Energiewechsel

Frankfurt am Main: Little India am Main

Pressemeldung vom 11. August 2009, 16:13 Uhr

Für Inder ist Frankfurt das „Gateway to Continental Europe“

Frankfurt am Main. Man kann ihnen überall in Frankfurt begegnen: in Restaurants mit klingenden Namen wie „Jewel of India“, auf dem Sportplatz vorzugsweise beim Cricket oder in der Computerbranche. 6000 Inder leben in der Rhein-Main-Region, und mehr als 200 indische Unternehmen sind im IHK-Bezirk Frankfurt angesiedelt, viele davon in der Hi-Tech-, Software- und IT-Industrie.

Frankfurt am Main (pia) Cricket-Time in Frankfurt. Es ist Samstagmittag, vom satten Wiesengrün der Universitätssportanlage im Stadtteil Ginnheim, dort wo der Frankfurter Cricket-Club sein Spielfeld errichtet hat, heben sich komplett weiß gekleidete Sportler ab. Ein elegantes, ein frisches Bild an diesem heißen Bilderbuch-Wochenende. Zwei von insgesamt fünf Frankfurter Cricketvereinen, die Corinthians und der ZVCA, haben zu einem Freundschaftsmatch eingeladen. Fast alle Spieler stammen aus Indien. Kushal Narang zum Beispiel. Er ist der erfolgreichste Frankfurter Spieler. Der 24 Jahre alte IT-Spezialist lebt seit einem Jahr in Frankfurt und ist Ligaspieler. Jetzt gerade sitzt er auf einer kleinen Wiesenanhöhe im Schatten eines Bau mes, gebeugt über sein „Cricket Scoring Book“, und trägt die Spielergebnisse ein. Philip Woolf, Gründer des Frankfurter Cricketclubs, kennt die Stärke des vollbärtigen Sportlers: „Er hat Hände wie Eimer.“ Woolf, selbst gebürtiger Brite, schätzt das Spiel der Inder: „Sie sind die Brasilianer des Cricket.“ Stilvoll, selbstbewusst und aggressiv sei ihr Stil. Erfolgsspieler Narang drückt sich bescheidener aus: „Cricket spielen ist einfach das, was wir Inder hier alle wollen“.

Viele indische Einwanderergeschichten sind Erfolgsgeschichten
Kushal Narang ist einer von vielen Indern, die in der IT-Branche arbeiten. Frankfurt sei für die indische IT- und Softwarebranche das „Gateway to Continental Europe“, hat es der indische Generalkonsul Ajit Kumar einmal formuliert. Fast alle Großunternehmen der indischen Hi-Tech-, Software- und IT-Industrie haben in den letzten Jahren Niederlassungen in der Stadt am Main eingerichtet. Für sie arbeiten hochqualifizierte indische Spezialisten. Insgesamt haben sich im IHK-Bezirk Frankfurt mehr als 200 indische Unternehmen angesiedelt, darunter auch so große wie Air India. Rund 6.000 Inder haben ihren Wohnsitz in der Region Frankfurt Rhein Main. Viele arbeiten in der Gastrono mie, die Zahl der indischen Imbisse und Restaurants mit so klangvollen Namen wie „Jewel of India“ oder „Bombay Palace“ ist groß und über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Viele indische Einwanderergeschichten sind Erfolgsgeschichten.

Mohnrot und Meerblau: Saris wie in Bollywood
Ein traditionelles Geschäftsfeld nach Frankfurt zugewanderter Inder ist auch die Bekleidungsbranche. Parmjit Kang etwa betreibt in der Kaiserstraße im Frankfurter Bahnhofsviertel das Bekleidungsgeschäft „Top-Stoff“. Seit 20 Jahren lebt die 46-Jährige mit ihrem Mann Preet Gill (51), einem Hotelier, und ihren zwei Söhnen in Frankfurt. Ein kräftiges Grün, ein Rot so rot wie die Blütenblätter der Mohnblume, ein Blau wie das des Meeres, ein sattes Gelb – in allen Farben leuchten die vielen Stoffe, die Parmjit Kang anbietet. Viele von ihnen kommen aus China: „Sie sind billiger. Für viele Inder, die hier leben, sind die indischen Stoffe zu teuer.“ Wer mehr Geld im Portemonnaie hat, kann allerdings auch fertig genähte, traditionell-indische Damenbekleidung aus reiner Baumwolle und Seide kaufen. „Top-Stoff“ eröffnete als eines der ersten Bekleidungsgeschäfte indischer Herkunft in Frankfurt. Es folgten weitere, vor allem im Bahnhofsviertel. Bollywood-Fans aus ganz Deutschland zieht es seitdem hierher. Kein Wunder, gibt es doch hier in mehreren Modeläden ganze Sari-Sets für wenig Geld und glitzernden Modeschmuck wie etwa Churi, die dünnen, gleich zu Dutzenden getragenen Glitzerarmreifen, gleich noch dazu. „Wenn ein neuer Bollywood-Film auf den Markt kommt“, erzählt Parmjit Kang, „dann können die Kundinnen sich einen Sari so wie im Film schneidern lassen.“ Wer erst noch Anregungen sucht, kann in die beiden „Bollywood“-DVD-Läden von Kamran Razaq in der Kaiserpassage gehen. Der kleinere ist gerade mal so groß wie zwei Telefonzellen. Und jeder Quadratzentimeter inklusive Fensterfronten wird zur Präsentation der neuesten DVDs mit den Stars des indischen K inos genutzt.

Schmuckstücke passend für jeden Glauben
Wenn Sakshi Poor (18), Schmuckverkäuferin im Bahnhofsviertel, Mittagspause hat, muss sie nur quer über die Kaiserstraße laufen und schon steht sie vor dem DVD-Laden, der ihre Bollywoodfilm-Quelle ist. Im Schmuckgeschäft ihres Chefs Prabhpreet Singh Gill kaufen die wohlhabenden Inder und Geschäftsleute aus Pakistan, Bangladesh und Sri Lanka ein. Mehrere tausend Euro muss ein Kunde für besonders schöne Colliers auszugeben bereit sein. Für weitaus weniger Geld gibt es religiöse Anhänger aus Gold. Der Laden spiegelt die Glaubensvielfalt der Inder: Für jeden gibt es das das Passende. Sakshi Poor ist Hindu. Sie zeigt auf einen Anhänger mit dem Porträt eines spirituellen Lehrers: „Wenn ich Probleme habe, hilft Sai Baba“.

Am 15. August wird der Independance-Day gefeiert
Lässt ihm sein Leben als Geschäftsmann genug Zeit, engagiert sich Juwelier Gill im indischen Kulturverein Bahrat. Der richtet unter anderem alle großen indischen Feste aus, am 15. August etwa feiern Inder ihren Unabhängigkeitstag. Bahrat ist nicht der einzige Frankfurter Verein mit indischem Hintergrund. Kerala Samajam Frankfurt etwa existiert seit bereits 40 Jahren und unterstützt Zuwanderer aus Indien bei ihrer Integration in den „german way of life“. Das von dem Ehepaar Pandey gegründete Indische Kulturinstitut in Frankfurt erteilt Kurse in indischen Sprachen, klassischer indischer Musik und Tanz und – indischem Kochen. Sein zwanzigjähriges Bestehen feiert in diesem Jahr der D eutsch-Indische Filmverein. Er pflegt seit 1990 eine Kooperation mit dem Filmmuseum, das zurzeit und noch bis zum 23. August unter dem Titel „Screening India“ Bollywoodklassiker aus den 50er bis 70er Jahren und indische Kurz- und Dokumentarfilme zeigt.

Annette Wollenhaupt

Auch in der „Bahnhofsviertelnacht“, die das Presseamt am 20. August veranstaltet, kann man in Frankfurt auf die Spuren Indiens gehen, zum Beispiel lernen, wie man aus sechs Metern Stoff einen Sari bindet. Wie der Titel der Bahnhofsviertelnacht, „30 offene Türen“, verrät, lassen sich noch einige Gruppen und Institutionen mehr zwischen 19 und 23 Uhr in ihre Lebens- und Arbeitswelt schauen. Das Programmheft zur Bahnhofsviertelnacht gibt einen Überblick über das Veranstaltungsangebot: Alle Teilnehmer der langen Nacht und ihr Programmangebot finden sich hier auf einen Blick. Ein Lageplan sorgt für Übersicht. Die Programmbroschüre ist an zwei Informationsstellen in der Stadt kostenlos erhältlich: In der Bürgerberatung im Frankfurt Forum (Römerberg 32) und im Stadtteilbüro Bahnhofsviertel (Moselstraße 6A). Das Programmheft ist die Eintrittskarte für einige Veranstaltungen der Bahnhofsviertelnacht.
Quelle: Stadt Frankfurt am Main – Pressestelle

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