Energiewechsel

Marburg: KreisJobCenter Marburg-Biedenkopf nimmt bei Förderung im Landesvergleich eine Spitzenposition ein

Pressemeldung vom 5. August 2009, 16:43 Uhr

Frühzeitige Ausweitung der Angebote zahlt sich jetzt in wirtschaftlich rauer See aus

Marburg. Seit dem Herbst 2008 ist die Zahlen der Arbeitslosen als Folge der Finanzkrise bundesweit stark angewachsen. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf hat sich die Arbeitslosenquote im Juli 2009 auf 6,3 Prozent erhöht – im Juli 2008 waren es noch 5,8 Prozent. Damit waren im Juli 2009 insgesamt 663 Menschen im Landkreis mehr arbeitslos als im Jahr zuvor. Bei den Arbeitslosengeld-I-Empfängern der Agenturen für Arbeit ist dieser Anstieg besonders deutlich: Insgesamt gibt es hier 588 arbeitslose Menschen mehr. In der Betreuung des KreisJobCenters gab es dagegen nur 75 Arbeitslose mehr als im Vorjahr. „Wir rechnen erst im Herbst mit einer steigenden Anzahl arbeitsloser Menschen, die nach Auslaufen ihres Anspruchs auf Arbeitslosengeld I dann die Leistungen des Arbeitslosengeldes II in Anspruch nehmen müssen“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern.

Trotz des zunächst nur moderaten Anstiegs der Arbeitslosenzahl im KreisJobCenter war die Krise doch auch dort schnell spürbar. Die Arbeitgeber verhielten sich bei der Einstellung neuer Arbeitskräfte schon seit Oktober spürbar zurückhaltender. Seitdem lag die Zahl der Integrationen in den ersten Arbeitsmarkt in den einzelnen Monaten jeweils unter dem Vorjahresniveau. Dieser Trend konnte erstmals im Juli gestoppt werden. Mit 486 Integrationen lag das KreisJobCenter erstmals wieder deutlich über dem Vorjahreswert.

„Dass der Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Bereich des KreisJobCenters bislang relativ gering ausgefallen ist, ist auch darauf zurückzuführen, dass wir seit dem Herbst des vergangenen Jahres unsere Qualifizierungsangebote und Vermittlungshilfen systematisch ausgeweitet haben“, so Dr. McGovern. Im September 2008 habe die Anzahl der Menschen in aktivierenden und qualifizierenden Maßnahmen noch 1.712 betragen. „Im Juli 2009 haben wir 2.221 Menschen gezählt, die sich in qualifizierender und tagesstrukturierender Beschäftigung befinden oder sonstige Vermittlungshilfen erhalten“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete.

Das KreisJobCenter Marburg-Biedenkopf erreicht so eine Aktivierungsquote, die im Vergleich der JobCenter mit 13,7 Prozent bezogen auf die Anzahl der erwerbsfähigen Hilfeberechtigten die zweithöchste unter den sechsundzwanzig Argen und Optionskommunen in Hessen ist. Argen sind Arbeitsgemeinschaften zwischen Arbeitsagenturen und kommunalen Trägern zur Verwaltung von Leistungen nach Sozialgesetzbuch (SGB) II.

Auch bei den unter 25-jährigen erwerbsfähigen Hilfeberechtigten fördert das KreisJobCenter mit 14,5 Prozent weit über dem Hessenschnitt, der bei 9,1 Prozent liegt. Diese Zahlen sind der jüngst veröffentlichten Statistik der Bundesagentur für Arbeit zu entnehmen. Dabei werden kurzzeitige Vermittlungshilfen und Förderungen des Projektes „comeback@50“ nicht berücksichtigt.

„Es ist wichtig, den arbeitslosen Menschen in dieser kritischen Phase etwas anbieten zu können, das ihnen hilft, ihre Qualifikationen zu verbessern oder zumindest zu erhalten. Wenn sich die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt wieder erhöht, sollen unsere Kunden gut vorbereitet sein. Daher ist es gerade jetzt so wichtig, offensiv mit Fortbildung und Qualifizierung umzugehen“, erläuterte die Leiterin des KreisJobCenters, Andrea Martin.

Allein im Bereich der beruflichen Förderung über Bildungsgutscheine sei im ersten Halbjahr 2009 die vierfache Anzahl Gutscheine im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ausgegeben worden, so Andrea Martin. Mit Bildungsgutscheinen können die Kunden berufliche Anpassungsqualifizierungen oder Umschulungen absolvieren.

Aber auch im Bereich der Vermittlungshilfen hat das KreisJobCenter die vergangenen Wochen intensiv genutzt, um das ohnehin schon hohe Niveau noch weiter auszubauen. Vor dem Hintergrund der sehr guten Erfahrungen mit der Marburger „Jobakademie“, in der die Kunden eigenverantwortlich und professionell begleitet nach Stellen suchen, startete am 6. Juli die „JobOffensive“ in Biedenkopf in Kooperation mit dem Träger „Sprache und Bildung“ mit einem ähnlichen Konzept. „Das Besondere hierbei ist die sehr enge Zusammenarbeit mit dem Träger. Ein Fallmanager des KreisJobCenters verstärkt das Trägerteam vor Ort und bringt die Erfahrungen des Fallmanagements direkt ein. Auch in Stadtallendorf wird in Kürze ein solches Projekt starten“, erläutert Andrea Martin. In Biedenkopf sind die Ergebnisse bereits ermutigend: Schon drei Wochen nach dem Start fanden sechs von 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt.

„Die zuletzt wieder sehr guten Integrationsergebnisse zeigen, dass unsere Aktivierungsstrategie Erfolge zeigt. Auch die im Frühjahr zusätzlich zur Verfügung gestellten Mittel des Konjunkturpaketes II haben es uns ermöglicht, mit rund 600.000 Euro erprobte Konzepte weiter auszubauen und Neues zu versuchen. Um die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen sicherzustellen, wurden zu unseren Ideen Angebote der Träger eingeholt, die nach Qualität und Preis bewertet wurden“, so Dr. McGovern.

Insgesamt wird das KreisJobCenter in der zweiten Jahreshälfte seinen Kunden über das bestehende Angebot hinausgehende Unterstützungsmöglichkeiten mit rund 400 Plätzen anbieten können. Neu sind darunter berufspraktische Weiterbildungen für Jugendliche mit Migrationshintergrund und für Frauen in Teilzeit mit begleitender Kinderbetreuung. Im Verkaufs- und Dienstleistungsbereich werden insbesondere Frauen angesprochen, die ihre Fachkenntnisse auffrischen und vertiefen wollen. Auch neu ist ein ausgefeiltes Testverfahren zur Erfassung und Förderung beruflicher Kompetenzen bereits ein Jahr vor Schulabschluss für Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen.

Quelle: Stadt Marburg – Pressestelle

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