Energiewechsel

Fulda: AFN – der Sender mit der längsten Wettervorhersage der Welt

Pressemeldung vom 5. September 2011, 11:45 Uhr

Mannheim/Fulda (mb). „It’s a great job.“ Die Rundfunkarbeit sei der „tollste Job der Welt“, sind sich Gary Bautell, Radio Direktor von AFN Europe (American Forces Network), und Nachrichten-Moderator Tom einig. Von Mannheim aus versorgt das 70köpfige AFN Team mit „Power Network“ amerikanische Soldaten in 54 europäischen und asiatischen Ländern mit Nachrichten und Musik. Vor allem Rock n‘ Roll, Urban oder Soul kommen über Mittelwelle aus dem Äther. Das „Schwesterprogramm“ AFN „The Eagle“, das vom italienischen Vincenza aus gesendet wird und wie das „Power Network“ auch in Fulda zu empfangen ist, kommt jedoch über UKW beim Hörer an. Mehr über den Sender erfuhr eine kleine Reisegruppe des deutsch-amerikanischen Partnervereins Gabaca (German American Cultural Association) bei einer Begegnung mit Gary Bautell und seinem Team in der Mannheimer Coleman Kaserne. Für Renate Stieber ist Bautell kein Unbekannter. Erste Kontakte zum AFN-Journalisten mit der „markanten Hörfunkstimme“ gehen auf die Zeit zurück, als Stieber „Verbindungsoffizier“ des in der Domstadt stationierten 11. Panzeraufklärungsregiments war. Damals berichtete der Soldatensender häufiger über Arbeit und Einsätze der „Black Horse“ Trooper. Gabaca Vorsitzender Michael Schwab zählt selbst zu den regelmäßigen Hörern. „Ich bin überrascht, wie gut AFN bei uns zu empfangen ist.“ Das Hörfunkprogramm sei eine „gute Möglichkeit“ über eine bunte Mischung aus Musik und Nachrichten Aktuelles aus den USA zu erfahren.

Anfänge im Keller der BBC

Die Geschichte des Soldatensenders reicht bis in den Zweiten Weltkrieg zurück. Die Truppe brauche ein eigenes Radio Programm, meinte Dwight D. Eisenhower, der General und spätere US-Präsident. Deshalb nahm AFN am amerikanischen Unabhängigkeitstag 1943 in einem Kellerraum der BBC in London seinen Sendebetrieb auf. Nachdem die Invasion des europäischen Festlandes begonnen hatte, übernahmen Lkws als mobile Stationen die Aufgabe, die US-Soldaten mit Radio-Nachrichten zu versorgen. Als das Dritte Reich endlich zusammengebrochen und der Krieg zu Ende war, richteten sich die amerikanischen Radio-Experten im Höchster Schloss bei Frankfurt ein: damals die erste feste AFN Sendestation auf deutschem Boden. Seither ist das American Forces Network mehrfach umgezogen. Viele Jahre war ein markanter Nachkriegsbau neben dem hessischen Rundfunk in der Bertramstraße das Domizil. „Wir hatten jede Menge Platz und konnten im Funkhaus sogar Konzerte veranstalten,“ erinnert sich Bautell. „Als letzte amerikanische Einheit haben wir schließlich Frankfurt verlassen und sind 2002 nach Heidelberg umgezogen.“ Inzwischen ist AFN in der Mannheimer Coleman Kaserne zu Hause. In einem Gebäude, in dem früher die Pferde des deutschen Militärs untergebracht waren. An diese Zeiten erinnert heute nichts mehr. Vor dem schmucklosen Gebäude weist ein Schild mit drei großen Lettern auf die jetzige Nutzung hin. Das Innere ist mit jeder Menge Technik, einem großzügigen Fernsehstudio, etlichen Aufnahmeräumen, die nach ehemaligen AFN Standorten wie etwa Berlin benannt sind, und einer Steuerzentrale für die TV- und Radio-Soldatenkanäle ausgestattet.

2014 Schluss in Mannheim

Bautell wirkt nachdenklich, wenn er auf die Zukunft des Senders am derzeitigen Standort angesprochen wird. „2014 soll Mannheim eigentlich aufgegeben werden.“ Für den Radio-Profi ist diese Entscheidung nur schwer nachvollziehbar, denn Millionen sind in den Umbau des Gebäudes geflossen. „Wahrscheinlich werden wir noch ein wenig länger bleiben,“ mutmaßt der Hörfunkjournalist, der sich auch gut vorstellen kann, dass die Armee möglicherweise den AFN-Standort erhält, während das Kasernengelände geräumt wird. Die Zukunft wird zeigen, wohin die Reise geht.

Wie steht der Dollar

Auf alle Fälle produziert das aus Zivilisten und Militärs bestehende Team in Mannheim fleißig weiter. Breitbeinig steht Tom, der drei Jahre lang in Ohio Discjockey war, vor dem Mikro und gibt die Wettervorhersage für Bagdad, die Türkei und Afghanistan durch. Mit einem erfrischenden Lachen sagt der AFN-Moderator: „Von allen Radio-Sendern haben wir wohl die längste Wettervorhersage.“ Aber selbstverständlich interessiert die Boys und Girls aus den USA nicht nur, ob es an den Orten, wo US-Streitkräfte stationiert sind, regnet, schneit oder der Wind kräftig bläst. Mindestens genauso wichtig ist zu wissen, wie der Dollar steht, schmunzelt Bautell. Doch Spaß beiseite. AFN sendet neben Musik im Nachrichtenteil „Command Information“, stündlich Aktuelles aus dem Agentur Pool von AP oder Reuters und regelmäßig so genannte „Open Line Talk Shows“. Amerikanische Generäle stehen in diesen Runden dem Moderator auf Zuhörerfragen hin Rede und Antwort. Übrigens, so ergänzt Gary Bautell, wer für AFN arbeite, sei quasi ein journalistischer „Allrounder“: „Er produziert, ist sein eigener Techniker und macht wie ein DJ auch einfach alles.“ Was die Zukunft des Senders betrifft, wirkt der sympathische Radio Journalist optimistisch: „Solange es amerikanische Soldaten in Deutschland und Europa gibt, solange wird es auch AFN geben.“

In Hessen ist AFN „The Eagle“ auf der UKW Frequenz 98,7 MHz zu empfangen; das Power Network strahlt über die Mittelwellenfrequenz 873 kHz aus.

Quelle: Magistratspressesprecher der Stadt Fulda

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