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Kriftel: Neue Begrüßungsteams für Flüchtlinge

Pressemeldung vom 2. Juni 2015, 14:47 Uhr

Kriftel. Die Flüchtlingszahlen steigen stetig: 238 Asylbewerber musste der Main-Taunus-Kreis im ersten Quartal 2015 aufnehmen, im zweiten Quartal wird mit weiteren 301 Personen gerechnet. Kriftel soll laut Zuweisung ab Juli 39 neue Flüchtlinge aufnehmen. „Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen ist unverzügliches Handeln erforderlich“, so forderte der Sozialdezernent und Kreisbeigeordnete Johannes Baron (FDP) die Kommunen Mitte Mai auf, kurzfristig Unterkünfte zu benennen, in denen Asylbewerber untergebracht werden können (wir berichteten).

38 Asylsuchende leben zurzeit in der Gemeinschaftsunterkunft in der Richard-Wagner-Straße, die damit nahezu vollbesetzt ist. Die rund 50 ehrenamtlich Aktiven des Arbeitskreises Flüchtlinge „Willkommen in Kriftel“ wollen sich auch um die Neuankömmlinge kümmern. Dazu haben sich jüngst Ehrenamtliche getroffen, die die Neuen willkommen heißen und in die Deutschkurse einladen wollen.

Zum Info-Treffen am Dienstag, den 26. Mai, im Gemeinschaftsraum der Gemeinschaftsunterkunft kamen überraschend viele Interessenten. „Es waren elf Menschen da“, erzählt AK-Sprecherin Barbara Tambour, die mit so vielen gar nicht gerechnet hatte. Zehn von ihnen sind schon im Arbeitskreis aktiv.

„Das ist toll. Sie können Ihre Erfahrungen einbringen.“

Willkommenskultur schaffen

Der Sinn und Zweck der Begrüßungsteams ist es, die Menschen, die in Kriftel stranden, willkommen zu heißen und ihnen Hilfe und Unterstützung in den dringendsten Dingen anzubieten. Tambour: „Wir wollen eine Willkommenskultur schaffen, ein Zeichen setzen.“ Wenige Tage nach der Ankunft der Neuankömmlinge besucht sie ein Begrüßungsteam, bestehend aus zwei Personen. Was sich diese notieren und was sie anbieten, wurde den neuen Helfern beim Infotreffen anhand einer Checkliste erklärt.

„Wir weisen sie zum Beispiel auf unser Sprachkursangebot im Gemeinschaftsraum hin“, erklärt die AK-Sprecherin. Zurzeit laufen drei Kurse, wovon einer mit 20 Personen schon vollbesetzt ist. Dreimal in der Woche findet der Unterricht statt. „Sie bekommen einen Ortsplan von Kriftel, in dem wir die Unterkunft markieren. Wir erklären ihnen, wo sie billig einkaufen gehen können, dass man Leitungswasser bei uns trinken kann und nicht teures Wasser kaufen muss.“

Sie erfahren außerdem, dass sie über Tanja Seitz vom AK für zehn Euro Fahrräder bekommen können. Fahrradspenden gingen in den letzten Wochen reichlich ein. Natürlich werden sie ins Café der Kulturen eingeladen, das jeden letzten Samstag im Monat von 15 bis 17 Uhr im Freizeithaus geöffnet ist. Bedürfnisse und Probleme werden abgefragt, Fragen so gut es geht beantwortet.

Auch die neuen Helfer hatten Fragen: Da fast alle weiblich sind, wollten sie wissen, ob sie auch in Männerunterkünfte gehen können – gerade wenn das in den Herkunftsländern unüblich ist. „wir konnten die Bedenken zerstreuen“, erzählt Barbara Tambour. „Bisher hatten wir nur positive Reaktionen.“ Auch bei der Frage, ob die eigenen Englischkenntnisse ausreichen, konnte sie beruhigen: „Die Asylsuchenden sprechen oft nur ein bisschen Englisch. Da trifft man sich auf derselben Ebene. Die Geste und das Herz sind das Wichtigste!“ Bei Verständigungsschwierigkeiten können oft auch die Flüchtlinge helfen, die schon länger in Kriftel sind.

Gartenteam kommt gut an

Dank der neuen Helfer gibt es jetzt sechs Zweierteams, die ab Juli Neuankömmlinge besuchen wollen. So verteilen sich die Aufgaben auf viele Schultern. Denn das Angebot des Arbeitskreises ist groß (wir berichteten). Eine neue Aktion kommt zurzeit sehr gut an: das Gartenteam. Ansprechpartner sind Kashif Shamim und Sabine Haag. „Anfang Mai hat ein Krifteler Landschaftsgärtner mit vier ehrenamtlichen Helfern ein Streifen Erde an der Gemeinschaftsunterkunft gefräst. Anschließend wurden Salat, Tomaten und Paprika gepflanzt“, so Tambour. „Dieses Angebot findet eine unheimliche Resonanz.“ Gerade für traumatisierte Menschen, so habe ihr eine Psychologin erklärt, könne die Arbeit mit Erde und Pflanzen heilsam sein.

Quelle: Gemeinde Kriftel

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