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Marburg-Biedenkopf: Exponat des Monats gibt Einblicke in die Nähkunst und in das Frauenleben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Pressemeldung vom 7. Juni 2011, 12:59 Uhr

Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf zeigt eine Sammelmappe mit Näh- und
Stickmusterproben

Marburg-Biedenkopf – Das Exponat des Monats Juni 2011 im Hinterlandmuseum
Schloss Biedenkopf ist eine mit einer Kordel verschließbare hellbläuliche
Sammelmappe, die im Inneren Proben von Näh- und Stickarbeiten enthält. In der
Mappe befinden sich achtzehn farblich entsprechende Kartonagen mit
aufgeklebten Stoffstücken, die verschiedene Näh- und Stickmusterproben
zeigen. Auch Beispiele unterschiedlich geflochtener Schnüre enthält die
Mappe.

Auf dem Einband der Mappe weist der handschriftlich geschriebene Ausdruck
„Teilarbeiten“ auf die gesammelten Werke hin. Als ehemalige Besitzerin der
Mappe wird „E. Homrighausen“ genannt. Elli Homrighausen, so der vollständige
Name, wurde 1927 in Wallau an der Lahn geboren und besuchte in den Jahren
1943/44 die städtische Haushaltungs- und Gewerbeschule für Mädchen in Marburg
an der Lahn. Sie starb im Alter von nur 17 Jahren im Oktober 1944 an den
Folgen eines Bombenangriffes auf Wallau.

Die in der Mappe enthaltenen Nähproben wurden im Rahmen der Schulausbildung
angefertigt. Handschriftlich wurde zu jedem Stück jeweils mit Tinte der Name
verwendeten Näh- oder Sticktechnik verzeichnet.

Die gesammelten Arbeiten sind eine Dokumentation erlernter Arbeitstechniken
und dienten eventuell als „Nachschlagewerk“ für Näh- und Stickarbeiten im
Leben der Schülerinnen. Am Ende der Ausbildung sollten die Schülerinnen in
der Lage sein, Ausbesserungsarbeiten mit nahezu unsichtbar eingesetzten
Stoffflicken anzufertigen. Zum Lehrprogramm der Mädchenschule gehörte auch
das Erlernen verschiedener Möglichkeiten, Wäsche zu stopfen und Besätze für
Kleidungsschlitze anzufertigen. Die Arbeitsmappe enthält ferner Stoffstücke
mit Schnittkantenbefestigungen, Eckbildungen und Verbindungen von glatten und
krausen Stoffen. Daneben wurden verschiedene Flechttechniken zur Herstellung
von Schnüren dokumentiert. Außerdem enthält die Mappe Stickproben mit
verschiedenen Zierstichen und Hohlsäumen.

Das Abschlusszeugnis von Elli Homrighausen der Marburger Haushaltungs- und
Gewerbeschule dokumentiert unter anderem Unterricht in „Handarbeit“,
„Fachkunde für Näharbeit“, „Maschinennähen“ und „Ausbessern“. Außerdem
erhielt sie eine Ausbildung in verschiedenen Pflegebereichen und sämtlichen
Bereichen der Haushaltsführung. Der Besuch dieser und vergleichbarer Schulen
diente in erster Linie nicht der Vorbereitung auf den Beruf einer
Hauswirtschafterin. Vielmehr sollte das erlernte Wissen bei der Gründung
eines eigenen Hausstandes angewendet werden.

Elli Homrighausen war die Großcousine von Heinrich Strohmann, dem Ehemann von
Monika Strohmann aus Biedenkopf. Monika Strohmann stiftete bereits einige
Gegenstände aus dem Besitz des Vaters von Elli Homrighausen, Friedrich
Homrighausen, an das Museum. Die Stiftung der Mappe mit Näh- und
Stickmusterproben und einiger persönlicher Dokumente erweitert die
Museumssammlung von Gegenständen aus dem Frauenleben in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts.

Quelle: Landkreis Marburg-Biedenkopf

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