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Gießen: Obere Naturschutzbehörde beim RP bittet um Rücksicht auf Brutvögel

Pressemeldung vom 8. April 2015, 11:55 Uhr

Die als FFH (Fauna, Flora, Habitat)- und Vogelschutzgebiet ausgewiesene Wieseckaue bei Gießen ist eine weitläufige Auenlandschaft, in der viele seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten vorkommen. Das Schutzgebiet beginnt hinter dem Waldbrunnenweg Richtung Osten und erstreckt sich im Stadtgebiet Gießen entlang der Wieseck in Richtung Trohe und Rödgen. Nicht nur Spaziergänger, auch Jogger, Radfahrer und Skater genießen bei schönem Wetter die weitläufige Landschaft.

"Da hier Naherholung und Schutz der Natur eng aufeinander treffen, führt gerade dies leider immer wieder zu Konflikten", weiß Ulrike Brockerhoff, Naturschutzexpertin beim Regierungspräsidium (RP) Gießen, zu berichten. Sie appelliert daher an alle Besucher der Wieseckaue, die Wege nicht zu verlassen und insbesondere während der Brut- und Setzzeit von Anfang April bis Ende Juli Hunde an der Leine zu halten.

"Jede Störung gefährdet die Brut und kostet den Vogel beim Auffliegen viel Energie, teilweise werden sogar Nester mit Jungvögeln aufgegeben", so Brockerhoff. Störungsempfindliche Wiesenbrüter wie die Bekassine, der Kiebitz oder der Wiesenpieper seien in den letzten Jahren daher aus allen Bereichen der Wieseckaue gänzlich verschwunden. Auch der weltweit gefährdete Wachtelkönig, für den die Wieseckaue als Schutzgebiet ausgewiesen wurde, sei bereits seit einigen Jahren nicht mehr gesichtet worden. Erfreulich sei hingegen, dass seit letztem Jahr der Weißstorch wieder in dem Gebiet brütet. Dass er bei der Nahrungssuche für seine Jungen auch in den stadtnahen Wiesen bis zur Oberlachen-Renaturierung gesehen werden konnte, sei unter anderem dem vermehrten Anleinen von Hunden zu verdanken, so die RP-Fachfrau.

"Viele Hundebesitzer gehen oft mitten durch die landwirtschaftlich genutzten Flächen der Wieseckaue und vergessen dabei offenbar, dass die Wiesen auch landwirtschaftlich genutzt werden", führt Brockerhoff weiter aus. Neben der Störung der auf den Böden brütenden Vogelarten, werde auch das Mähgut der Landwirte massiv durch Hundekot verschmutzt, was dazu führe, dass die wertvollen Grünlandbestände nicht mehr für die landwirtschaftliche Futtermittelnutzung verwendet werden könnten. "Der Bauer verliert damit den Wert seiner Nutzpflanzen und muss enorme Geldeinbußen tragen", erläutert die Expertin.

"Aufgrund von Untersuchungen ist bekannt, dass Hunde das Verhalten, die Anzahl und die Artenanzahl von Vögeln eines Gebietes beeinflussen", so Brockerhoff abschließend. Sie hofft, dass möglichst alle Hundebesitzer ihrem Appell und den Verbotshinweisen auf der Beschilderung vor Ort folgen, damit sich noch viele Menschen beim Spaziergang an dem Artenreichtum dieser Landschaft erfreuen können.

Quelle: Regierungspräsidium Gießen

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