Energiewechsel

Hofheim: Millionen einsparen auf sechs Pfeilern

Pressemeldung vom 13. August 2009, 16:08 Uhr

Hofheim. Landrat Gall stellt „Energiesparkonzept MTK“ für die Schulbauten vor

Mit einem Energiesparkonzept auf sechs Pfeilern will der Main-Taunus-Kreis den Energieverbrauch und die Energiekosten an seinen 56 Schulen weiter senken. Wie Landrat Berthold Gall anhand des „Energiesparkonzepts MTK“ erläuterte, sollen durch Sanierungen, einen umweltschonenden Energiemix und den Einsatz sparsamer Techniken und Konstruktionsweisen in den kommenden Jahren mehrere Millionen Euro eingespart werden. Nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus umweltpolitischen Gründen habe der Kreis „das Thema Energiesparen ganz groß auf dem Schirm“. Der „Innovationsstandort MTK“ liefere damit einen Beleg für effizientes und verantwortungsvolles Wirtschaften.

Sanierungen
Mit energiebewusstem Sanieren lassen sich nach Galls Millionen von Euro einsparen. Schritt für Schritt habe der Kreis Schulen saniert, weitere Projekte würden folgen. Die gesamte Einsparsumme sei wegen völlig unterschiedlicher Verhältnisse an den einzelnen Standorten kaum exakt zu beziffern. Um sich die Größenordnungen vorzustellen, reiche aber ein Blick auf die Freiherr-vom-Stein-Schule Eppstein. Fassade, Fenster, Dach und Haustechnik würden derzeit umfangreich saniert. Danach werde die Schule rund 40 Prozent weniger Energie verbrauchen. Wie Gall vorrechnet, würden auf diese Weise bis 2019 alleine an dieser Schule rund 700.000 Euro an Energiekosten gespart.

Den Angaben zufolge werden mit Mitteln des Konjunkturprogramms bis 2010 zwei weitere Schulen saniert und der Bau der früheren Adolf-Reichwein-Schule in Flörsheim durch ein energieeffizientes Gebäude für die Sophie-Scholl-Schule ersetzt.

Nutzung der Sonnenenergie
Laut Gall nutzt der Kreis bereits vielfältig Sonnenenergie und will dies in den kommenden Jahren ausbauen. Photovoltaikanlagen erzeugen Strom und speisen ihn ins öffentliche Stromnetz ein, wofür der Kreis Geld erhält. Solarthermische Anlagen heizen Wasser auf, sodass die für Warmwasser nötige Energie anderweitig gespart wird.

Derzeit betreibt der MTK an fünf Schulen Photovoltaikanlagen, auf Neubauten weiterer Schulen sollen bis weitere Anlagen entstehen. Wie Gall vorrechnet, werden die Anlagen im Jahr 2010 eine Gesamtfläche von fast 3700 Quadratmetern haben, „das ist in etwa die Grundfläche der Alten Oper in Frankfurt“. Solarthermieanlagen werden nach Angaben des Landrats bereits an sechs Schulen eingesetzt, zwei weitere seien in Planung.

Nutzung der Erdwärme
Künftig soll auch die Erdwärme für die Schulen genutzt werden. An der Sophie-Scholl-Schule Flörsheim will der Kreis erstmals Erdsonden zum Beheizen des Gebäudes einsetzen. Dabei wird die Temperatur des Grundwassers genutzt, um mit speziellen Wärmepumpen das Heizwasser auf bis zu 55 Grad zu erhitzen. Eine Probebohrung unter der Sophie-Scholl-Schule hat ergeben, dass das Wasser in 99 Meter Tiefe bereits 18 Grad warm ist. Künftig soll diese Technik an weiteren Standorten eingesetzt werden.

Ein weiteres Mittel, Erdwärme zu nutzen, sind so genannte Erdwärmekollektoren. Diese unterirdischen Rohrsysteme gewinnen Energie direkt aus dem von der Sonne aufgeheizten Boden. Diese Technik, die allerdings viel Platz benötigt, soll erstmals beim Neubau an der Geschwister-Scholl-Schule in Schwalbach eingesetzt werden.

Passivhäuser
Im September wird das mittlerweile zweite in Passivhaustechnik errichtete Schulgebäude eröffnet, der Erweiterungsbau der Albert-Einstein-Schule Schwalbach. Erstmals war die Energie sparende Technik 2007 im Erweiterungsbau der Heinrich-von-Kleist-Schule Eschborn eingesetzt worden. Laut Gall sollen sich künftig, wenn möglich, alle Schulneubauten im Kreis am Passivhausstandard orientieren.

Ein Passivhaus funktioniert im Prinzip wie eine Thermoskanne und senkt den Wärmeverlust durch Wände, Dach und Bodenplatte. Die Abluft der Räume entweicht nicht durch die Fenster, sondern ihre Wärme wird zum Beheizen des Gebäudes genutzt. Wie Gall vorrechnet, muss dann nur noch minimal zusätzlich geheizt werden: „Pro Quadratmeter Passivhaus wird dann nur noch etwa ein Zehntel der Heizenergie gebraucht wie pro Quadratmeter in einem herkömmlichen Wohnhaus.“

Blockheizkraftwerke
Blockheizkraftwerke werden mit Gas betrieben und erzeugen Strom; die dabei entstehende Wärme wird zum Beheizen genutzt. Wie Gall erläutert, betreibt der Kreis derzeit zwei Blockheizkraftwerke. Das Größere von beiden steht an der Brühlwiesenschule Hofheim. Alleine seine Wärmeleistung würde genügen, um vier bis sechs Einfamilienhäuser zu beheizen. Das kleinere Kraftwerk wurde an der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule in Hofheim aufgestellt.

Wird über den Bedarf hinaus Strom produziert, wird dieser ins öffentliche Netz eingespeist. Laut Gall hat alleine durch das Kraftwerk an der Brühlwiesenschule der Kreis bis Ende vergangenen Jahres rund 120.000 Euro eingenommen. Hinzu kämen Rückerstattungen aus der Energiesteuer von rund 56.000 Euro.

Personal
Sechster Pfeiler des Energiesparkonzepts ist das Fachpersonal des Kreises. Wie Gall erläutert, wurden alle Projektleiter des Amtes für Schulbau und Gebäudewirtschaft zum Thema Energieeinsparung speziell geschult. Ein Energiemanager sei eingestellt worden, der eng mit dem Energieberatungszentrum (EBZ) des Kreises zusammen arbeite. Zudem würden nur solche Architekten und Fachplaner beauftragt, die Erfahrung im „energieeffizienten Bauen“ hätten.

„Energie zu sparen, ist eine der Grundanforderungen an unsere Gebäude“, fasst der Landrat zusammen. „Unser gesamter Planungsstab ist darauf gepolt.“
Quelle: Stadt Hofheim – Pressestelle

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