Energiewechsel

Fulda: Neujahrskaffee des Pflegekinderdienstes

Pressemeldung vom 11. Februar 2015, 12:13 Uhr

Leben mit neuen Perspektiven für beide Seiten

Fulda. Ein voll besetztes Café. Auf den ersten Blick ein ganz gewöhnlicher Anblick, dazu entspannte und entspannende Livemusik. Doch beim zweiten Hinschauen fällt auf, dass an den Tischen in der Cafeteria des Antoniusheims nur Familien mit Kindern sitzen. Das ist auch kein Wunder; denn es ist das Neujahrskaffee des Pflegekinderdienstes von Stadt und Landkreis Fulda.

„Einmal im Jahr laden wir alle Familien mit ihren Pflegekindern zu einem gemütlichen Nachmittag ein – seit ein paar Jahren übrigens schon in die Cafeteria des Antoniusheims“, erklärt Annette Windler vom Pflegekinderdienst. Ihre Kollegin Dorothea Zeitner ergänzt: „Wir machen das anstelle einer Weihnachtsfeier, da in der Adventszeit viele Familien arg im Stress sind und sich daher Ende Januar viel mehr über diese Einladung freuen.“ Und dass sich viele freuen und diese Einladung annehmen, das ist überall im Raum zu spüren. Entspannt sitzen die Familien zusammen, trinken Kaffee und unterhalten sich – miteinander oder mit den Fachkräften vom Pflegekinderdienst, weil Gespräche in dieser Atmosphäre einfach Spaß machen und gut tun. Begleitet wird der Nachmittag von den Gitarrenklängen von Mike Ryan, der an diesem Tag ganz unentgeltlich spielt.

Währenddessen sind immer mehr Kinder verschwunden. Ihre Spuren führen in die Festscheune, wo sie unter Anleitung von Pädagoginnen der Spielwiese toben und spielen, schneiden und kleben – alles, was Kinder gerne machen. Man merkt, sie fühlen sich wohl und sind stolz auf das, was da durch ihre Hände entsteht.

Erfahren, wo der Schuh drückt

Zu Besuch sind auch Bürgermeister Dag Wehner und Erster Kreisbeigeordneter Dr. Heiko Wingenfeld, die wie jedes Jahr, wie sie betonen, auch heute gekommen sind, um von den Pflegeeltern direkt zu erfahren, „wo der Schuh drückt“. „Aber wir wollen mit unserer Anwesenheit und der Einladung überhaupt vor allem zeigen, dass wir sehr dankbar sind für das große Engagement der Pflegeeltern“, so Wingenfeld. Bürgermeister Wehner meint: „Immer wieder entstehen für Kinder Situationen, in denen sie für eine kurze oder lange Zeit nicht bei ihren Eltern wohnen können. Aber gerade kleine Kinder brauchen den Schutz und die Geborgenheit einer Familie. Sie sollen doch möglichst normal aufwachsen. Daher suchen wir immer wieder Familien, die ein fremdes Kind auf Zeit aufnehmen.“ Annette Windler erklärt, dass sich heute sowohl Pflegeeltern treffen, die Kinder für viele Jahre, manchmal bis zum Erwachsenwerden, aufnehmen, als auch sogenannte „Bereitschaftspflegestellen“, die Kinder in akuten Notsituationen direkt aufnehmen und ihnen nur vorübergehend, also für zwei bis drei Monate einen familiären Rahmen bieten.

Unterschätzten Herausforderungen

Es ist spannend, was die Pflegeeltern alles erzählen über die Herausforderung, ein fremdes Kind aufzunehmen: Von schlaflosen Nächten, von der großen Verunsicherung zu Beginn und von Kindern, die inzwischen Erwachse sind und doch noch immer zur Familie gehören. Eine Teilnehmerin schaut staunend und begeistert dem Breakdance von Enrico zu. Sie sagt, dass sie es manchmal genau so empfindet: „Das Leben ist durch die Aufnahme unseres Pflegkindes wie auf den Kopf gestellt. Wir mussten uns erst aneinander gewöhnen, und das brachte uns alle manchmal an die Grenzen. Aber inzwischen sind wir dankbar für dieses Leben mit neuen Perspektiven. Wir freuen uns und sind stolz, wenn wir miterleben dürfen, dass sie wirklich bei uns angekommen sind und sich so rasant entwickeln.“

Ihr Nachbar glaubt, dass vieles darauf zurückzuführen ist, dass der Pflegekinderdienst eine tolle Vorbereitung für die zukünftigen Pflegeeltern organisiert: „Wir wurden gut und intensiv beraten und mussten an einer ziemlich aufwändigen Schulung teilnehmen. Erst fand ich das übertrieben, aber heute weiß ich, wie wichtig das war.“ Das gute Miteinander von Pflegefamilien und den Fachkräften des Pflegekinderdienstes ist greifbar an diesem Nachmittag im Raum. Immer wieder sind sie ins Gespräch vertieft, manchmal ernst, oft fröhlich und immer von dem Wissen getragen: Wir sorgen dafür, dass Kinder ein gutes Zuhause finden – und sei es nur auf Zeit.

Quelle: Stadt Fulda

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