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Marburg-Biedenkopf: Eltern nehmen die verbindlichen Früherkennungsuntersuchungen für ihre Kinder im Landkreis Marburg-Biedenkopf wahr

Pressemeldung vom 23. September 2011, 08:33 Uhr

Falsche Zahl an Meldungen erhöht den Aufwand für den Landkreis

Marburg-Biedenkopf – Im Rahmen des Kinderschutzes wird die Kreisverwaltung
vom Hessischen Kindervorsorgezentrum in Frankfurt schriftlich informiert,
wenn Eltern Früherkennungsuntersuchungen für ihre Kinder vermeintlich nicht
wahrgenommen haben. Die Verbindlichkeit für diese Untersuchungen geht auf das
Hessische Kindergesundheitsschutzgesetz zurück, das 2008 in Kraft trat.

Die Zahl der Meldungen, die aus Frankfurt beim Fachbereich Familie, Jugend
und Soziales des Landkreises ankommen, ist steigend. Im ersten Halbjahr 2011
waren es bereits 205 Meldungen (im gesamten Jahr 2010 waren es 331), womit
auf den ersten Blick die Vermutung entsteht, dass es sich um eine höhere
Anzahl säumiger Eltern handelt. Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) des
Landkreises Marburg-Biedenkopf muss in jedem Einzelfall mit den Eltern in
Kontakt treten, um sich von der „gedeihlichen Entwicklung der Kinder“ zu
überzeugen.

Von den 205 Meldungen lag die Zuständigkeit nach erfolgter Prüfung beim
Landkreis in nur 188 Fällen, da zwischenzeitlich zum Beispiel ein
Wohnortwechsel erfolgt war. Das verblüffende Ergebnis ist dann jedoch, dass
von diesen 188 Fällen bereits in 108 Fällen die Vorsorgeuntersuchung
durchgeführt wurde und es trotzdem zu Meldungen kam.

„Dies ist für uns besonders ärgerlich, da diese Eltern sich völlig korrekt
verhalten haben“, sagte der zuständigen Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten
McGovern in der Kreisverwaltung. Es sei bereits seit Inkrafttreten des
Gesetzes zu beobachten, dass in knapp 60 Prozent dieser gemeldeten Fälle die
Vorsorgeuntersuchungen bereits wahrgenommen wurden, ergänzte der zuständige
Fachbereichsleiter Uwe Pöppler. Es wird vermutet, dass es bei dem
Datenabgleich Probleme gibt und in Einzelfällen möglicherweise auch Meldungen
nicht an das Kindervorsorgezentrum abgegeben wurden. Genaue Erkenntnisse
liegen dem Landkreis aber nicht vor. Im Nachgang kommen dann Mitteilungen
seitens des Kindervorsorgezentrums, dass die Untersuchungen doch erledigt
seien. Diese gehen jedoch zum großen Teil erst nach Wochen ein, wenn das
Verfahren im ASD bereits abgeschlossen wurde.

In lediglich 80 Fällen wurden die Vorsorgeuntersuchungen noch nicht
durchgeführt und hier in der Regel die Untersuchungen U 7a bis U 9, die die
älteren Kinder betreffen. Hier wird an die Eltern appelliert, diese für die
Kinder wichtigen Untersuchungen wahrzunehmen, so Dr. McGovern.

In keinem einzigen Fall wurde eine Gefährdung des Kindeswohls festgestellt.
„Wir haben ansonsten viele Meldungen im Kinderschutz und müssen auch Kinder
schützen, aber eine Kindeswohlgefährdung ist durch dieses Prüfungsverfahren
bisher nicht aufgedeckt worden“, erläuterte Dr. McGovern. Von daher sei die
Frage aufzuwerfen, ob dieses Gesetz in dieser Form sinnvoll sei, da auch das
Nachholen der Vorsorgeuntersuchungen nach einer gewissen Toleranzgrenze nicht
mehr von den Krankenkassen finanziert werde und dies letztendlich auch ein
Problem für die Kinderärzte darstellt“, schloss Dr. McGovern.

Quelle: Landkreis Marburg-Biedenkopf / Presse- und Kulturarbeit

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