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Marburg-Biedenkopf: Zwischenbilanz zum Modellprojekt „NULL bis SECHS“

Pressemeldung vom 17. Juni 2011, 08:40 Uhr

Erste Erfahrungen mit dem Angebot der Präventiven Beratung für Eltern und
Kindertagesstätten im Landkreis Marburg-Biedenkopf sind positiv

Marburg-Biedenkopf – Im Rahmen des Konzepts „Frühe Förderung für Kinder –
Integration und Prävention verbinden“ geht der Landkreis Marburg-Biedenkopf
mit dem Projekt „NULL bis SECHS“ seit gut zwei Jahren einen neuen Weg. „Mit
diesem Projekt sollen die Startchancen aller Kinder verbessert und diese
möglichst frühzeitig und gut gefördert werden“, erläuterte der Erste
Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern. Nun liegt ein erster Zwischenbericht
zu dem Projekt vor, der eine positive Entwicklung bescheinigt.

„NULL bis SECHS“ wurde zum Kindergartenjahr 2009/2010 in Trägerschaft des
Kinderzentrum Weißer Stein Marburg-Wehrda e. V. eingerichtet. In Dautphetal
und Gladenbach gab es bereits vorher ein Pilotprojekt. Kernstück des zunächst
auf drei Jahre angelegten Projekts ist die gezielte Beratung und
Unterstützung aller Eltern mit Kindern zwischen 0 und 6 Jahren sowie der
pädagogischen Fachkräfte in den Kindertagesstätten. Auch Tagesmütter und
-väter können das neue, kostenfreie Angebot nutzen.

Mit den Grundpfeilern des Projekts – Vorbeugung, Früherkennung und das
Einleiten einer frühen Förderung – sollen Entwicklungsverzögerungen und
Verhaltensauffälligkeiten von Kindern rechtzeitig erkannt und vermindert
werden.

Insgesamt sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bauen landkreisweit dieses
Unterstützungsangebot auf. Für Zuwandererfamilien steht ein Mitarbeiter mit
türkischen Wurzeln zur Verfügung. „NULL bis SECHS“ ist wohnortnah und ohne
lange Wartezeiten in den fünf Anlaufstellen erreichbar. Zudem werden in
vielen Kindertagesstätten im gesamten Landkreis offene Sprechstunden
angeboten. Hier können die Mitarbeiterinnen regelmäßig zu den Bring- und
Abholzeiten der Kinder angesprochen werden. In der Regel stehen den
Ratsuchenden bis zu fünf persönliche und telefonische Beratungskontakte zur
Verfügung. Auch anonyme Beratungen sind möglich.

Regionale Gruppenangebote für Eltern mit Kleinkindern, die noch keine
Kindertagessstätte besuchen, sowie Informationsveranstaltungen mit Inhalten,
die bei Baby-, Klein- und Kindergartenkind-Eltern Thema sind (zum Beispiel
„Konsequent erziehen: Wie setze ich Grenzen?“ „Schlafprobleme im
Kindesalter“, „Förderung der kindlichen Sprachentwicklung“) erweitern das
Angebot von „NULL bis SECHS“.

Ein erster Zwischenbericht liegt nun vor, das Angebot wird gut angenommen –
regional etwas unterschiedlich, auch abhängig von der jeweiligen
sozialräumlichen Struktur. Insgesamt wurden bis Ende 2010 mehr als 600
Anfragen aller Zielgruppen an „NULL bis SECHS“ gerichtet, die meisten von
ratsuchenden Eltern. Mit der Inanspruchnahme ist Uwe Pöppler, Leiter des
Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales sehr zufrieden.

Die Anfragegründe waren demnach sehr vielfältig und betrafen nahezu sämtliche
Entwicklungsbereiche vom Baby- bis ins Vorschulalter. Die Früherkennung von
Auffälligkeiten, Verzögerungen oder drohenden Behinderungen der kindlichen
Entwicklung, vor allem im sprachlichen, sozialen und sensorischen Bereich war
dabei ein wesentlicher Schwerpunkt. Eltern suchten aber auch Hilfe zur
Stärkung ihrer Erziehungskompetenz, etwa im Umgang mit kindlichen Wutanfällen
oder schwierigem Essverhalten. Sie erhielten Informationen über
altersentsprechende Entwicklungsverläufe und Empfehlungen für
entwicklungsfördernde Angebote, die auch zuhause umsetzbar sind.

„Viele der Anliegen konnten sofort, spätestens aber im Verlauf der gleichen
Woche besprochen werden. Über den muttersprachlichen Mitarbeiter sowie das
Kooperationsprojekt VIP – Verbund Integration und Prävention für
Zuwandererfamilien mit Vorschulkindern – eröffnete sich auch ein guter Zugang
für Familien mit Migrationshintergrund. Enge Kontakte bestehen unter anderem
auch zur Familienschule Adebar in Stadtallendorf“, sagte Dr. McGovern.

Eine Weitervermittlung in Diagnostik, Therapie oder psychosoziale Begleitung
für das Kind oder seine Eltern erfolgte in der Hälfte der Fälle. Der Großteil
der Anfragen bezog sich auf die Altersgruppe der 2- bis 4jährigen. Mehr als
200 Mal wurden Eltern auch zuhause aufgesucht. Ebenso viele
Verhaltensbeobachtungen fanden in Kindertagesstätten statt, um weitere
Empfehlungen für die Förderung der Kinder geben zu können.

„Die Zugangswege zu ,NULL bis SECHS‘ sind vielfältig. Ein häufiger Zugang ist
der über die betreuende Kindertagesstätte oder den behandelnden Kinderarzt.
Von großer Bedeutung ist auch die Empfehlung anderer Eltern, die das Angebot
bereits in Anspruch genommen haben“, erläuterte Uwe Pöppler.

„Das Projekt ist um eine enge Vernetzung des Beratungsangebots mit den
regionalen und überregionalen sozialen Einrichtungen und Diensten bemüht.
Ziel ist es, das präventive Beratungsangebot im gesamten Landkreis so zu
etablieren, dass die Kinder und ihre Familien bei einer frühzeitigen
Kontaktaufnahme, möglichst noch vor Aufnahme in den Kindergarten, eine
entsprechende Unterstützung erhalten, die rechtzeitig greift“, so Dr.
McGovern.

Quelle: Landkreis Marburg-Biedenkopf

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