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Kriftel: Mit dem Gelübde gab es keine Pesttoten mehr

Pressemeldung vom 20. Juni 2011, 15:06 Uhr

An einen einstigen Hofheimer Pfarrer und an eine finstere Zeit erinnert jetzt eine neue Bezeichnung für den asphaltierten Waldweg, der zur Hofheimer Bergkapelle führt. Der Weg ist seit kurzem als Johannes-Gleidener-Weg beschildert. Pfarrer Gleidener war vom 30. Oktober 1650 bis 28. Februar 1680 als Seelsorger in der Pfarrei St. Peter und Paul in Hofheim tätig gewesen. Damals breitete sich die Pest im Rhein-Main-Gebiet rasant aus. 1665 waren Frankfurt, Höchst und Mainz betroffen und ein Jahr später auch die Hofheimer Gegend.

Pfarrer Gleidener sah am Himmelfahrtstag 1666 nur noch Hoffnung auf Rettung der Stadt und ihrer Einwohner durch ein Gelübde, zu dem er die Gläubigen bewog. Die Absicht zum Bau einer Kapelle wie einige Bittgänge im Jahr waren Bestandteile des Gelübdes. Bei einem Bittgang auf den Kapellenberg am 2. Juli 1666 zum „Fest Mariä Heimsuchung“ ließ der Pfarrer die Gläubigen noch einmal das Gelübde ablegen. Laut einer Veröffentlichung mit dem Titel „Die Hofheimer Bergkapelle im Wandel der Zeiten“, herausgegeben im Jahre 1926 von der katholischen Kirchengemeinde, ist nach dem Tag des ersten Gelübdes „in den Kirchenbüchern von Hofheim, Zeilsheim, Münster, Kriftel und Hattersheim kein einziger Pesttodesfall mehr registriert“.

Die neue Wegebezeichnung lässt auch menschliches Säumen erkennen: Dass das Vorhaben nach erheblicher Verzögerung jetzt endlich umgesetzt wurde, ist einem aufmerksamen Hofheimer zu verdanken: Erhard Hennemann war bei Recherchen für seinen Beitrag zum Jahrbuch des Main-Taunus-Kreises 2010 zur Geschichte der Hofheimer Bergkapelle im Stadtarchiv auf einen Magistratsbeschluss vom 2. Juni 1966 gestoßen. Darin heißt es, dass anlässlich des 300. Jahrestags des Gelöbnisses von 1666 der an den Kreuzweg anschließende Weg (bis zur hohen Schneise) die Bezeichnung Johannes-Gleidener-Weg erhalten sollte. Damit sollte der Initiator des Gelübdes von 1666 und des ersten Kapellenbaus geehrt werden.

Hennemann überzeugte sich vor Ort davon, dass der Beschluss von damals nie umgesetzt wurde und sprach daraufhin im Rathaus bei Bürgermeisterin Gisela Stang vor, die der Sache nachging und handelte. Neben dem Weg- und Namensschild, akkurat von Hand in Holz geschnitzt, weist ein zusätzliches kleines Metallschild auf den Pfarrer von St. Peter und Paul und das Gelübde hin.

Quelle: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde Kriftel

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