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Odenwaldkreis: Für den Erhalt der ärztlichen Versorgung in Lützelbach

Pressemeldung vom 13. Februar 2015, 10:24 Uhr

Apotheker Dr. Eichberg startet Aktion und übergibt Landrat Kübler mehr als 500 Unterschriften

An die Kooperationsbereitschaft aller auf medizinischer Seite Beteiligten und das Beibehalten der bisher bereits bestehenden Haltung seitens der politisch Verantwortlichen appelliert Landrat Dietrich Kübler im Hinblick auf den absehbaren Engpass in der ärztlichen Versorgung in der und rund um die Gemeinde Lützelbach. Der dort niedergelassene Hausarzt Dr. Erich Lickroth wollte sich zum Juni dieses Jahres in den Ruhestand verabschieden. Ein Nachfolger für wurde die Praxis bislang nicht gefunden. Jetzt hat der Allgemeinmediziner zwar zugesichert, noch eine Zeitlang weiter zu arbeiten – in der Hoffnung auf eine zeitnahe Lösung. Außer Lickroth gibt es in der Großgemeinde nur noch Dr. Sibylle Fuchs im Ortsteil Seckmauern mit einer Teilzeitpraxis. Praxis

„Wenn der kürzeste Weg zum Arzt ab zehn Kilometer anfängt, wird es insbesondere für ältere Menschen schwierig“, weiß Dr. Detlef Eichberg, an dessen Apotheke mit derzeit 18 Fachkraft-Arbeitsplätzen in Teilzeit eine Schließung der benachbarten Praxis auch nicht spurlos vorüber gehen würde. Der vielfältig in der örtlichen Gemeinschaft aktive Geschäftsmann hat über das kommunale Blatt „Lützelbacher Anzeiger“ spontan eine Aktion gestartet, bei der er Bürgerinnen und Bürger darum bat, sich mit ihrer Unterschrift für den Erhalt der medizinischen Versorgung unmittelbar im Ort einzusetzen. Innerhalb einer Woche kamen mehr als 500 Unterschriften zusammen, die Dr. Eichberg nun bei einem kurzfristig anberaumten Ortstermin in dessen Büro an Landrat Kübler überreichte. Zuversichtlich äußerte der Apotheker, die Zahl der Unterzeichner seines an die Patientinnen und Patienten der Großgemeinde Lützelbach gerichteten Aufrufs werde sich rasch verdoppeln. Beim Landrat fand er Gehör, denn Dietrich Kübler bestätigte ihm, dass der Handlungsbedarf in Lützelbach akut sei.
Der Kreis-Chef verwies darauf, dass schon seit längerem etliche Bemühungen im Gange sind, dem wachsenden Ärztenotstand im ländlichen Raum entgegenzuwirken. Insgesamt fünf so genannte GesundheitsVersorgungsZentren (GVZ) sollen dazu beitragen, das Problem zu lösen. Das erste ist in Beerfelden geplant, weil in der Oberzent aktuell der Handlungsbedarf am größten ist. Angedacht ist, so Kübler, in den Zentren umfassende Angebote vom Hausarzt bis hin zu Fachmedizinern und Apothekern, medizinischen Fachtherapeuten und psychosozialen Diensten anzubieten. Gleichzeitig sollen die GVZ über eine Stelle zur Informations-, Beratungs- und Vermittlungsarbeit (IBV) verfügen. Die GVZ-Planungen sind Ergebnis der intensiven Vorarbeit einer Koordinationsgruppe (GVO ( Gesundheitsversorgung Odenwaldkreis) als Planungsorgan des Kreises unter der Leitung von Amtsarzt Dr. Ulrich Falk, die an Strategie und Konzept für die gesundheitliche Versorgung in der Region arbeitet.
Daran beteiligt sind auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen, die Ärztegenossenschaft (eG), der Geschäftsführer des Gesundheitszentrum Odenwald (GZO), die Sozialplanerin des Kreises, zwei Kreisausschussmitglieder sowie ein Vertreter der Bürgermeister. Das Land Hessen hat für die Jahre 2014 und 2015 je eine Förderung von 75.000 Euro zugesagt.
Die Gesundheitsversorgungszentren ermöglichten zum Beispiel flexiblere Arbeitszeitmodelle, merkte der Landrat im Hinblick auf die Tatsache an, dass derzeit die Zahl junger Ärztinnen zunimmt, die sich ihrem Beruf nicht wie einst der „traditionelle“ Hausarzt nahezu rund um die Uhr verschreiben könnten.
Mit der Lützelbacher Lage habe sich sich die GVO-Koordinationsgruppe noch im Dezember 2014 auseinandergesetzt, erklärte Kübler bei der Unterschriften-Übergabe durch Dr. Eichberg. Neben Dr. Lickroth werden in der Unterzent voraussichtlich zwei weitere Hausärzte in absehbarer Zeit aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Genossenschaft der Odenwälder Ärzte hat von der GVO-Gruppe den Auftrag erhalten, mit allen Hausärzten der Unterzent sowie den Bürgermeistern Gespräche zu führen. Die Ergebnisse sollen am 17. Februar vorgelegt werden.
Lösungsmodelle müssten sensibel und weitblickend gehandelt werden, betonte der Landrat. Sie dürften nicht zu Frustration bei bestehenden Praxen und anderen Gesundheitsversorgern führen. Eine konkrete Lösung für Lützelbach bleibt offen, nach wie erscheint eine private Praxisübernahme als erstrebenswert. Das letzte Wort wird ohnehin die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen sprechen, denn sie ist verantwortlich für das Sicherstellen der ambulanten Versorgung. Apotheker Dr. Eichberg weiß: Fällt die benachbarte Praxis weg, gefährdet dies die Zukunft seines Betriebes und der Arbeitsplatze. Seiner Ansicht nach wäre Lützelbach auch mit einem zentrales GVZ für die Unterzent nicht wirklich geholfen. „Ganz so unattraktiv wie oft dargestellt ist die Niederlassung auf dem Land bestimmt nicht – insbesondere für Ärzte mit Familie“, sagte der Apotheker mit Blick auf eigene Erfahrung: Landschaft und überschaubares Umfeld hätten ihn als Familienvater vor drei Jahrzehnten dazu bewegt, sich hier anzusiedeln.

Quelle: Odenwaldkreis / Pressestelle

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