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Hofheim am Taunus: Kinderschutz: Gesetzesänderungen für mehr Effektivität nötig

Pressemeldung vom 13. September 2016, 12:54 Uhr

„Der Kinderschutz muss im Bemühen aller Beteiligten einen großen Anteil einnehmen. Eine effektive Zusammenarbeit darf nicht durch mangelnden oder zu strengen Datenschutz verhindert werden. Das Gesetz darf die Täter nicht mehr als die Opfer schützen.“ Dies ist ein Ergebnis nach der Veranstaltung „Kinderschutz – eine Aufgabe für Alle!?“ im vergangenen Jahr. In der jetzt veröffentlichten Dokumentation dieser Fachveranstaltung von Präventionsrat Hofheim am Taunus und dem Bund Deutscher Kriminalbeamter Hessen (BDK) halten Wolfgang Exner (Vorsitzender Präventionsrat) und Günter Brandt (Landesvorsitzender BDK) weitere Erkenntnisse fest.

„Die Verwaltung der Zusammenarbeit der beteiligten Akteure nimmt zu viel Raum ein, so dass weniger Zeit für die eigentliche Kinderhilfe bleibt. Gesetzte müssen für eine effektive Zusammenarbeit geändert werden“, stellt Wolfgang Exner fest. Wenn nicht anders möglich, müsse über eine Einschränkung des Legalitätsprinzips für bestimmte Personen in der Polizei nachgedacht werden. „Unsere Kinder haben mehr Anstrengungen verdient, um ihren Schutz zu gewährleisten.“ Günter Brandt ergänzt: „Traumatische Erfahrungen führen oft zur ebensolchem Verhalten – Gewalterfahrung führt zur Gewaltanwendung. Wir müssen den Kreislauf durchbrechen und die Jüngsten der Gesellschaft schützen.“

Diese Ziele sind das Ergebnis der Hofheimer Veranstaltung, deren Impuls bundesweit von Bedeutung ist. Es gibt zudem Forderungen an Bund und Länder: So werden einheitliche Standards gefordert. 600 Jugendämter und die tausenden freien Träger haben eine qualitativ sehr unterschiedliche Ausbildung und sachliche, organisatorische sowie finanzielle Ausstattung. Die Anzeigepflicht ist bei der Feststellung gravierender Kindesmisshandlungen nicht vorgeschrieben. Es fehlt eine sachgerechte und rechtlich zulässige Möglichkeit für Geheimnisträger wie Kinderärzte, sich in Fällen von Kindeswohlgefährdung auszutauschen ohne eine Familie an das Jugendamt melden zu müssen. Die Jugendämter wurden ohne mehr Personal mit den vielfältigen Aufgaben als zentrale Ansprechpartner betraut, obwohl den Mitarbeitern medizinische Fachkenntnisse fehlen. Ohne Ärzte, funktionieren die Diagnosen nicht. Der Netzwerkgedanke muss verdeutlicht und interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht werden, auch über Schweigepflicht und Datenschutz hinweg.

Quelle: Kreisstadt Hofheim am Taunus / Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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