Energiewechsel

Frankfurt am Main: Neuland vor Borkum

Pressemeldung vom 29. Juni 2011, 13:10 Uhr

Petra Roth lässt sich von Alpha Ventus, einem Windpark auf hoher See, beeindrucken
(pia) Die Zukunft beginnt 45 Kilometer vor Borkum. „Wir sehen Neuland“, sagt Petra Roth in dem Augenblick, in dem Pilot Dieter Lehr seinen Helikopter gut 200 Meter über dem Meer in eine Linkskurve legt. Die Mitreisenden der Oberbürgermeisterin spüren in diesem Moment, dass sie ebenfalls Zeugen einer „ganz persönlichen Mondlandung“ werden: Sie erreichen Alpha Ventus, eine Offshore-Stromfabrik, die man auf ein 700 Tonnen schweres Fundament in 30 Meter tiefes Wasser mitten in die Nordsee gesetzt hat. Zwölf Windkraftanlagen, die einmal 50.000 Haushalte mit Strom versorgen sollen.

Das alles aber ist Zukunftsmusik. Es gehe darum, ein Modell dafür zu schaffen, wie sich Offshore-Farmen wirtschaftlich rentabel auf hoher See betreiben lassen, berichtet Ina Brandes. Sie ist die Sprecherin der Geschäftsführung von Grontmiij, einer Firma für Ingenieurleistungen mit Sitz in Bremen und Frankfurt am Main, die sich bei Alpha Ventus engagiert. Schließlich müsse das Projekt in der Nordsee Maßstäbe für die gesamte Offshore-Branche setzen, sagt Ina Brandes: „Alle gucken auf Alpha-Ventus.“

25 Minuten braucht Pilot Lehr an diesem Donnerstag, um seinen Helikopter von Emden aus zu dem Windpark zu bringen. Petra Roth und ihre Mitreisenden, neben Ina Brandes und ihrem Kollegen Bernhard Schierenbeck die beiden Frankfurter Mobilitätsmanager Knut Ringat und Volker Sparmann, schlüpften vor dem Start in gelbe Überlebensanzüge. Um für den Fall des Falles und einen unfreiwilligen Abgang ins Meer vorbereitet zu sein, unterrichtete Pilot Dieter Lehr die Besatzung seines Hubschraubers darin, wie sie zur Not einen Platz in der aufblasbaren Rettungsinsel finden. Doch der Pilot hat während des einstündigen Fluges alles im Griff, lässt den Hubschrauber behutsam sinken, um seinen Gästen die Dimension der Windmühlen zu erschließen: 150 Meter ragen sie aus dem Wasser. Zwölf Anlagen bilden angeordnet in vier Reihen ein Rechteck, das das Ausmaß einer Kleinstadt besitzt.

Die Windmühlen produzieren Strom, der über ein Umspannwerk und ein 18 Zentimeter dickes, 60 Kilometer langes Kabel unter Wasser an Land gebracht wird. Vor Borkum soll sich erweisen, wie eine solche Anlage auf hoher See konstruiert sein muss, wie also die Windmühlen grundiert und positioniert sein sollten, um effizient zu arbeiten und möglichst lange in mitunter stürmischer See zu bestehen. Bislang setzte das salzige Wasser anderen Anlagen recht bald empfindlich zu.

Von der Offshore-Anlage Alpha Ventus erwartet Ina Brandes einen Quantensprung. In Küstennähe bringt eine Windkraftanlage momentan nicht mehr als zwei Megawatt Strom. Die von den Energieproduzenten EWE, Eon und Vattenfall errichtete Versuchsanlage Alpha Ventus schafft mit knapp fünf Megawatt bereits mehr als das Doppelte. „Für uns ist das eine Ermunterung“, zieht Petra Roth Bilanz: „Damit gerät etwas in Bewegung, kommt die angestrebte Energiewende zügig in Gang.“ Die Oberbürgermeisterin ist wie Volker Sparmann Aufsichtsrätin bei dem Unternehmen Grontmij, für das allein in Frankfurt am Main 200 Konstrukteure arbeiten.

Die Stadt Frankfurt, setzt Petra Roth hinzu, sollte über das Jahr 2015 hinaus über weitere Investitionen in die Windkraft nachdenken. Bis dahin will die Mainova einen beträchtlichen Teil der sich auf 500 Millionen Euro summierenden Investitionen für die Energiewende in die Windkraft stecken. Ganz allmählich nähern sich die Frankfurter Energieversorger dabei von küstennahen Windparks in der Nordsee aus mit Beteiligungen an einem Windpark in Nordhessen der heimischen Region an. Mittlerweile zieht man in der Solmsstraße auch den Bau von vier Windrädern in Nieder-Erlenbach in Betracht. „Alpha Ventus ist für uns Ansporn genug, um über unser Engagement für erneuerbare Energien weiter nachzudenken“, sagt Petra Roth.

Vor allem aber, davon ist die Oberbürgermeisterin überzeugt, müsse für die Energiewende der Mix stimmen. Wie man bei der Mobilität auf Elektromotoren und demnächst schon in Frankfurt gleichzeitig auch auf Wasserstoff setzen sollte, müsse die Nutzung von Sonnenenergie und Windkraft ebenso zueinander passen. „Das ist unsere Zukunft“, gerät Petra Roth nach ihrer ganz persönlichen Mondlandung 45 Kilometer vor Borkum geradezu ins Schwärmen. Mit neuen Technologien, die für die Energiewende nötig seien, entständen auch neue Arbeitsplätze und neue Berufsfelder. Insofern bringe das geplante Ende des nuklearen und fossilen Zeitalters auch „die Möglichkeit künftigen Aufschwungs“. Diese Zukunft beginnt mitten in Frankfurt am Main.Fragen an: Dr. Matthias Arning, Telefon: 069/212-45257

Quelle: Stadt Frankfurt am Main – Presse- und Informationsamt

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