Energiewechsel

Frankfurt am Main: Gotisches Raumempfinden wieder erlebbar machen

Pressemeldung vom 27. Juni 2011, 11:10 Uhr

Ortskurator übergibt Fördervertrag für die Innensanierung von St. Leonhard
(pia) Für die Innensanierung der St. Leonhardskirche in Frankfurt überbringt Christian Rusch, Ortskurator Frankfurt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), diesen Dienstag um 15 Uhr im Beisein von Dr. Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamtes, Claudia Gabriel von der Stadtkämmerei und Klaus Valentin, Bezirksleiter von Lotto Hessen, einen Vertrag in Höhe von 50.000 Euro an Robert Sommer vom Hochbauamt der Stadt Frankfurt.

Die katholische St. Leonhardskirche in Frankfurt verdankt sich einer Landschenkung Kaiser Friedrichs II. Auf dieser Parzelle wurde 1219 die Kapelle St. Maria und Georg errichtet, die ab 1317 als Kollegiatstiftskirche diente. Mit dem Erwerb der Reliquien des Heiligen Leonhard 1323 wechselte das Patrozinium.

Von der spätromanischen flachgedeckten Basilika mit ihrem quadratischem Chor und zwei runden Osttürmen über den Seitenapsiden hat sich der untere Teil des Westgiebels erhalten. Auch die schlanken dreistöckigen, ab dem zweiten Obergeschoss achteckigen Osttürme mit verputzten, spitzbogigen Steinkuppeln bestehen bis heute. 1425 begann der Neubau des Chores, den Dombaumeister Madern Gerthener vollendete. Im Chor haben sich Wandmalereien von Hans Dietz aus dem Jahr 1536 erhalten, sie stellen das Glaubensbekenntnis in Form der aus einem Baum herauswachsenden Apostel dar. Über dem Chorbogen befindet sich ein Jüngstes Gericht und am nördlichen Emporengewölbe einfaches Rankenwerk. In den Fenstern des Chores haben sich große Reste von Glasmalerien aus dem 15. Jahrhundert erhalten.

Um 1455 baute man nördlich des Chores eine Kapelle an. Zwischen 1500 und 1520 wurde das Langhaus von Hans von Bingen und Hans Baltz von Mertenstein zu einer fünfschiffigen Halle mit Emporen und außen angegliederten Schiffen umgebaut. Auch das Mittelschiff wurde bis 1518 umgebildet, wobei man Joche auf schlanken achteckigen Pfeilern mit Netz- und Sterngewölben erhielt. Altäre aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert ergänzen die hohe kunsthistorische Bedeutung dieses wichtigen mittelalterlichen Kirchenbaus.

Bei der jetzt anlaufenden Innensanierung soll das Bodenniveau wieder auf die Höhe der gotischen Bauphase – teilweise über einen halben Meter – abgesenkt werden, um die ursprünglichen Raumproportionen wieder erlebbar zu machen. Archäologische Grabungen im Vorfeld der Maßnahme brachten bereits beachtenswerte Ergebnisse. Nahezu sämtliche unter Bodenniveau liegenden Bauteile und Anschlüsse sowie deren Fassungen konnten freigelegt werden. Desweiteren konnten Erkenntnisse über die Pilgerkirche des romanischen Vorgängerbaus vertieft werden, und man stieß in der Seitenapsis auf Befunde, die auf einen noch früher zu datierenden Kirchenbau hinweisen.

St. Leonhard in Frankfurt ist eines von über 100 Projekten, die die private Denkmalschutz-Stiftung in Bonn seit ihrer Gründung 1985 allein in Hessen dank privater Spenden und Mitteln der Lotterie GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, fördern konnte. Dazu gehören auch das Stellwerk in Reinheim, der Brunnentempel in Hofgeismar und Schloss Friedelhausen in Lollar.

Quelle: Stadt Frankfurt am Main – Presse- und Informationsamt

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis