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Frankfurt am Main: Wenn das PC-Kabel zum Stoff wird

Pressemeldung vom 7. Juni 2011, 12:46 Uhr

60 Teilnehmer beim Finale eines Nachwuchs-Modewettbewerbs in Frankfurt
Am 10. Juni findet das Finale des Tradewinds Style Award mit Fashionshow und Preisverleihung zum vierten Mal in Frankfurt statt. Die aus Deutschland, der Schweiz und Österreich kommenden Teilnehmer an der Endausscheidung des Mode-Nachwuchswettbewerbs wetteifern mit 60 Modellen zum Motto „Das Leben ist schön“ um die Awards.

Frankfurt am Main (pia) Anna hat einen Traum: „Nach London gehen“, sagt die 26-Jährige. London, da ist sich die mädchenhafte Frankfurterin mit russischen Wurzeln sicher, „ist für junge Modedesigner mit schrill-unkonventionellem Stil genau das Richtige“. Noch ist Anna Kostinas Zuhause eine eher unscheinbare Reihenhauswohnung im Frankfurter Stadteil Griesheim. Ein ganz normaler Schreibtisch muss als Schneidertisch herhalten, auf der Fensterbank reihen sich prall und bunt Industriegarnrollen. Eine große Nähmaschine und eine kleine „zum Versäubern“ stehen in ihrem Zimmer, zwei Schneiderpuppen und ein Styroporkopf für Hutanproben. Am Bücherregal hängen neonfarbene Kostüme, wie dem „Raumschiff Enterprise“ entsprungen. Die hat die Designstudentin, die auch regelmäßig für den Frankfurter Cocoon Club Kostüme entwirft, für den Auftritt einer Tanzgruppe geschneidert.
Modemotto 2011: „Das Leben ist schön“Noch zwei Wochen und sie nimmt zum ersten Mal an einem Modewettbewerb teil. Anna ist eine von 60 Finalistinnen, die am 10. Juni beim Finale des „Tradewinds Style Award“ in Frankfurt mit dabei sein werden. Es ist das vierte Mal, dass der Wettbewerb für junge Nachwuchsmodedesigner in der Mainstadt ausgetragen wird. Die Gewinner können sich über Preisgelder im Gesamtwert von 5.300 Euro freuen, und wer den ersten Platz erreicht, macht ein Praktikum bei der renommierten Designerin Anja Gockel. „Das Leben ist schön“, lautet das diesjährige Motto. Fast 200 Studierende haben sich beworben, aus Deutschland, der Schweiz und erstmals auch aus Österreich, 60 haben es bis ins Finale geschafft.
Die Teilnehmer konnten aus drei Themenkategorien wählen: „SommernachtsTraum“, „Landlust“ und „EigenArt“. Klar, dass Anna sich für die letzte Kategorie entschieden hat. Dabei war sie wie alle anderen dazu angehalten, auch ökologische Aspekte bei der Materialwahl zu bedenken. Sämtliche Modelle kann man sich seit einigen Wochen auf den offiziellen Tradewinds Style Award-Seiten anschauen und eine Publikumswertung abgeben. Die drei Modelle mit der höchsten Zustimmung treten am Finalaband gegeneinander an.
Annas Fundgrube war der Frankfurter Flohmarkt „My saturday love“ hat Anna Kostina ihr Modell genannt. Mit ihrer „Samstagsliebe“ ist ihre Liebe zum Frankfurter Flohmarkt gemeint: „Der Schönste, den es gibt“, sagt sie. Sämtliche „Zutaten“ für ihr Wettbewerbsmodell hat sie ausschließlich an den Ständen entlang des Mainufers aufgestöbert. Ein altes Herrenhemd wurde zum originellen Hut, außen blau, innen rot. Einem altbackenenen „Oma-BH“ hat sie mit rot eingefärbter Spitze „mehr Sexyness verliehen“ und mit Drähten verstärkte alte Häkeldeckchen zu einer voluminösen Rockschleppe zusammengefügt.
Theresas SommernachtstraumAuch Theresa Fellmer hat es bis ins Finale geschafft. Sie ist mit ihren 20 Jahren eine der jüngsten Teilnehmerinnen. Die Designstudentin an der Frankfurter Schule für Mode und Bekleidung tritt in der Kategorie „Sommernachtstraum“ an. Mit einem nachtblauen Zweiteiler aus Samt und einem weiteren, seidenartig fließenden Material. Mit sechs Jahren hat Theresa ihre Eltern bereits verblüfft, als sie eine Jeans entzwei schnitt und daraus eine Tasche machte. Fragt man sie nach ihren Zukunftsträumen, muss Theresa nicht lange überlegen: „Nach Wien möchte ich oder nach New York“. Ihr Wettbewerbsbeitrag ist tragbar, fast schon klassisch.
Selinas Abendkleid der anderen ArtDie stilistische Freiheit, die die Veranstalter des Style Awards den Teilnehmern zugestehen, ist groß. Verspieltes und Schrilles findet sich da und Modelle, die mit Modeerscheinungen verschiedener Epochen lustvoll experimentieren. Auch solche, die wie eine anziehbare Skulptur anmuten und einer Gebrauchsanweisung bedürfen. Aber auch düstere, unheimliche, die der Fetisch- oder Gruftieszene zugeordnet werden könnten. Selina Borchert hat mit Sicherheit zum ungewöhnlichsten Material gegriffen. Sie hat ein weißes Abendkleid entworfen, dessen Corsageoberteil sie aus Leder gefertigt hat. Für den knielangen Rock mit abnehmbarer Schleppe hat sie recycelte PC-Breitbandkabel so bearbeitet, dass eine schuppenartige Optik entstanden ist.
Angehende Modedesigner erleben „den ganzen Weg“Wettbewerbe wie der Tradewinds Style Award werden immer wichtiger, weiß Daniela Ballweg, die die in Offenbach ansässige Schule für Mode, Grafik und Design leitet. Zwei ihrer Schülerinnen haben es ebenfalls ins Finale geschafft. „Es hilft schon sehr, wenn Preise in einer Vita stehen“, sagt die Schulleiterin. Doch abgesehen davon sei der Award auch deshalb so wichtig, weil angehende Modedesigner oft erstmals „den ganzen Weg erleben“, von der Idee und Zeichnung – beides muss der Jury zuvor eingereicht werden – bis zur Präsentation auf dem Laufsteg.

Quelle: Stadt Frankfurt am Main – Presse- und Informationsamt

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