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Frankfurt am Main: Ein Anruf beim Frankfurt-Lexikon

Pressemeldung vom 13. August 2009, 15:37 Uhr

Fast eine Million Anrufe sind beim Frankfurter „Römertelefon“ eingegangen: Die „40000“ wird vierzig Jahre alt

Frankfurt am Main. „Sie wissen nicht, wo Sie Ihr Wunschkennzeichen beantragen müssen? Sie ärgern sich über den Müll auf dem Bürgersteig vor Ihrer Haustür? Dann ist die 212-40000 Ihre Nummer gegen Kummer.“ Immer dann, wenn die Frankfurter Fragen oder Anregungen zu städtischen Themen auf dem Herzen haben, klingelt das Römertelefon. Am 26. August wird es 40 Jahre alt.

(pia) Es ist der 26. August 1969, 11.43 Uhr. Es klingelt. „Hallo? Guten Tag, hier spricht Brundert, was möchten Sie?“ Der Mann am anderen Ende der Leitung will sich über den Schuttberg an der Hauptwache beschweren – wenn auch nicht gleich persönlich beim damaligen Oberbürgermeister. Doch zufällig ruft der Frankfurter vor 40 Jahren genau zur richtigen Zeit an: in der Geburtsstunde des Römertelefons.

Der OB persönlich war am Hörer
40 Jahre sind seit der Pressekonferenz, in der das damalige Stadtoberhaupt Willi Brundert den neuen Bürgerservice vorgestellt und gleich die ersten Anrufe entgegengenommen hatte, vergangen. 40 Jahre, in denen Verkehrsschilder an der falschen Stelle standen, die Straßenbeleuchtung nicht funktionierte oder Schlaglöcher und Kanaldeckel störten. 40 Jahre, in denen sich die Frankfurter nicht lange überlegen mussten, welche Stelle der Verwaltung für ihr Anliegen zuständig ist oder wie sie ihren Sperrmüll loswerden. 40 Jahre, in denen sie einfach die 212, die 4 und viermal die 0 wählen, 24 Stunden lang, und spätestens nach zehn Tagen eine Antwort erhalten.

Detektivischer Spürsinn
„Das Römertelefon ist ein wichtiges Scharnier zwischen Bevölkerung und Verwaltung“, beschreibt Almuth Westecker, stellvertretende Leiterin des Presse- und Informationsamtes, zu deren Abteilung das Servicetelefon gehört, die Funktion des Römertelefons. Bis zu 110 Anrufe nehmen die Mitarbeiterinnen Ursula Kullmann, Gisela Krücke, Heidrun Rehner Denise Scharrer und Ida Walzner täglich entgegen. Der überwiegende Teil der Anruferinnen und Anrufer gibt Hinweise, erkundigt sich nach Veranstaltungen oder stellt komplexe Fragen, Beschwerden machen nur rund 25 Prozent aus. Findet das Team einmal keine Antwort, wird der Fall schriftlich an das jeweilige Fachamt weitergeleitet – immerhin muss der Anrufer nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung innerhalb von zehn Tagen eine Antwort erhalten. Doch meistens wissen die Damen Rat. „Meine Kolleginnen haben direkt einen detektivischen Spürsinn entwickelt“, verrät Brigitte Schammler, die Leiterin der Bürgerberatung. Gisela Krücke ist die Spezialistin bei Verwaltungsfragen, Heidrun Rehner weiß am besten über die Frankfurter Sehenswürdigkeiten Bescheid, Denise Scharrer über Veranstaltungen in der Stadt und Ursula Kullmann ist meist mit einem Block in der Stadt unterwegs, um sich aktuelle Termine zu notieren. „Das Römertelefon heute ist auch ein Lexikon der Stadt“, sagt Brigitte Schammler.

Das Lexikon der Stadt
Darin nachschlagen können die Frankfurter tagsüber ab 9 Uhr. Außerhalb der Öffnungszeiten der Bürgerberatung läuft das Band, genau wie vor 40 Jahren. Im ersten Lebensjahr des Römertelefons, vom 26. August 1969 bis 31. August 1970, wurden die Anregungen, Fragen, Wünsche und Klagen der Bürger zunächst auf Tonband gespeichert, danach zentral abgehört und zur Bearbeitung an die zuständigen Ämter weitergegeben. 1381 „echte“ Anrufe gab es allein in den ersten vier Monaten, rechnet man die neugierigen und grundlosen Kontaktaufnahmen dazu, waren es sogar über 4000. Das Ziel, dass sich Frankfurt – nach Kassel und Wiesbaden die erste Großstadt mit eigenem Bürgertelefon – gesetzt hatte, war schon damals er reicht: Alle Bürgerinnen und Bürger fanden einfach und unbürokratisch Zugang zur Verwaltung. Vor allem, als diese zwölf Monate später auch noch eine echte Stimme bekam. Die junge Beamtin Barbara Schmidt war die erste „Partnerin am Roten Telefon“. Ein halbes Jahr, bevor sie dort zum ersten Mal den Hörer abnahm, hatte sie die Bänder ausgewertet und sich auf das bunte und vielfältige Anfragenspektrum eingestellt. Heute, 40 Jahre später, heißt die Beamtin nicht mehr Schmidt, sondern Jaeckel, erinnert sich aber noch gut an „die spannende Aufgabe“. Bis zu 80 Anrufe nahm sie damals an einem Tag entgegen: „Es war eine Herausforderung.“ Dem Bürgerservice ist die erste Stimme des Römers übrigens treu geblieben: Barbara Jaeckel leitet heute das städtische Referat für Bürgerengagement.

40 Jahre Römertelefon – 40 Jahre Veränderung
Am 8. September 1972 öffnet die Auskunftsstelle Römer, die heutige Bürgerberatung, ihre Türen. Hier können sich Frankfurterinnen und Frankfurter, Besucherinnen und Besucher zwischen Einkaufstour und Äppelwoi schnell persönlich Tipps für die Abendgestaltung abholen und Fragen stellen. 1993 ging die Frankfurter Homepage online – und obwohl die die zuständigen Ansprechpartner in Verwaltungsfragen seitdem leicht auf www.frankfurt.de herauszufinden sind, klingelt das Römertelefon noch immer. Denn wer sonst, außer den Damen am anderen Ende der Leitung, weiß sonst eine Antwort auf die Frage, „warum die Sekunden heutzutage schneller vorüber gehen als früher?“.

Veränderung durch die „115“
Voraussichtlich ab Anfang 2010 wird sich Frankfurt am Main an dem Pilotprojekt der einheitlichen Behördenrufnummer „115“ beteiligen, das es in einigen anderen deutschen Städten bereits gibt. Die Bevölkerung bekommt dann einen direkten Draht zu Auskünften über Leistungen der öffentlichen Verwaltung. „Der Bürgerservice geht damit in eine neue Dimension“, erwartet Expertin Brigitte Schammler, „aber das Römertelefon bleibt sicherlich auch weiterhin zentrale Infostelle für alle Frankfurt-Themen“. Seit 26. August 1969 haben über 970.000 Bürger angerufen. Noch 30.000 fehlen bis zur Million. Das wird, zusammen mit dem 40. Geburtstag, gefeiert werden: am 26. August. Doch Moment, warten Sie kurz – es klin gelt.
Quelle: Stadt Frankfurt am Main – Pressestelle

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