Energiewechsel

Kriftel: Weingartenschule – Begabte tanzten in Gummistiefeln, stapelten Becher und lernten italienisch zu flirten

Pressemeldung vom 26. Februar 2015, 08:54 Uhr

„Pack die Gummistiefel ein!“, stand auf der Einladung. Rund 50 ausgewählte, begabte und fleißige Schüler der 8. und 9. Klassen sind ihr gerne gefolgt und haben am Freitag, den 20. Februar, an der Weingartenschule (WGS) einen ganz besonderen Projekttag erlebt. An diesem Tag stand nämlich kein normaler Alltagsunterricht auf dem Stundenplan: „Die Jugendlichen der fünf Partnerschulen sollen ab und an einen Schultag der ganz besonderen Art zu erleben“, erläutert Gymnasialzweigleiterin Nicola van de Loo das sogenannte Pullout-Konzept. Zum Netzwerk für Hochbegabung gehören die Graf-Stauffenberg-Schule in Flörsheim, die Heinrich-Böll-Schule in Hattersheim, die Main-Taunus-Schule in Hofheim, die Mendelssohn-Bartholdy-Schule in Sulzbach und die Weingartenschule in Kriftel.

„An drei bis vier Tagen im Jahr werden die Schüler aus dem normalen Schulalltag herausgezogen. Sie kommen an einer der fünf Partnerschulen zusammen und durchlaufen unterschiedliche und spannende Projekte, um neue Anregungen und Lernanreize bekommen und dabei vielleicht ein ganz neues Hobby zu entdecken“, so Nicola van de Loo.

Tanz der Gummistiefel

Erstes Projekt war der „Gumbootdance“. Juan Lopez, Studienrat für Sport und Spanisch an der WGS, lud ein zum traditionellen afrikanischen Gruppentanz, den schwarze Goldminenarbeiter in Südafrika um 1820 ins Leben riefen. Bei der Arbeit trugen sie Gummistiefel, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen waren katastrophal und der Tanz war eine Reaktion auf die rassistische Unterdrückung und Ausbeutung ihrer Arbeitskraft. Während der Arbeit war es ihnen verboten, sich zu unterhalten, und so erfanden sie eine Art Geheimsprache durch rhythmisches Schlagen mit den Händen auf ihre Gummistiefel.

Die Schüler waren begeistert, spielerisch lernten sie erste Schritte, wurden mutig und kreativ. In Eigenregie entwickelten die Mädchen und Jungen kraftvolle Bewegungen, Rhythmen und Choreographien durch Schritte nach vorne, nach hinten, nach rechts und nach links, durch Stampfen, Springen, Finger-Schnippen und Klatschen auf Hände, Hüften, Oberschenkel und Rücken. Eine faszinierende, kraftvolle Tanzdarbietung – wie eine eigenwillige Mischung aus Stepptanz und bayrischem Schuhplattler – und das ganz ohne Musik. Die Instrumente sind nur der Körper und die Gummistiefel.

Stack Attack!

Im nächsten Projekt ging es um Geschwindigkeit und Geschicklichkeit. Studienrat Christian Büchi unterrichtet Mathematik und Deutsch an der WGS. Am Pullout-Tag zeigte er sich als Meister im „Power-Stacking“. Im Filmraum stapelten sich bunte Plastikbecher auf den Tischen. Zunächst langsam, bald in rasender Geschwindigkeit wurden erst drei, dann sechs und später zwölf Becher in einer vorgegebenen Reihenfolge aufgestapelt zu Figuren und Pyramiden und dann auch wieder abgestapelt. „Speed- oder Power-Stacking fördert die Beidhändigkeit, die Koordination zwischen Hand und Auge und die Reaktionsfähigkeit“, erklärte Christian Büchi. Durch das abwechselnde Arbeiten mit linker und rechter Hand werden beide Gehirnhälften miteinander vernetzt, es werden neue Verknüpfungen gebildet und Nervenstraßen gebaut. Die Schüler waren begeistert und unermüdlich in ihren Stapelversuchen: Es wurde an der Geschwindigkeit gearbeitet und die Zeit gestoppt – mit dem erklärten Ziel, es bald mit den Weltmeistern in dieser Sportart aufzunehmen. Die Jugendlichen traten einzeln oder in Gruppen gegeneinander an und entdeckten zum Schluss eine ganz eigene neue und kreative Formation: Sie verbauten gemeinsam alle 150 Becher zu einer einzigen riesigen Pyramide.

Schnellkurs Italienisch

Nach so viel Bewegung und Kreativität kann ein bisschen Kopfarbeit und sprachliches Training nicht schaden, dachte sich Marco Silvestri und konzipierte einen Schnellkurs in seiner Muttersprache Italienisch. Zunächst bekamen die Jugendlichen eine kleine Einführung in Land und Leute von Bella Italia, sie lernen, wie man sich begrüßt und bedankt, sie durchliefen einen Crashkurs in Sachen Grammatik, Rechtschreibung und Aussprache und verglichen nebenbei die romanischen Sprachen Italienisch, Spanisch, Französisch und Latein. Schnell fanden sich erste Gesprächsanlässe und bald unterhielten sich die Schüler bereits in bestem Italienisch über Wohnort, Alter, Geschwister und Hobbies. Und dann ging es zur Sache: Silvestri bot einen kleinen Flirtkurs mit den besten Anmachsprüchen gratis dazu. Ein „Tu sei la piu bella donna del mondo!“ gefolgt von einem gehauchten „Ti amo!“, so lernten die Teilnehmer, betöre bestimmt jedes Mädchen. Zum Schluss gab es sogar noch ein paar Schimpfwörter…

„Dieser Pullout-Tag war total abwechslungsreich!“, schwärmte zum Schluss Veronique aus einer 9. Klasse der Main-Taunus-Schule. „Wir konnten so viel selbst machen und mussten nicht nur zuhören – ganz anders als im normalen Unterricht“, ergänzten ihre Freundinnen Valerie und Sophia. Für diese Mädchen war es der letzte Pullout-Tag in ihrer Schullaufbahn. In der Oberstufe werden keine Projekttage mehr angeboten.

Quelle: Gemeinde Kriftel

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