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Odenwaldkreis: Autorin überreicht Schule ihr Buch „Das kurze Leben der Doris Katz“

Pressemeldung vom 28. Juni 2011, 11:05 Uhr

Schülerinnen und Schüler auf Spuren der Geschichte – Projekttage im Gymnasium Michelstadt der Erinnerung an jüdisches Kind gewidmet
Von Manfred G i e b e n h a i n

Doris Katz war ein in Erbach geborenes Mädchen, das am 5. März 1943 im Alter von 18 Jahren im nationalsozialistischen Vernichtungslager Sobibór ermordet wurde. 67 Jahre später hat die Erbacher Heimatforscherin Brigitte Diersch das Schicksal und den Leidensweg des in Michelstadt aufgewachsenen jüdischen Kindes nachgezeichnet. Aus dem umfangreichen Material entstand im November 2010 das auf 70 Seiten reichlich bebilderte Buch über „Das kurze Leben der Doris Katz“ – herausgegeben vom Kreisarchiv des Odenwaldkreises.
Weitere sieben Monate später stehen rund 35 Schülerinnen und Schüler auf dem Pausenhof der Stadtschule von Michelstadt. „Doris Katz war ein Mädchen in eurem Alter“, stellt Franz Bürkle den Anlass vor, weshalb die Gruppe sich am letzten Tag der Projektwoche schon am frühen Morgen hier versammelt hat. Es sind Schülerinnen und Schüler der fünften und siebten Klasse des Gymnasiums, die von ihren Lehrerinnen und Lehrern Martina Blank, Franz Bürkle und Christel Geißler begleitet werden. An diesem Ort war das jüdische Mädchen zur Schule gegangen. Wenige Meter entfernt steht das Haus, vor dem sieben so genannte Stolpersteine an die Verschleppung und Ermordung der Familie Katz erinnern. Denn nichts in der Schulstraße 7 deutet mehr auf das damalige Lebensmittelgeschäft der Eltern hin, die im März 1942 verschleppt und später ermordet wurden. Die Stolpersteine sowie das Schicksal von Doris Katz zählen neben der Synagoge und dem jüdischen Friedhof zu den eindrucksvollsten Momenten beim Rundgang an diesem Vormittag.
Ruth Steiger, Leiterin der Stadtschule, misst „dem Besuch die Bedeutung bei, ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen“. Brigitte Diersch hat Fotos aus der Schulzeit von Doris Katz mitgebracht und belegt anhand einer Statistik vom November 1931, dass das ermordete Mädchen eines von zehn Kindern jüdischen Glaubens an der Schule war, die seinerzeit 544 Schüler zählte. Sie sei „oft alleine am Rand des Mädchenpausenhofs gestanden“, ergaben die Nachforschungen. Ihr Leidensweg führte über die Flucht nach Holland zur Deportation nach Südostpolen, wo Doris Katz drei Tage später ermordet wurde.
Brigitte Diersch hat viele Archive im In- und Ausland besucht, fand Zeitzeugen, die sich noch an Doris Katz erinnerten und konnte so Puzzlestein für Puzzlestein zusammensetzen und den kurzen Lebensweg des Mädchens nachzeichnen. Die ersten Klassensätze des Buches überreichen die Autorin und Anja Hering vom Kreisarchiv noch am selben Tag an den Schulleiter des Gymnasiums, Johann Aderhold. „Auch die anderen weiterführenden Schulen im Odenwaldkreis können ihre Schulbüchereien unentgeltlich mit dem zeitgeschichtlichen Dokument ergänzen“, sagte Anja Hering. Sie verbindet damit die Hoffnung, dass sich Schulen verstärkt mit der Geschichte vor Ort beschäftigen. „Vielleicht wirkt dies ja motivierend und es ist möglich, im Kreisarchiv einige Aspekte der Regionalgeschichte genauer unter die Lupe zu nehmen und einzelne Forschungsergebnisse zu veröffentlichen“, wünscht sich die Kreisarchivarin. Autorin Diersch regte an, dass eine Betrachtung ihrer Arbeit durchaus in verschiedenen Unterrichtsfächern erfolgen kann: Nicht nur in Geschichte, sondern auch in Deutsch, Religion oder auch Kunst.

Quelle: Odenwaldkreis / Pressestelle

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