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Gießen: Arbeitsagentur mit der Entwicklung des Arbeitsmarktes 2016 zufrieden

Pressemeldung vom 13. Januar 2017, 09:58 Uhr

* 2016 ist Arbeitslosigkeit gesunken, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und Stellenzugang gestiegen * Wie 2016 bleiben auch in diesem Jahr die Flüchtlingsthematik, die Deckung des Fachkräftebedarfs, den Übergang von Schule in den Beruf verbessern und die Reduzierung der Langzeitarbeitslosigkeit größte Herausforderungen * Gute Konjunkturprognosen

Für den heimischen Arbeits-, Ausbildungs- und Stellenmarkt hat Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen, jetzt eine Bilanz für 2016 veröffentlicht. „Im abgelaufenen Jahr hat sich der Arbeitsmarkt in Mittelhessen vorwiegend positiv entwickelt“, so Schäfer. „Trotz manch politischer und wirtschaftlicher Turbulenzen im Ausland, ist die Zahl der Arbeitslosen weiter gesunken und die der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gestiegen. Zudem bewegt sich die Zahl der unbesetzten, gemeldeten Stellen weiterhin auf einem sehr hohen Niveau.“

Beim Ausblick auf 2017 ist Schäfer verhalten optimistisch: „Auch wenn wir im nun vor uns liegenden Jahr mit einigen Herausforderungen rechnen müssen, blicke ich positiv nach vorn. Die konjunkturellen Aussichten sind gut und internationale Krisen werden voraussichtlich nur geringe Auswirkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt mit sich bringen. Wir müssen uns auf eine zunehmende Zahl von Menschen mit Fluchthintergrund auf dem Arbeitsmarkt einstellen. Dadurch wird auch die Anzahl der Arbeitslosen steigen. Gleichzeitig gehen wir von einer weiter steigenden Zahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus.“

2016 im Einzelnen:

Arbeitslosigkeit Im Bezirk der Agentur für Arbeit Gießen waren 2016 im Jahresdurchschnitt 18839 Menschen arbeitslos gemeldet. Dies entspricht einem Rückgang um 637 Erwerbslosen gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote sank im Jahresmittelwert um 0,2 auf durchschnittlich 5,3 Prozent.

Gemeldete Arbeitsstellen Wie bereits ein Jahr zuvor, konnte erneut ein nennenswerter Anstieg bei den Stellenzugängen verzeichnet werden. Der Arbeitsagentur Gießen sowie den Jobcentern des Kreises Gießen und der Wetterau meldeten Arbeitgeber im abgelaufenen Jahr 22137 neue sozialversicherungspflichtige Stellen. Dies waren 2463 Arbeitsstellen oder nennenswerte 12,5 Prozent mehr als 2015. Der Bestand an offenen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen lag im Jahresschnitt bei 6066 Stellen. Gegenüber dem Vorjahreswert ist dies ein Anstieg um 1010 Stellen oder 20,0 Prozent.

Aus den Regionen In den mittelhessischen Landkreisen Gießen, Wetterau und Vogelsberg hat sich die Arbeitslosigkeit im abgelaufenen Jahr ungleich entwickelt. Während im Landkreis Gießen und der Wetterau die Arbeitslosigkeit weiter sank, ist die Zahl der Erwerbslosen im Vogelsbergkreis gestiegen. Im Kreis Gießen waren 2016 durchschnittlich 8946 Arbeitslose gemeldet. Damit sank die Zahl derer im Jahresschnitt gegenüber dem Vorjahr um 366. Davon haben ältere Erwerbslose und Langzeitarbeitslose profitieren können. Die durchschnittliche Quote ging um 0,3 Prozentpunkte auf nun 6,4 Prozent zurück. Im Wetteraukreis ist die Zahl der Arbeitslosen 2016 im Jahresdurchschnitt gesunken. 7485 Personen waren erwerbslos gemeldet. Dies entsprach einem Rückgang zum Vorjahr um 389 Menschen. In der Wetterau waren es vorwiegend Ältere und Langzeitarbeitslose, die von der positiven Arbeitsmarktentwicklung profitierten. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote sank um 0,3 Prozent auf zuletzt 4,6 Prozent. Im Vogelsbergkreis ist die Zahl der Erwerbslosen im abgelaufenen Jahr gestiegen. Nach dem Zugang von 118 Arbeitslosen im Jahresschnitt gegenüber 2015, lag die Zahl derer bei 2409. Dies entspricht einer Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent, 0,2 Prozentpunkte höher als noch im Jahr zuvor. Alle Personengruppen waren von diesem Anstieg betroffen.

Besondere Personengruppen:

Männer und Frauen Nach Geschlechtern betrachtet, hat sich die Arbeitslosigkeit gleichermaßen positiv entwickelt. Dabei haben Frauen von der guten Entwicklung des Arbeitsmarktes stärker profitiert. Im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen waren 2016 im Jahresschnitt 10532 Männer arbeitslos gemeldet, 158 weniger als im Durchschnitt von 2015. Dies entsprach einer Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent bei den Männern. Im gleichen Zeitraum waren 8307 Frauen im Jahresschnitt erwerbslos gemeldet, 479 weniger als 2015. Daraus ergab sich eine durchschnittliche Erwerbslosenquote von 4,9 Prozent.

Ältere Arbeitnehmer Die Zahl der über 50-jährigen Erwerbslosen ist 2016 durchschnittlich um 134 Personen gesunken. Danach waren 6490 Ältere im Jahresschnitt arbeitslos gemeldet. Dies entsprach einer Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent und damit 0,3 Prozent niedriger als noch ein Jahr zuvor.

Jüngere unter 25 Jahren Die Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen unter 25 Jahren ist 2016 gestiegen. Dies ist mitunter auf den Zuzug junger Geflüchteter zurückzuführen. Zum Jahresabschluss lag die Quote bei 5,1 Prozent, ein zehntel Prozentpunkt höher als vor einem Jahr. Dies entsprach einer jahresdurchschnittlichen Zahl von 1937 jungen, arbeitslosen Menschen, 56 mehr als 2015.

Rechtskreise SGB III und SGB II Die Anzahl der Arbeitslosen hat sich bei den beiden Rechtskreisen (Betreuung SGB III durch die Arbeitsagentur und SGB II durch die Jobcenter) gleichermaßen reduziert. Eine nominal stärkere Reduzierung ist bei der Arbeitsagentur zu verzeichnen gewesen. Im Jahresschnitt waren 2016 bei der Agentur für Arbeit Gießen 5678 Personen erwerbslos gemeldet, 386 weniger als im Vorjahr. Bei den Jobcentern in Gießen und der Wetterau sowie der Kommunalen-Vermittlungsagentur im Vogelsberg (KVA) waren 2016 im Durchschnitt 13161 Personen arbeitslos gemeldet, 251 weniger als 2015.

Fachkräftebedarf Auch in den nächsten Jahren ist in Mittelhessen mit einem weiter steigenden Fachkräftebedarf zu rechnen. Für offene qualifizierte Stellen sind bereits jetzt häufig nur schwer passende Arbeitnehmer zu finden. Den Übergang von der Schule zur Ausbildung und in den Beruf zu gestalten, wird auch zukünftig eine der größten Herausforderung bleiben. Viele Jugendliche stehen dem Ausbildungsmarkt nicht zur Verfügung, da sie einen höheren Schulabschluss anstreben oder noch nicht die nötige Ausbildungsreife haben. Die demografische Entwicklung verschärft diese Situation zusätzlich. Langfristige und abschlussorientierte Qualifizierung von Erwerbslosen, Arbeitssuchenden und Beschäftigten wird durch die Arbeitsagentur weiter vorangetrieben und unterstützt. Das lebenslange Lernen soll zum Standard werden.

Geflüchtete Menschen Der Zuzug geflüchteter Menschen nach Deutschland und ihre Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, an deren Bewältigung die Arbeitsagentur einen besonderen Anteil hat. Unverändert bleibt die wichtigste Hürde für die Geflüchteten der Spracherwerb. Anfang Januar haben die Arbeitsmarktbüros in Gießen, Friedberg und Lauterbach ihre Arbeit aufgenommen. Sie wurden für geflüchtete Menschen und ehrenamtliche Begleiter als eine erste Anlaufstelle eingerichtet, um Asylbewerber schnellstmöglich zu beraten und zu orientieren. Diese Dienstleistung wurde von den genannten Zielgruppen sehr gut angenommen. (Arbeitsmarktbüros sind Anlaufstellen, in denen praktisch und schnell koordinierte Hilfen und Entscheidungen aus unterschiedlichen und sehr komplexen Rechtsgebieten geboten werden können. Menschen mit verwertbaren Qualifikationen sollen hier entdeckt und mit koordinierter Unterstützung in eine Beschäftigung gebracht werden. Gering Qualifizierte werden über Chancen informiert und schrittweise an den Arbeitsmarkt herangeführt.)

Im August wurde das Ankunftszentrum, eine gemeinsame Einrichtung des Landes Hessen (die hessische Erstaufnahmeeinrichtung – HEAE) und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), in der Rödgener Straße in Gießen eröffnet. Dort angeschlossen wurde eine Beratungseinrichtung der Arbeitsagentur, um eine möglichst zeitnahe Integration von Flüchtlingen in der Arbeitsmarkt zu befördern.

Angesichts der vielen offenen Stellen am Arbeitsmarkt fragen sich viele, ob Flüchtlinge, die jetzt nach Deutschland zugezogen sind, diese Lücke schließen können. Bei den Zuwanderern, die sich bei den Agenturen und Jobcentern arbeitslos melden, scheint die große Mehrheit keine formale Qualifikation entsprechend unseres Bildungssystems zu haben. Wichtig ist es jedoch, den Blick auf die Kompetenzen, Erfahrungen und Potentiale zu richten, die diese Menschen mitbringen. Viele Menschen, die heute als Flüchtlinge zu uns kommen, sind also oft nicht die Fachkräfte von morgen, sondern eher von übermorgen.

Ausbildungsmarkt Auf dem Ausbildungsmarkt sieht die Arbeitsagentur positive Entwicklungen aber auch einige Herausforderungen. Im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen, zu dem die Landkreise Wetterau, Vogelsberg und Gießen gehören, wurden seit September 2015 (bis Oktober 2016) insgesamt 4979 Bewerber aufgenommen und beraten. Dies ist gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 170 Jugendliche. Bis zum Ende des Berechnungszeitraums waren 281 junge Menschen noch unversorgt. Die Anzahl derer konnte durch eine Nachvermittlungsaktion nochmals reduziert werden. Arbeitgeber meldeten von September 2015 bis Oktober 2016 im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen insgesamt 4029 Ausbildungsstellen. Knapp zwei Drittel der Stellen wurden im Dienstleistungsbereich und knapp ein Drittel vom Handwerk gemeldet. Zum Stichtag am 30.09. waren noch 218 Ausbildungsstellen unbesetzt.

Quelle: Agentur für Arbeit Gießen

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