Energiewechsel

Frankfurt am Main: Nicht ohne Telefon

Pressemeldung vom 29. Juni 2011, 13:12 Uhr

In Frankfurt ist so mancher Schatz versteckt – Geo-Cacher suchen und finden alle
Sie lassen sich von ihrem Telefon navigieren, suchen betont unauffällig nach irgendwo verstecktem Krimskrams und kommen dabei ganz schön rum in der Welt – mitterweile sind selbst die Innenstädte nicht mehr vor Geo-Cachern sicher. Grund genug, ihnen zur Frauen-WM eine Schnitzeljagd quer durch Frankfurt anzubieten.

Frankfurt am Main (pia) Vor drei Monaten hat Johannes Eisen seinen ersten Schatz gesucht. Einen Schatz, von dem er aus dem Internet wusste, dass es ihn gab – und dass er ihn zwar suchen und finden, aber die Schatzkiste keinesfalls mit nach Hause nehmen durfte. Johannes Eisen ist seit Kurzem Geo-Cacher, den das GPS-Fieber gepackt hat. „Ich gehe gern wandern und bin technisch interessiert“, erklärt der Mediziner sein neues Hobby, dem er in Frankfurt und vor allem im angrenzenden Taunus mit seinem Mobiltelefon nachgeht. „Die Verstecke sind oft sehr kreativ; sie sind der Anreiz, rauszugehen und Orte kennenzulernen, die man vorher noch nicht kannte.“
Dicht wie ein RosinenkuchenGeo-Caching ist ein Outdoor-Phänomen, das innerhalb nur eines Jahrzehnts bis in die Innenstädte der Metropolen vorgedrungen ist. „Die Cache-Dichte in Frankfurt ist sehr hoch“, sagt Till Sommerfeld, der eine der bislang größten GPS-Schnitzeljagden im Rhein-Main-Gebiet organisiert hat. Wenn man sich Frankfurt auf den einschlägigen Webseiten wie www.opencaching.de oder vor allem www.geocaching.com ansieht, ist die Innenstadt mit Caches gespickt wie ein Rosinenkuchen. Wobei die eiserne Regel gilt: Innerhalb eines 150-Meter-Umkreises darf sich nur ein einzelnes Versteck befinden – was die Verstecke relativ ordentlich in der Stadt verteilt.
Wasserdichtes LagerEin „Cache“ ist nichts anderes als ein „geheimes Lager“, das von einem anderen Geo-Cacher angelegt wurde – wasserdicht verpackt in einer Plastikdose etwa. Die ungefähren Koordinaten des Verstecks stehen im Internet und können von modernen Handys ausgelesen werden. Das Telefon (oder ein anderer GPS-Empfänger) führt die Schatzsucher dann in die Nähe des Ziels. Wie bei „richtigen“ Schnitzeljagden auch gibt es oft Zwischenstationen, an denen Rätsel gelöst oder Puzzlestücke gesammelt werden müssen. „Das macht vor allem im Team Spaß“, sagt Johannes Eisen. „Die Aufgaben können sehr anspruchsvoll sein. Manchen Cache kann man aber auch nebenbei in der Mittagspause suchen.“
12.000 potentielle VersteckeDer Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat Geo-Caching ebenfalls für sich entdeckt. Das Gebiet des RMV ist mit 14.000 Quadratkilometern riesig – und so wurden die Schatzsucher an zwei Dutzend Orte „geführt“, die jeder für sich einen eigenen Ausflug wert sind: in die Weinberge des Rheingaus oder an das Darmstädter Böllenfalltor, aber auch mitten in das Finanzzentrum Frankfurts. „Das ist ein Hobby – oder fast schon ein Sport“, sagt Till Sommerfeld, der die ÖPNV-Schatzsuche konzipiert hat und regelmäßig Puzzlestücke in die speziellen Multi-cache-Plastikdosen legen musste. „Man muss körperlich fit sein, um den Cache zu finden.“ Es kommt vor, dass man in Baumwipfel klettern oder in fünf Meter Wassertiefe tauchen muss, aber meistens sind die Verstecke sowohl für Kinder wie für Senioren zugänglich.
Gefahr durch ganz normale „Muggles“In der Frankfurter Innenstadt finden sich besonders viele „Caches“ – und das ist schon ein wenig verwunderlich. Denn wo viele Touristen, Straßenkehrer und Hundehalter unterwegs sind, ist auch die „Muggles“-Gefahr sehr hoch. „Muggles“ – entlehnt aus „Harry Potter“ – sind Unwissende, die den Cache gefährden. Und damit sind sie der größte natürliche Feind eines jeden Geo-Cachers. „Muggles“ oder ihre Hunde könnten ein Versteck aufstöbern und den Cache achtlos in den Müll werfen. Oder ihn für einen Sprengsatz halten. An manchem Ort musste schon die Polizei ausrücken, weil eine dubiose Plastikbox in der Nähe einer Sehenswürdigkeit „entdeckt“ wurde. Daher ist „Heimlichkeit“ die oberste Tugend für jeden Schatzsucher – und das gibt der ganzen Freizeitaktivität einen Hauch von Geheimwissenschaft, von Mysterium…
Krimskrams im PottGeo-Caching – so will es die noch junge Legende – hat der Amerikaner Dave Ulmer am 3. Mai 2000 erfunden: Er habe einen Pott mit Krimskrams in den Wäldern bei Portland/Oregon versteckt und die Position und seine Spielidee in einer sogenannten „Newsgroup“ veröffentlicht, so die Website geocaching.de. Dave Ulmer wollte mit dieser Aktion eigentlich den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton feiern: Dieser hatte kurz zuvor die präzisen militärischen Daten des Global Positioning Systems (GPS) auch für private Nutzer freigegeben – nun konnte jeder die Satellitendaten mit hoher Genauigkeit nutzen. Ulmers Idee umrundete die Welt wie eine Rakete: Mitte Mai sammelte bereits die erste Webseite Geo-Daten für das frisch entdeckte Hobby, nach weiteren zwei Wochen war bereits der erste Cache „down under“ in Australien vergraben.

Quelle: Stadt Frankfurt am Main – Presse- und Informationsamt

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