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Marburg-Biedenkopf: Exponate des Monats im Hinterlandmuseum – Zeichenstudien und Bauzeichnungen eines Schülers der Gewerbeschule Holzhausen

Pressemeldung vom 5. Oktober 2012, 10:16 Uhr

Bleistift- und Tuschezeichnungen sind rund 100 Jahre alt

Marburg-Biedenkopf – Bei den kürzlich an das Hinterlandmuseum gestifteten
Exponaten des Monats handelt es sich um Zeichenstudien und Bauzeichnungen des
Schülers Robert Schneider aus Holzhausen am Hünstein, die er bei seinem
Besuch der dortigen Gewerbeschule von 1907 bis 1912 als Zwölf- bis
Sechzehnjähriger anfertigte. Die mit Namen, Alter und Beruf des Schülers
versehenen Zeichnungen liefern sowohl Informationen über den angestrebten
Maurerberuf als auch die Unterrichtsanforderungen der Holzhäuser
Gewerbeschule.

Alle Pläne wurden auf einem Zeichenkarton angefertigt, der eine etwas dickere
Papierstärke aufweist. Der Zeichenkarton weist ein freies Feld mir einem
Vordruck für Namens-, Alters-, und Berufseintragungen auf, auch der Schulname
„Gewerbe=schule Holzhausen“ ist vorgedruckt.

Bei den Zeichnungen, die Schneider im Alter von zwölf und dreizehn Jahren
fertigte, handelt es sich um einfache perspektivische Studien von
Alltagsgegenständen (Stiftekasten, Blätter eines Baumes, Buch) sowie um die
Darstellung geometrischer Figuren und ihrer perspektivisch richtigen
Darstellung nach einer Drehung im Raum. Die Zeichnungen wurden sowohl mit
Bleistift als auch mit schwarzer und roter Tusche angefertigt.

Im Alter von vierzehn bis sechzehn Jahren zeichnete Schneider maßstabsgetreue
Gebäudegrund- und aufrisse mit detaillierten Maßangaben. Bemerkenswert ist
ein Entwurf aus dem Jahre 1912: er zeigt ein Wohnhaus aus Fachwerk mit einer
Ansicht, zwei Schnitten und drei Grundrissen.

Das anlässlich der 750-Jahrfeier erschienene Dorfbuch über Holzhausen am
Hünstein berichtet nur an zwei Stellen explizit von der Einrichtung einer
Gewerbeschule. Über viele Jahre bestand der Unterricht in Holzhausen im
Wesentlichen aus einfachen Schreib- und Rechenarbeiten. Nicht ausgebildete
Lehrkräfte unterrichteten die Schüler in einem von der Gemeinde durch
Mietzins unterhaltenen Raum im Privathaus der Lehrer. Die Besoldung bestand
aus einem geringen finanziellen Entgelt und Naturalien. Neben ihrem
Lehrauftrag arbeiteten die Lehrer daher oftmals zugleich als Kirchendiener,
Glöckner oder als Landwirte.

Erst im Jahre 1837 kam mit Schulvikar Klein der erste seminaristisch
ausgebildete Lehrer nach Holzhausen. Ein Lehrer, teilweise über 160 zu
unterrichtende Schüler, zu kleine Schulräume und eine eher dürftige
Lehrerbesoldung sorgten dafür, dass zwischen 1837 und 1887 neun Lehrer
jeweils nur für kurze Zeit in Holzhausen arbeiteten. Die Einweihung eines
Schulgebäudes für drei Klassen, zwei Klassenräumen und zwei Lehrerwohnungen
am 30. November 1893 war eine längst fällige Maßnahme für das
Unterrichtswesen in Holzhausen.

Lehrer Ferdinand Haas lobte in der Schulchronik aus dem Jahre 1902 den
Gesinnungswandel bezüglich besserer Unterrichtsverhältnisse: „Auch die
Einrichtung einer Gewerbeschule dürfte zeigen, dass das Interesse der
hiesigen Bevölkerung für die Schulfragen bedeutend reger geworden ist.“ Vor
Beginn des ersten Weltkrieges mietete die Gemeinde wieder einen Privatraum an
und ergänzend zum Unterricht im Schulgebäude fand ein vierklassiger
Unterricht mit drei Lehrern statt. Am 15. September 1914 konnte ein neues
Schulgebäude bezogen werden.

Während die wechselvolle Geschichte der Holzhäuser Schule über die
Entwicklung einer Grund- und Hauptschule zu einer Grundschule bis in die
heutige Zeit andauert, wurde die Gewerbeschule aus finanziellen Gründen
bereits am 1. November 1931 geschlossen.

Das Hinterlandmuseum ist täglich außer montags von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr
geöffnet.

Quelle: Landkreis Marburg-Biedenkopf

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