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Kriftel: Seniorenberatung im Rathaus hat sich etabliert

Pressemeldung vom 18. Juni 2015, 11:32 Uhr

Kriftel. Ein Kind braucht viele Jahre, um selbständig zu werden. Im Alter kann die Selbständigkeit in relativ kurzer Zeit wieder verloren gehen. „Für Betroffene ist die schrittweise Aufgabe der Autonomie ein schmerzhafter Prozess, eine Krise, die oft nicht ohne Hilfe von außen bewältigt werden kann“, sagt Seniorenberaterin Gabriele Kortenbusch. Ihre Hilfe besteht in diesen Fällen zunächst aus einer „aufwendigen Beziehungsarbeit“: Häufige Kontakte, in Gesprächen Vertrauen aufbauen, die Sorgen anhören und den konkreten Hilfebedarf heraushören. Das Besondere: die Sozialpädagogin berät nicht nur am Telefon oder in der Sprechstunde im Rathaus. Sie ist mobil und besucht an zwei Vormittagen die Senioren zuhause in den eigenen vier Wänden.

„Dabei ist ein äußerst sensibles Vorgehen angezeigt“, stellt die 52jährige DRK-Mitarbeiterin aus Kriftel fest, die seit Juni 2011 in der Gemeinde als „aufsuchende Seniorenberaterin“ tätig ist. Mittwochs und donnerstags besucht sie ältere Bürger zu Hause und jeden Freitag (9 bis 12 Uhr) bietet sie ihre Sprechstunde im Rat- und Bürgerhaus an. Die Stelle wird von der Gemeinde Kriftel und mit Zuschüssen vom Main-Taunus-Kreis finanziert. Kürzlich hat Gabriele Kortenbusch den Gemeindekörperschaften einen Bericht über ihre bisherige Tätigkeit vorgelegt.

Oft über Jahre in Kontakt

Die reine Anzahl der Beratungskontakte im Büro wie auch der Hausbesuche sei insgesamt etwas rückläufig gewesen, hält sie darin fest. Doch der quantitative Vergleich allein ist nicht aussagekräftig: „Telefonische Beratungen dauern manchmal bis zu einer halben Stunde und die Gespräche während der Sprechstunde können bis zu einer Stunde Zeit in Anspruch nehmen. Hausbesuche auch darüber hinaus“, so Gabriele Kortenbusch. Mit vielen Klienten steht sie zum Teil über Jahre hinweg in Kontakt.

Schwerpunktthemen der Beratung sind Pflege und häusliche Unterstützung. So wurde sie auch 2014 um Rat und Hilfe im Hinblick auf die Vermittlung von ambulanten Diensten gefragt: die Wahl von Tageseinrichtungen, Hausnotruf und Essen auf Rädern. Zudem ging es um Betreuungsangelegenheiten, um Wohnberatung und um Hilfen beim Schriftwechsel mit Behörden. Hier versucht Gabriele Kortenbusch, Probleme in kleinen Schritten anzugehen. Dies kann auch Hilfe zur Selbsthilfe sein.

Helferinnen aus Polen, die in vielen Seniorenhaushalten im Einsatz sind, vermittelt sie nicht. „Als Seniorenberaterin bin ich nicht in der Lage, solche Organisationen auf ihre Eignung zu überprüfen. Ich kann lediglich auf die Dienstleistungsanbieter vor Ort verweisen.“

Pflegebedürftigkeit und Patientenverfügungen

Ein weiteres Thema, das in den Beratungsgesprächen öfter zur Sprache kommt, ist die Einstufung der Pflegebedürftigkeit durch den medizinischen Dienst. Kortenbusch: „Nicht wenige Senioren neigen dazu, ihre Situation dabei besser darzustellen als sie in Wirklichkeit ist. Stolz wird verkündet, dass man noch dazu in der Lage sei, die Hausarbeit ganz alleine zu bewältigen, auch wenn das längst nicht mehr gelingt. Man sollte der prüfenden Fachkraft aber nichts vormachen, sondern eine realistische Einschätzung ermöglichen.“

Fragen zu den Themen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht werden der Beraterin ebenfalls häufig gestellt. Viele Ratsuchenden sind angesichts der vielen unterschiedlichen Formulare, die dazu angeboten werden, hilflos.

„Ein anderer großer Teil der Arbeit ist die psychosoziale Beratung“, erzählt die Sozialpädagogin. Oft werden Probleme aus früheren Lebensphasen mit ins Alter genommen, wie Konflikte in Partnerschaft oder Familie, finanzielle Probleme oder der erschwerte Umgang mit Angehörigen, die an Demenz erkrankt sind. „Hier versuche ich durch Zuhören und Verständnis, mit Ideen und Ermutigung, Klienten zu neuen Wegen zu verhelfen“, so Kortenbusch. Manchmal lassen sich Situationen nicht verändern. „Wichtig ist es hier, die Seniorenberatung immer wieder als Ansprechpartner zu haben.“

Sieben Krifteler besuchen ältere Bürger

Alleinstehende Senioren fühlen sich häufig auch einsam. Aus der Seniorenberatung hat sich daher der ehrenamtliche Besucherdienst entwickelt, der 2012 mit zwei Besuchern startete. „Inzwischen umfasst der Kreis sieben engagierte Krifteler, die ältere Bürger besuchen. Die gemeinsamen Aktivitäten reichen vom Spaziergang, dem gemeinsamen Einkauf bis zum Vorlesen oder einfach Zuhören und Reden.“ Sie vermittelt die Kontakte, Termine und das Zusammensein organisieren Besucher und Klient selbständig. „Der Bedarf ist auf jeden Fall da“, betont die Kriftelerin, die allerdings auch darauf achten muss, dass die Helferin oder der Helfer zu der Person passt, die er oder sie besuchen soll.

Nicht selten nehmen auch Angehörige von Pflegebedürftigen mit der Beraterin Kontakt auf. Manche haben allerdings Skrupel, Hilfe von außen anzunehmen, wenn es um die eigenen Eltern geht. Auch sie brauchen Ermutigung. Zeit nehmen muss sich die Beraterin zudem für die Zusammenarbeit mit weiteren Stellen im Ort und im Kreis, die Senioren Beratung anbieten. Die Kriftelerin ist hier bereits gut vernetzt.

Boule-Treff und Hockergymnastik

„Ein weiteres Anliegen der Seniorensozialarbeit ist es, ältere Bürger stärker wieder in die Gemeinschaft einzubinden“, betont Gabriele Kortenbusch. In der Obstbaugemeinde ist es ihr gelungen, einige Projekte anzuschieben: Dem Boule-Treff haben sich so viele agile Freizeit-Sportler angeschlossen, dass die Gemeinde eine zweite Boule-Bahn im Freizeitpark angelegt hat. Seit Juli 2013 bietet der Kelkheimer Verein für Bewegungstherapie und Herzsport auf Initiative der Seniorenberatung eine Senioren-Hockergymnastik an, die auch Senioren mit körperlichen Einschränkungen die Teilnahme möglich macht.

Auch einen Stammtisch für vitale Senioren hat Gabriele Kortenbusch auf den Weg gebracht. „Ich habe eine Anregung einer Krifteler Bürgerin aufgegriffen“, sagt sie. Inzwischen trifft sich ein reger Kreis jeweils jeden ersten und dritten Dienstag des Monats ab 19.30 Uhr im Restaurant „Flammkuchenhaus“ an der Bahnhofstraße. Die Teilnehmer sind rüstige, kontaktfreudige und unternehmungslustige Senioren, die entweder alleinstehend sind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen zu betreuen haben.

Quelle: Gemeinde Kriftel

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