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Frankfurt am Main: Ein Orchester für das Radio

Pressemeldung vom 29. September 2009, 16:53 Uhr

Das herausragende Frankfurter Konzertensemble des hr wird 80 Jahre alt

Frankfurt am Main . Das hr-Sinfonie-Orchester mit seinem Chefdirigenten Paavo Järvi gastiert nicht nur in hessischen Sälen, sondern ist ebenso auf den großen internationalen Bühnen zu Hause, in der Royal Albert Hall in London, im Amsterdamer Concertgebouw oder in Wien, Salzburg und Paris. In diesen Tagen begeht das renommierte Ensemble seinen achtzigsten Geburtstag.

Frankfurt am Main (pia) Bei Musikliebhabern ist das hr-Sinfonie-Orchester verbunden mit den Namen der großen Symphoniker Bruckner und Mahler. Denn seit mehreren Jahrzehnten haben die Musiker unter verschiedenen Chefdirigenten mit herausragenden Interpretationen der jeweiligen Symphonie-Zyklen geglänzt. Auch der derzeitige Chefdirigent Paavo Järvi knüpft daran an und nimmt alle Mahler-Symphonien in der romanischen Basilika des Kloster Eberbach auf DVD auf sowie den kompletten Bruckner-Zyklus auf CD.

International renommiertes Ensemble
Im vergangenen Jahr war das hr-Sinfonie-Orchester als offizieller Kulturbotschafter Deutschlands in China und Japan unterwegs. Die Musiker zählen zu dem überschaubaren Kreis der international renommierten Klangkörper. Ihre „Heimspiele“ finden im großen Saal der Frankfurter Alten Oper mit rund 2.700 Sitzplätzen statt. Die Wiege des Orchesters liegt allerdings in einem mit rund 300 Sitzplätzen sehr viel bescheideneren Konzertsaal aus den dreißiger Jahren, der einst als Sende- und Veranstaltungssaal des Rundfunks diente.

Den zeitgenössischen Komponisten verpflichtet
Der erste Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters, Hans Rosbaud, fühlte sich von Anfang an den zeitgenössischen Komponisten verpflichtet. Im damaligen Funkhaus an der Eschersheimer Landstraße wurden sowohl die Radiosendungen produziert als auch öffentliche Konzerte veranstaltet. Von den ersten Gehversuchen der Musik im Radio war der Komponist Paul Hindemith seinerzeit so begeistert, dass er eigens „Anekdoten fürs Radio“ komponierte. Die Arbeit von Rosbaud stieß jedoch schon nach wenigen Jahren mit der Machtergreifung der Nazis auf erheblichen Widerstand. Ein großer Teil der zeitgenössischen Musik sowie alle „nichtarischen“ Komponisten wurden auf den Index gesetzt. Rosbaud muss te viele Kompromisse schließen, um seine Arbeit fortsetzen zu können. Schließlich folgte er jedoch einem Ruf als Generalmusikdirektor nach Münster, was für ihn einen schmerzhaften Abstieg bedeutete.

Vom HR-Sendesaal in die Alte Oper
In den fünfziger Jahren nahm das Orchester den neuen Sendesaal des hr an der Bertramswiese in Betrieb. Dieser war ein Anbau zu dem Gebäudekomplex, der einst bei der Bewerbung Frankfurts um den Sitz der Hauptstadt schon vorsorglich für den Bundestag gebaut worden war. Der Saal wurde im Jahr 1954 mit einer großen Feierstunde in Betrieb genommen. Mit rund 800 Plätzen war er für große Konzerte mit über hundert Musikern sicher nicht optimal, hatte aber für klassische Besetzungen oder gar für Kammermusik gegenüber den heute üblichen Sälen mit mehr als 2.500 Plätzen unschätzbare Vorteile. Mit dem Wiederaufbau und der Eröffnung der Alten Oper im Jahr 1981 verlagerte das Orchester seine Konzerte in dieses Haus im Zentrum der Stadt.

Ein Dirigent mit karibischem Musikerblut
Einen künstlerischen Aufbruch erlebte das Orchester in den sechziger Jahren unter dem Chefdirigenten Dean Dixon. 1961 übernahm er dessen Leitung und führte es in den folgenden Jahren zu neuen Leistungen. Dixon wurde 1915 in New York geboren, sein Vater stammte aus Jamaika, seine Mutter aus Barbados. Da er aus rassistischen Gründen in den Vereinigten Staaten kaum Arbeitsgelegenheiten erhielt, wanderte er nach Europa aus. Unter Dixons Ägide unternahm das Orchester seine ersten Auslandsreisen und begründete auch damit seinen internationalen Ruf. Die allererste Tournee führte Dixon und sein Ensemble nach Südosteuropa hinter den „eisernen Vorhang“. Da damals solche Gastspiele noch sehr selten waren, wurde diese Konzertreise überall als ein großer Beitrag zur Völkerverständigung gefeiert.

Piano, pianissimo, inbalissimo
Dixons Nachfolger war Eliahu Inbal, der die Leitung des Orchesters 1974 übernahm. Er knüpfte unmittelbar an das Werk seines Vorgängers an, indem er das Orchester mit zahlreichen Auslandsreisen und überall beachteten Schallplattenproduktionen auf der internationalen Bühne weiter etablierte. Dabei ging er mit seinen Gestaltungsvorstellungen zuweilen an die Grenzen des Möglichen. Seine immer wiederkehrenden Wünsche nach einem sehr leisen „pianissimo“ ließen in der Orchestersprache des Hessischen Rundfunks einen neuen Begriff aufkommen: das „inbalissimo“.

Große Tourneen stehen auf dem Programm
Mit dem derzeitigen Chefdirigenten Paavo Järvi hat das Orchester einen Stardirigenten an seiner Spitze, der das Ensemble noch mehr auf der internationalen Bühne profiliert. Järvi hat bereits die Wiener Philharmoniker dirigiert, das Cleveland Orchestra und das Chicago Symphony Orchestra. Neben dem Radio-Sinfonie-Orchester leitet er noch die Bremer Kammerphilharmonie und das Cincinnati Symphony Orchestra und von der Saison 2010/2011 an auch das Orchestre de Paris. Für die nächsten Jahre stehen große Tourneen auf dem Programm: 2010 fliegen die hr-Musiker nach China und Korea, und in den folgenden Jahren sind mehrere Europatourneen sowie eine Reise nach Japan vorgesehen. Erst kürzlich hat Järv i seinen Vertrag in Frankfurt bis zum Jahr 2013 verlängert – ein Beleg für die gute Zusammenarbeit mit dem Orchester.

Nikolaus Münster
Über die Geschichte des hr-Sinfonie-Orchesters bis zum Dirigat Eliahu Inbals siehe auch das Buch: Ein Orchester für das Radio von Alfred Sous.

Quelle: Stadt Frankfurt am Main – Pressestelle

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