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Kriftel: Ernte 2015 – Eine Katastrophe?

Pressemeldung vom 25. Juni 2015, 11:01 Uhr

Kriftel. Der Hessische Bauernverband rechnet mit Ernteverlusten im Getreidebereich, bei Ölsaaten und Gemüse von etwa 30 Prozent und mehr. Vereinzelt drohen sogar „Totalausfälle“. Futterausfälle für die Tiere könnten auch dazukommen: Es fehlt der Grünlandaufwuchs. Bauernverbands-Präsident Friedhelm Schneider rechnet daher mit zusätzlichen Futterkosten in der Tierhaltung.

Der Grund: Seit April herrscht eine spürbare Trockenheit. Landwirte und Obsterzeuger in Süd-Hessen zeigen sich mit bisher nur 40 Liter Niederschlag je Quadratmeter besorgt. Das Fünffache ist laut landwirtschaftlicher Infos der Jahresdurchschnitt.

Bewässerung nützt, aber kostet viel

Der Krifteler Obsterzeuger und ehemaliger Vorsitzender des Landesverbands für Erwerbsobstbau, Berthold Heil, weiß um die Folgen aktueller Trockenheit aus seiner Erfahrung von 1976. Da war es mit der Witterung ähnlich: „Nur 20 Prozent Ertrag aus den Erdbeeren, 80 Prozent fast komplett verbrannt.“ Für 2015 erwartet er eine spürbare Ertragsminderung, zumal die Erdbeerernte „fast durch ist“.

Doch ganz vergleichbar ist die heutige Situation mit dem Ernteausfall 1976 nicht: Die Bewässerung, nach 1980 in Kriftel aufgenommen, stützt die Ernte und fängt die Trockenheit etwas ab. Aber um einen hohen Preis: Der Kubikmeter Wasserberieselung kostet ihn 2,37 Euro. Hinzu kommt der Zeitaufwand: „Darauf sind wir in der Regel nicht eingestellt. Wir haben mit der Boden-, Strauch- und Baumarbeit genug zu tun“, so Heil.

Die Berieselung im Hochfeld findet nicht in jeder Reihe statt. Dazu fehlen die Anschlüsse. Die Äcker liegen auch nicht alle zusammen: „Ich schaffe einmal in drei Wochen die Runde mit der Berieselung“, sagt er. Die Erdbeeren sind noch genügsam: Mit anderthalb Kubikmeter Wasser pro Feld und Runde kommt Heil im Durchschnitt bei ihnen durch. Der Baumbestand dagegen verlangt bedeutend mehr: „Drei bis vier Kubikmeter. Wobei sich die älteren Stämme in der Trockenheit besser halten als die jüngeren“. Werden sie Vollernten an Kernobst im Herbst bringen? Oder nur kleine Früchte? Heil konnte bisher „das Schlimmste abwenden“, wie er sagt, trotz Frost und Sonnenbrand auf den Ernte-Früchten bei 34 Grad Celsius.

„Kornfülle und Notreife“

Für Hofheims Orts- und stellvertretenden Kreislandwirt Jürgen Pauly ist die Zukunftsaussicht für dieses Jahr „ganz schlecht“. Der zu geringe Niederschlag sei die Hauptursache: Das Getreide befinde sich in der „Kornfüllphase“. Es reift bei Trockenheit heran. Pauly spricht von „Notreife“ bei Weizen. In diesem Jahr werde er zwischen zwei und drei Wochen früher gereift sein als üblich: „Wasser wäre jetzt Gold wert“, sagt er. Und ein bisschen ist ja in diesem Tagen von oben herunter gekommen.

Nach seiner Einschätzung wird die Ernte beträchtlich absacken. Auch bei Raps stehe die „Notreife“ an. Die Zuckerrüben leiden bisher als einzige noch nicht. Ihre Reife und Ernte fallen erst in die Monate September und Oktober des Jahres. Für Mais und Kartoffeln ist die noch herrschende Trockenheit ebenfalls ungünstig. Ein anhaltender Schutt Regen wird von Kartoffeln zwar angenommen und aufgesogen, führt aber zu Missbildungen.

Teuerung zu erwarten

„Wintergerste abgereift, Winterweizen nicht viel zu retten, wir haben kaum Erträge, die Ernte wird nicht viel einbringen“, fasst MTK-Kreislandwirt Karlheinz Gritsch die Aussicht der Landwirtschaft in Kreis und Hessen in einem Satz zusammen.

Hessens Bauernpräsident Schneider schaut auch auf Kosten und Ertrag: „Die Berieselung von Sonderkulturen, Obst und Gemüse kann den Landwirt 500 Euro je Hektar zusätzlich kosten. Das sind Ausgaben, die nicht über Verkaufspreise zu decken sind. Der Ernteertrag bei Wintergetreide wird zu einer Verknappung des Aufkommens führen. Alle landwirtschaftlichen Mehrkosten können nicht auf den Lebensmittelhandel abgewälzt werden“. Wie es scheint, wird aber eine Verteuerung auf den Bürger zukommen.

Quelle: Gemeinde Kriftel

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