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Kriftel: Themenabend „Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung“

Pressemeldung vom 27. April 2017, 13:50 Uhr

„Wir haben mit unserem Themenabend anscheinend einen Nerv getroffen“, freut sich die Seniorenberaterin im Krifteler Rathaus, Gabriele Kortenbusch. Gemeinsam mit dem Familienzentrum Kriftel hatte sie am Dienstag um 18 Uhr in den Saal I des Rat- und Bürgerhauses Kriftel zum Themenabend „Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung“ eingeladen. Es referierten der Anwalt und Notar Dr. Peter Ellefret und der Mediziner Dr. Stefan Weier. Der Besuch war kostenlos. Jede Menge Stühle mussten nachgestellt, der Saal zum Foyer hin geöffnet werden: 160 Interessierte kamen und hörten aufmerksam zu.

„Wir wollten Menschen jeden Alters mit dem Infoabend für ein wichtiges Thema sensibilisieren, mit dem sich Jeder rechtzeitig auseinander setzen sollte“, so Kortenbusch. Denn: Jeder könne unabhängig vom Alter in Situationen geraten, in denen andere für ihn entscheiden müssen. Die Referenten konnten mit vielen Beispielen aus der Praxis aufwarten: Seit zehn Jahren schon klären die beiden Spezialisten in Vorträgen über ein Thema auf, das immer noch zu wenig Beachtung findet. Nach dem anschaulichen Vortrag der Fachleute konnten Fragen gestellt werden.

Ohne Vollmacht setzt Amtsgericht Betreuer ein

„Besonders überrascht waren viele Zuhörer, dass Ehepartner oder Kinder nicht automatisch für einen Menschen im Alter oder nach einem schweren Unfall entscheiden können“, so Kortenbusch. „Niemand wird dazu gezwungen, eine Vollmacht zu erteilen. Fehlt diese aber, wenn wichtige Entscheidungen nicht mehr selbst getroffen werden können, wird das Amtsgericht dafür einen rechtlichen Betreuer einsetzen – entweder aus dem Familienkreis oder auch einen Fremden.“

Auch die Form ist wichtig. Kortenbusch: „Unklar war Vielen, dass eine erteilte Vollmacht nicht nur von dem Bevollmächtigten unterschrieben werden, sondern auch dem Bevollmächtigten zugehen muss.“ Die Vorsorgevollmacht kann sich auf Verträge, Bankangelegenheiten, den Einzug in ein Pflegeheim, Angelegenheiten der Gesundheit oder des Aufenthaltes beziehen. Ist sie notariell beurkundet, hat sie oftmals eine höhere Akzeptanz.

Möglichst konkrete Angaben!

„Ideal ist, die Vorsorgevollmacht mit einer Patientenverfügung zu verbinden“, sagte Dr. Peter Ellefret, der eine Kanzlei in Kriftel führt. In der Patientenverfügung wird geregelt, welche ärztlichen Maßnahmen eine Person zu ihrer medizinischen Versorgung wünscht und welche sie ablehnt – wenn sie bei einer schweren Krankheit oder nach einem Unfall ihren Willen nicht mehr äußern kann. Bis zu diesem Moment behält jeder das Recht, diese Verfügung jederzeit ganz oder in Teilen zu ändern.

„Neben Name, Geburtsdatum, Anschrift und eigenhändiger Unterschrift ist eine möglichst genaue Beschreibung der Situation, in der die Patientenverfügung gelten soll, wichtig“, betonte Dr. Weier, der eine Praxis in Hofheim-Langenhain betreibt. Im Idealfall sollte man sich daher mit seinem Hausarzt beraten, empfahl er. „Einfache Äußerungen wie ‚ich will nicht an Schläuchen hängen‘ reichen nicht aus. Je genauer die Angaben, desto besser.“ Auch Vorgaben zu lebenserhaltenden Maßnahmen, Schmerz- und Symptombehandlung sowie künstlicher Ernährung müssen konkretisiert werden.

Quelle: Gemeinde Kriftel

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