangen Tiertransporten in viel zu engen Lastern, mit fehlendem Fressen und Wasser über viel zu große Zeitspannen hinweg.
Weltweit agierende Tierschutzorganisation Der Endverbraucher kriegt von alldem gemeinhin nicht viel mit. Seit 13 Jahren sieht es die im Frankfurter Westend beheimatete, weltweit agierende Tierschutzorganisation Animals‘ Angels als ihre Aufgabe an, den Blick der Menschen für die zweifelhafte Praxis der Schlachtviehtransporte zu schärfen. „Wir sind bei den Tieren“, lautete bereits das Motto seiner Gründer, des Frankfurter Theologenpaares Christa und Michael Blanke. Eine Aussage, die wörtlich zu nehmen ist. Die Animals‘ Angels verfolgen im Zweierteam verdächtige Tiertransporter bis zum Schlachthof. Sie greifen ein, wenn es nötig ist, versorgen Tiere auf Viehmärkten, in Häfen und Verladestationen. Dabei arbeiten die „Tierengel“ mit Veterinären zusammen, verhandeln mit der Polizei, mit den Grenzkontrollbeamten. Wenn die Tierschutzaktivisten Missstände und Verstöße registrieren, dokumentieren sie diese und leiten gegebenenfalls auch Gerichtsverfahren ein. Die Professionalität der Teams, die in Deutschland, Holland, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Polen, Slowenien, Kanada, USA und Australien aktiv sind, hat dem Verein großen Respekt eingebracht, auch unter den Fahrern der Tiertransporte und ihrer Spediteure. „Uns kennt jeder in der Branche“, sagt Catriona Blanke, Tochter der Animals‘ Angels-Gründer. Seit April 2005 ist der Verein als einzige eigenständige Tierschutzorganisation offizielles Mitglied der EU-Beratungsgruppe für Pflanzen- und Tiergesundheit.
Die Tierengel haben einen Fulltime-Job Für Animals‘ Angels arbeiten weltweit 15 Angestellte und rund 40 freie Mitarbeiter. In den ersten Jahren arbeitete man mit ehrenamtlichen Helfern, doch mittlerweile ist die Arbeit vor Ort, es gibt vier Mitarbeiter auf Tour, ein bezahlter Fulltime-Job. Allein 2010 verzeichneten die Animals‘ Angels 451 Einsätze in 18 Ländern, es gab 507 Kontrollen, die Schutzengel des Schlachtviehs legten dabei 211.424 Kilometer allein mit dem Auto zurück. Flugmeilen nicht berücksichtigt. Besonders gut sei die Zusammenarbeit mit der Polizei, sagt Catriona Blanke, „vor allem in Italien“. Das sei wichtig, weil die Animals‘ Angels selber keinen Transport stoppen dürfen. Seit sieben Jahren bieten die Tierschützer auch Fortbildungen für Polizisten in Frankreich, Italien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Portugal und Westaustralien an.
Das späte Glück von Mathilde Im langgestreckten Flur der Animals Angels-Zentrale blicken einen von den Wänden Kuhdamen mit großen, schönen Augen an. Zum Beispiel die schwarze Mathilde, die die Frankfurter Tierschützer, ausgemergelt und verbraucht, weil man sie zur Milchproduktion in den Dauerzustand der Schwangerschaft versetzt hatte, von ihrem traurigen Los befreit haben. Heute lebt sie auf „Hof Butenland“, lässt sich auf den Weiden des „Kuh-Altersheimes“ einer befreundeten Stiftung Gras und Klee schmecken. „Jedes Tier hat ein Recht auf Leben, Freiheit und Glück“, meint Catriona Blanke. Und das Recht auf einen Namen. Die Tierschützerin erinnert sich an Magdalena, auf die man 2005 in katastrophalem Zustand bei einem Tiertransport quer durch Italien traf. Fünf Jahre lang lief das Gerichtsverfahren, und in allen Akten sei von Magdalena die Rede gewesen, erzählt sie, „da bekomme ich heute noch Gänsehaut“.
Das Ziel: eine Million UnterschriftenRund 3.300 Fördermitglieder machen finanziell den täglichen Einsatz möglich. Ganz aktuell ist die Online-Unterschriften-Kampagne „www.8HOURS.EU“, mit der die Animal Angels eine zeitliche Begrenzung von Tiertransporten auf acht Stunden erreichen möchten. Anlass ist die Europäische Transportverordnung EC 1/2005, die momentan der Europäischen Kommission zur Evaluierung vorliegt. Ziel der Tierschützer ist es, eine Million Unterschriften zu sammeln. Als besonderen Hingucker lassen die Frankfurter einen Kampagnen-LKW quer durch Süddeutschland fahren. Auf dem ist zu sehen, was normalerweise verborgen bleibt: Gesichter von Schlachtvieh. Eine Spedition, die die Animals‘ Angels unterstützt, stellte die rollenden Werbeträger zur Verfügung. Gerne würden die Frankfurter eine Spedition finden, die im Rhein-Main-Gebiet fährt und auch dort auf ihr Anliegen aufmerksam macht. Auch in Frankfurt. Jener Stadt, die, wie Catriona Blanke sagt, „so schön zentral liegt und außerdem so schee is!“ Ein Lächeln huscht dabei für wenige Sekunden über ihr sonst so ernstes Gesicht.

Quelle: Stadt Frankfurt am Main – Presse- und Informationsamt

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