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Heppenheim: „Nirgendwo erwünscht“

Pressemeldung vom 8. April 2015, 17:07 Uhr

Sinti und Roma in Deutschland und Europa

Kreis Bergstraße (kb.) Zu einem Vortrag mit dem Autor des gleichnamigen Buches „Nirgendwo erwünscht“, Max Matter, laden die Ausländerbeauftragte des Kreises Bergstraße und der Landesverband Deutscher Sinti und Roma Hessen ein. Wie keine andere Minderheitengruppe sind Sinti und Roma in Europa einem tiefgreifenden, über Jahrhunderte gewachsenen Rassismus, dem Antiziganismus, ausgesetzt. In Deutschland ist der Antiziganismus die am weitesten verbreitete gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Erschreckende 55 Prozent der Bundesbürger stimmen laut einer aktuellen Studie der Universität Leipzig der Aussage „Ich hätte Probleme damit, wenn sich Sinti und Roma in meiner Gegend aufhalten“ zu. 2011 waren es noch 40 Prozent. Es ist zu befürchten, dass diese Haltung durch die, besonders im Zusammenhang mit der EU Osterweiterung geführte, Diskussion über die sogenannte Armutszuwanderung aus Bulgarien und Rumänien weiter befördert und verstärkt wird. In der öffentlichen Auseinandersetzung wird die Tatsache regelmäßig ausgeblendet, dass es sich bei den zuwandernden Roma in erster Linie um EU-Bürger handelt, die im Rahmen der Freizügigkeit handeln und die im Herkunfts- wie im Zuzugsland ausgegrenzt und benachteiligt werden. Diese Diskriminierung ist mit ursächlich für Armut. Vorherrschende falsche und pauschalierende Bilder verhindern, dass Romagruppen in ihrer kollektiven und individuellen Vielfältigkeit wahrgenommen werden. Romagruppen unterscheiden sich in ihren Sprachen und Dialekten, in ihren Religionen, im Grad gesellschaftlicher Integration und ihrer sozialen Schicht. Die verallgemeinernde Sichtweise auf Roma als „Armutsflüchtlinge“ wirkt sich auch negativ auf die seit vielen Jahrhunderten in Deutschland beheimatete nationale Minderheit der deutschen Sinti und Roma aus. Um Rassismus wirksam zu bekämpfen, ist eine differenzierte Betrachtung erforderlich.

Der „Rat für Migration“, ein Zusammenschluss von 78 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Fachgebieten, will zur Versachlichung der Debatte beitragen und startete seine neue Buchreihe bewusst mit diesem Thema. Matters Publikation liefert sachliche Grundlagen für eine Diskussion über gesellschaftspolitische Aufgaben und politische Entscheidungen zur Verbesserung der Inklusion und Teilhabe von Roma in Deutschland. Max Matter gelingt es, die Brücke von der fachwissenschaftlichen Diskussion zum kommunalen Alltag zu schlagen: unentbehrlich für alle, die verantwortlich und korrekt informiert für Roma Politik machen wollen. Moderiert wird die Veranstaltung von Peter E. Kalb vom Wochenschauverlag.

Zum Autor: Prof. Dr. phil. Max Matter, Jahrgang 1945, lehrte von 1985 bis 1996 als Professor für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie an der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt/Main. Im Anschluss bis zum Ausscheiden aus dem aktiven Universitätsdienst war er Professor und Direktor des Instituts für Volkskunde im Studiengang Europäische Ethnologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau. Matter ist Mitglied des vom Europarat und der EU initiierten European Academic Network on Romani Studies und im „Bundesweiten Arbeitskreis zur Verbesserung der Bildungsbeteiligung und des Bildungserfolgs von Sinti und Roma“.
Der Vortrag des Autors Max Matter findet am Donnerstag, 30. April, 19 Uhr, im Raum „Bergstraße“ des Landratsamtes Heppenheim, Eingang C, Ecke Gräffstraße/Wilhelmstraße statt.

Quelle: Kreis Bergstraße – Heppenheim

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