Energiewechsel

Fulda: 2. Ausgabe des Gitarrenfrühlings

Pressemeldung vom 28. April 2015, 09:40 Uhr

Musik auf höchstem Niveau für Publikum aus ganz Deutschland

Fulda. Der Fuldaer Gitarrenfrühling ist noch jung, die zweite Auflage zeigte aber wieder ganz klar: Das Festival hat das Potenzial, zu einem überregional beachteten Markenzeichen für hochinteressante Gitarrenmusik auf höchstem Niveau zu werden.

Die diesjährigen Solisten Siegbert Remberger (Klassische Gitarre), Manolo Franco (Flamenco-Gitarre) und Joscho Stephan (Gipsy Swing) eint der Anspruch, sich mit ihren so unterschiedlichen Stilen auf intensivste Art auseinanderzusetzen, um dadurch ein Maximum an Ausdruckstiefe und Klangästhetik zu erreichen.

Remberger zeigte schon mit seiner Programmauswahl, dass er sich vorrangig den spanischen und südamerikanischen Komponisten des früheren 20. Jahrhunderts verschrieben hat. Die Werke von Turina, Rodrigo, Torroba und Barrios und dem noch früheren Sor wurden unter seinen virtuosen Händen zu atmenden, zwischen anheimelnder Wärme und silberner Brillanz pendelnden Organismen. Mühelos fand er zahllose Schattierungen durch die stets richtige Wahl des Tonfalls. Vor allem im zweiten Teil gelang im von der betörenden Melodieführung innerhalb langer Tremoli über sicher angespielte Flageolets bis zu schnellsten Läufen einfach alles. Man konnte Ton für Ton scheinbar die Entstehung der Stücke miterleben. Remberger zog das Publikum mehr und mehr in seinen Bann und durfte erst nach zwei Zugaben von der Bühne.

Einen Muttersprachler des Flamencos konnte die Musikschule mit Manolo Franco verpflichten. Der in Cordoba lehrende Flamenco-Gitarrist ist durchaus neuen Entwicklungen zugetan, steht aber dennoch für konsequente Stiltreue. So könnte man meinen, mit Granaina, Garrotin, Soleá, Alegrias, Buleria und Seguirya wäre das übliche Flamenco-Programm abgehandelt. Weit gefehlt! Dieser integre Musiker hat Gitarrenkunst von einer derart überbordenden Expressivität, von atemberaubender dramaturgischer Gestaltung, von schwindelerregender Präzision und traumwandlerischer Stilsicherheit zelebriert, dass man bereits nach „Patio des los Leones“, seinem ersten Stück, glauben konnte, man hätte nun schon verstanden, was Franco auszeichnet. Er aber legte von Stück zu Stück immer weiter zu, noch filigraner, aber genauso noch kraftvoller, noch lyrischer, aber genauso noch präziser pulsierend, so dass es am Ende des Konzerts einfach niemanden mehr auf den Stühlen hielt. Beim zugegebenen Palosanto tat sich – logischerweise – ein weiteres Universum auf und Manolo Franco ging mit einem rührenden Dank ans Publikum ganz bescheiden von der Bühne.

Wer Gipsy Swing sagt, meint Django Reinhardt. Nicht vielen Gitarristen dieses Genres gelingt es, aus dessen Schatten herauszutreten. Der Spagat zwischen der schwer zu bändigenden Ursprünglichkeit des musikalischen Grundmaterials und den gewaltigen spieltechnischen Herausforderungen erfordert eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem immer noch populären Thema.

Der weltweit gefragte Joscho Stephan ließ keinen Zweifel, dass er diesen Herausforderungen locker, und das ist wörtlich zu nehmen, gewachsen ist. Begleitet wurde er von Vater Günter Stephan an der Rhythmusgitarre, der wie ein Fels in der Brandung, aber klanglich stets mit der nötigen Delikatesse, für den Herzschlag der Truppe sorgte. Kontrabassist Volker Kamp zeigte nicht nur in seinen geschmackvollen Improvisationen, sondern auch in zahllosen kleinen Soundnuancen und Artikulationsdetails, die er auf sympathische Weise ganz nebenbei einstreute, seine hervorragenden Qualitäten. So konnte sich Joscho Stephan, ohne je forcieren zu müssen, um die gekonnte Gestaltung der Themen kümmern.

Auch wenn der eine oder andere musikalische Gag nicht ausblieb, bewies er in seinen zahlreichen Soli neben schwindelerregender Geläufigkeit, dass er ein ausgefuchster Melodiker, aber auch ein begnadeter Balladenspieler ist. Sein Repertoire macht erfreulicherweise den einen oder anderen Schlenker in Richtung Rumba und Bolero, mit Klezmusette auch ins Jiddische, so dass oft gehörte Standards wie Reinhardts „Minor Blues“ oder Chaplins „Smile“ wieder erstaunlich frisch und neu wirken. Mit „Papillons“ brachte sich der energiegeladene, wort- und witzreich moderierende Bandleader übrigens auch als Komponist mit eigener Note ins Spiel. Zum Schluss bat Joscho Stephan ganz spontan für „Sweet Georgia Brown“ einen aus München angereisten Swing-Geiger aus dem Publikum auf die Bühne. Man verstand sich prächtig, der Gitarrenfrühling zieht offensichtlich immer weitere Kreise. Nach dem beeindruckenden Vormittag gab es dann als besonderes Schmankerl noch „Hey Joe“, ein Tribut an die Gitarrenlegende Jimi Hendrix, als Zugabe.

Zu den Workshops mit Manolo Franco und Joscho Stephan in der Musikschule waren die Teilnehmer bis aus dem Schwarzwald angereist. Die Veranstalter gehen in punkto Qualität offensichtlich den richtigen Weg, und so kann man sich die Fortsetzung des Festivals im kommenden Jahr nur wünschen.

Quelle: Stadt Fulda

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