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Marburg-Biedenkopf: Arbeitskreis wandelt auf den Spuren der Posträuber

Pressemeldung vom 16. Juni 2011, 11:47 Uhr

Am Originalschauplatz in der Subach bei Mornshausen tauchen Historiker in die
Geschichte eines Verbrechens ein, das vor 189 Jahren begangen wurde

Marburg-Biedenkopf – Auf den Spuren der Posträuber, die im Mai 1822 in der
„Subach“, unweit des des heutigen Gladenbacher Stadtteils Mornshausen, einen
Geld- und Posttransport überfielen, sind jetzt Mitglieder des vom Landkreis
betreuten Arbeitskreises Lokalgeschichtsforschung gewandelt. Unter der
Führung von Manfred Burk, einem ausgewiesenen Kenner dieses
lokalgeschichtlichen Ereignisses, wanderte die Gruppe von Mornshausen auf der
Postraubroute hin zu dem Ort, an dem vor 189 Jahren neun Banditen aus Kombach
in einem steilen Hohlweg das „Geldkärrnchen“ überfielen, Kutscher und
Wachsoldat fesselten und das Geld raubten. Die Beute: 10.662 Brabanter Thaler
in Gold – heute annähernd ein Millionenbetrag.

Durch eine kleine Schauspieleinlage, in der Armin Platt von einer heimischen
Schauspielgruppe und Dr. Markus Morr, Presse- und Kulturreferent des
Landkreises Marburg-Biedenkopf, in die Rolle zweier Diebe schlüpften, wurde
das Geschehen aus dem Mai 1822 am Originalschauplatz lebendig.

Manfred Burk, der sich intensiv mit der Geschichte des Postraubes in der
Subach auseinandergesetzt und dabei viele Details und
Hintergrundinformationen recherchiert hat, konnte den Teilnehmern der
Exkursion interessante Einblicke in das Geschehen geben. Seinem Engagement
ist es zu verdanken, dass der Hessische Rundfunk das Thema aufgriff: 1971
wurde der Stoff von Volker Schlöndorff unter dem Titel „Der plötzliche
Reichtum der armen Leute von Kombach“ preisgekrönt verfilmt. Burk übernahm
während der Dreharbeiten die Rolle eines Komparsen und konnte den
Filmemachern dabei wertvolle Tipps und Hinweise zu den historischen Wurzeln
dieser Geschichte geben.

Sehr engagiert berichtete Manfred Burk den Mitgliedern des Arbeitskreises wie
der Überfall von statten ging und wie sich die Diebe in ihrem plötzlichen
Reichtum verhielten – und selbst verrieten: Sieben der neun Diebe wurde der
Reichtum zum Verhängnis: Sie verrieten sich durch überschwänglichen
Lebenswandel. Nach intensiven Ermittlungen des „Criminalrichters Danz“ wurde
sie nach und nach dingfest gemacht und wanderten zunächst ins Gefängnis nach
Gießen, wo ihnen der Prozess gemacht wurde. Zwei von ihnen begingen
Selbstmord, fünf andere wurden 1825 auf dem Gießener Marktplatz hingerichtet
– „durch das Schwert vom Leben zum Tode gebracht“. Zwei der Räuber
verschwanden – einer nach Amerika, der andere, so die Überlieferung,
vermutlich nach Südafrika.

Die Mitglieder des Arbeitskreises lauschten gespannt den Ausführungen von
Manfred Burk, der das Geschehen so lebendig schilderte, als sei er selbst
dabei gewesen. „Hier wird Lokalgeschichte begreifbar und erlebbar“, so die
Meinung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, als sie sich bei einer Rast mit
einem „Posträuberbrot“ einer heimischen Bäckerei stärkten.

Quelle: Landkreis Marburg-Biedenkopf / Presse- und Kulturarbeit

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