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Lahn-Dill-Kreis: Denkmal- und Naturschutzpreis 2014 des Lahn-Dill-Kreises verliehen

Pressemeldung vom 29. Juni 2015, 14:27 Uhr

Die Preise des Lahn-Dill-Kreises für die Umsetzung besonderer Projekte im Naturschutz und im Denkmalschutz wurden am 25. Juni 2015 in Wetzlar verliehen.

In seinem Grußwort hob Landrat Wolfgang Schuster die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements sowohl für den Naturschutz als auch für den Denkmalschutz hervor. Es handele sich um wichtige Aufgaben, die auch zukünftigen Generationen zugutekommen würden. Dies könne die öffentliche Hand allein nicht bewältigen. Es gehe um die Beziehung der Menschen zu ihrer Umwelt und zu ihrer Geschichte. Projekte zur Aufwertung ökologischer Funktionen könnten meist nur in Zusammenarbeit mit ehrenamtlich tätigen Gruppen und Initiativen umgesetzt werden. Mit historischen Gebäuden in seinem Lebensumfeld verbindet der Mensch mehr als nur die Wertigkeit als Immobilie. Der Erste Kreisbeigeordnete und Naturschutzdezernent Heinz Schreiber würdigte in seinen einleitenden Worten die Leistungen der Preisträger des Naturschutzpreises für die Heranführung vor allem junger Menschen an ökologische Themen.

Naturschutzpreis

Der mit 1.500,00 Euro dotierte Naturschutzpreis ehrt Leistungen auf dem Gebiet des Artenschutzes, der Gestaltung von Biotopen, der Landschaftspflege und Projekte zur nachhaltigen Entwicklung im heimischen Raum.

Der Naturschutzbeirat hat aus den Bewerbungen folgende Preisträger benannt:

Horst Ryba, Schöffengrund – 1.000,00 Euro

Seit über 50 Jahren engagiert sich Horst Ryba ehrenamtlich im Naturschutz. Für uns von besonderer Bedeutung und daher hervorzuheben, ist seine Funktion als Vorsitzender der Naturlandstiftung Lahn-Dill, die im Kreisgebiet mittlerweile fast 40 ökologisch wertvolle Biotope schützen konnte. Neben den Naturschutzgebieten tragen diese Lebensräume maßgeblich zur Biotopvernetzung bei. Viele dieser Biotope sind in Hessen gesetzlich geschützt und sowohl ökologisch als auch kulturhistorisch bedeutsam. Streuobstwiesen, feuchte und trockene Grünlandstandorte, wie Auewiesen und Magerrasen und auch ein Lebensraum für Hirschkäfer, konnten gesichert werden. Für all diese Lebensräume lässt die Naturlandstiftung Pflegepläne erstellen, auf deren Grundlage die Pflege von örtlichen Naturschutzgruppen übernommen wird.

Aber dass es überhaupt zur Übergabe der Biotope kommt, ist den organisatorischen Fähigkeiten und dem Verhandlungsgeschick von Herrn Ryba zu verdanken. So muss der Ankauf der Flächen aus Spendengeldern finanziert werden; hier ist Überzeugungsarbeit erforderlich, aber vermitteln und überzeugen – das sind die Kernkompetenzen von Horst Ryba. Vor allem das dauerhafte Heranführen junger Menschen an den Naturschutz ist ihm ein besonderes Anliegen. So wird durch Zusammenarbeit mit Schulen und Schulklassen so manches wertvolle Projekt umgesetzt. Hier ist Praxis das Mittel der Wahl. Wer einmal mit seinen Händen am Bau und an der Gestaltung eines Biotops mitgemacht hat, wird dies nie im Leben vergessen. Die Vermittlung solcher Werte ist Herrn Ryba ein Anliegen. Durch seine unermüdliche Arbeit hat sich Horst Ryba um die Naturschutzarbeit im Lahn-Dill-Kreis verdient gemacht.

Carl-Kellner-Schule, Braunfels (Integrierte Gesamtschule) – 500,00 Euro

Schulen, die Naturschutzprojekte bearbeiten und umsetzen, gibt es durchaus. Meist hängt es hier aber an einzelnen Lehrerinnen und Lehrern, die sich für diese Themen interessieren und engagieren. Mit ihnen stehen und fallen diese Projekte. Nicht so in der Carl-Kellner-Schule in Braunfels. Nicht umsonst wurde sie in den Kreis der Umweltschulen aufgenommen. Ökologie und Umwelt sind hier in ein Gesamtkonzept integriert. Es wurde erkannt, dass sich ökologische Fragen nicht allein naturwissenschaftlich lösen lassen, sondern tief in unserer Gesellschaft verankert sind. Und um den Schülerinnen und Schülern die Zusammenhänge dauerhaft bewusst zu machen, wurden und werden Projekt durchgeführt, die zwar theoretisch vorbereitet, geeignet sind, sichtbaren Erfolg vor Ort zu erzielen. Natürlich geht das nicht „einfach so“. Schulleitung und FachlehrerInnen müssen die Idee mittragen und die Themen engagiert vermitteln. Und dies ist in Braunfels der Fall. So wurde der Schulgarten rekultiviert und u. a. ein Kräutergarten angelegt und es wird Gemüse geerntet. Dort wächst, was man auch essen kann – eine nicht überall verbreitete Erkenntnis. Die Anlage eines Streuobstbestandes führt von der Ökologie über alte Obstsorten zur Kulturgeschichte. Die Bedeutung des Waldes, Gewässerökologie und Klimawandel sind weitere wichtige Themen in der Carl-Kellner-Schule und seit Neuestem wird gemeinsam mit einem Bienenvolk auch Honig produziert. Es wäre zu wünschen, dass sich mehr Schulen in gleicher Weise engagieren. Schulleitung und Lehrerkollegium haben mit den Schülerinnen und Schülern Hervorragendes geleistet.

Denkmalschutzpreis

Der Denkmalschutzpreis ist mit 5000,00 Euro dotiert. Der Denkmalbeirat übernimmt die Aufgabe der Fachjury. Der Denkmalschutzpreis kann als Einzelpreis oder für bis zu drei denkmalpflegerische Leistungen verliehen werden, die Vorbildcharakter besitzen und über das gebotene Maß hinausgehen. Der Denkmalbeirat hat nachstehende Preisträger benannt:

Geschwister Marilse und Friedhelm Gerecke, Herborn

Wer noch Anfang der 1990er Jahre einen Blick auf die Villa in der heutigen Nassaustraße geworfen hätte, wäre verdutzt gewesen über den vernachlässigten Zustand des Anwesens. Immerhin handelt es sich um das Wohnhaus des Architekten und königlichen Baurates Ludwig Hofmann. Seine Bauten gehören zu den bedeutendsten Beiträgen Hessens zur Architektur des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

Hofmanns Werke waren geprägt durch die gelungene Vereinigung von Stilelementen des Historismus und des Heimatstils mit den gerade aufkommenden Elementen des Jugendstils. An seinem Wohnhaus in Herborn kommt dies in besonderer Weise zur Geltung. Gothisierende Fenstererker, Gartenlauben mit Anklängen an die Darmstädter Sezession, das für den Heimatstil typische Fachwerk und ein Türmchen mit Zeltdach – Hofmann verstand es die verschiedenen Stilepochen harmonisch in Einklang zu bringen.

Den Urenkeln des Erbauers Marilse und Friedhelm Gerecke gelang es nach jahrelangen zähen Bemühungen, das heruntergekommene Anwesen zu übernehmen. Mitte der 1990er Jahre begannen die ersten Sanierungsarbeiten, die sich letztlich über 20 Jahre hinzogen. Nach und nach wurden Einfriedungsmauer, Wohnbereiche und Remise fachgerecht wieder hergestellt. Erst im 4. Bauabschnitt 2013 bis 2014 konnte die aufwendige und teure Außensanierung umgesetzt werden. Da die Geschwister Gerecke besonderen Wert auf originale Wiederherstellung der Gesamtanlage legten, wurden zum Teil sehr teure Bauelemente verwendet. Allein die farbig glasierten Ziegel der Dacheindeckung haben einen Materialwert von 37.000,00 Euro. Die Leistung der Geschwister Marilse und Friedhelm Gerecke ist umso höher einzuschätzen, als die gesamte Sanierung trotz der Zuschüsse großen finanziellen Aufwand erforderte. Die Arbeiten wurden nahezu ausschließlich von heimischen Handwerksbetrieben umgesetzt. Der Denkmallandschaft des Lahn-Dill-Kreises haben die Geschwister Gerecke ein wertvolles Element hinzugefügt.

Quelle: Lahn-Dill-Kreis / Servicedienst Kommunikation

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