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Odenwaldkreis: Prävention gegen sexuelle Gewalt: Beratungsstelle hat ihr Angebot erweitert

Pressemeldung vom 8. August 2016, 13:16 Uhr

Odenwaldkreis: Mehr Hilfe bei Verdacht auf Missbrauch – Fachfrauen wollen Kooperation mit Schulen stärken

Die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern des Odenwaldkreises, eine Abteilung des Jugendamtes, hat ihr Angebot in der Präventionsarbeit gegen sexuelle Gewalt erweitern können. Den Ausbau möglich gemacht haben zweckgebunden fließende Mittel, die das Land Hessen seit Ende 2015 zur Verfügung stellt. Darüber berichteten Sandra Veigl, Diplom-Sozialpädagogin und Leiterin der Beratungsstelle, sowie Diplom-Sozialpädagogin Gertrud Hemer-Sieverding in einem Gespräch mit dem Pressedienst des Odenwaldkreises. Die Landesförderung, die der kommunalen Ebene zu mehr Beratungs- und Hilfe-Angeboten auf den Problemfeldern sexuelle Gewalt und sexueller Missbrauch verhelfen soll, geht auf eine Initiative des Unabhängigen Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes-Wilhelm Rörig zurück, der sich dafür eingesetzt hatte. Im Odenwaldkreis wurden damit vorrangig zehn weitere Arbeitsstunden für Gertrud Hemer-Sieverding finanziert, die nun gemeinsam mit Sandra Veigl nach dem ersten halben Jahr ausgebauter Präventionsarbeit Zwischenbilanz zog. „Ich war überrascht, wie sehr dieses Thema auch den Odenwaldkreis betrifft“, stellte Veigl fest – der Beratungsbedarf sei deutlich höher als erwartet. Im Zuge der erweiterten Möglichkeiten wurden an Schulen und Kindergärten Elternabende zum Thema sexueller Missbrauch ausgerichtet. Im nächsten Schuljahr sollen Angebote zu Klassenprojekten hinzukommen, die an die Schulen heran getragen worden sind. Zudem werden aktuell erarbeitete Supervisionen für Pädagogen, aber auch für Vereine geschaffen, in denen Jugendarbeit geleistet wird. Die präventive Arbeit richtet sich zudem an Intensivklassen für Flüchtlinge. „Es ist sehr wichtig, dass Pädagogen rechtzeitig Grenzüberschreitungen wahrnehmen und lernen, pubertäres Annähern von Übergriffen zu unterscheiden“, hebt Hemer-Sieverding hervor. „Missbrauchs- und Vergewaltigungstäter sind meistens bereits im Alter von 14 bis 16 Jahren übergriffig geworden“. Von entscheidender Bedeutung sei es daher, schon früh die Grenzen zu ziehen. „Ob aus den Schulen, Vereinen oder aus privatem Umfeld, jeder kann sich bei Verdachtsmomenten bei uns melden“, betont Veigl. Bei der Beratungsstelle besteht jederzeit die Möglichkeit, auch anonym Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auf rechtlichem Wege könne sie jedoch erst aktiv werden, wenn sich Betroffene selbst äußern. Doch die Beratung des Umfeldes kann unterstützend wirken. Nicht jede geltendem Recht entsprechende Lösung eines Problems sei die im Sinne der Betroffenen beste, das unterstreichen die beide Frauen aufgrund ihrer Erfahrungen – die Priorität aber setze der Schutz vor Missbrauch. Infolge der erweiterten Arbeitszeiten könne heute immerhin schneller auf Bedarf reagiert werden als in der Vergangenheit. So groß auch im Odenwaldkreis der Bedarf an Beratung und Hilfe ist: Die Expertinnen sind sich dessen bewusst, dass sie an ein Tabu-Thema rühren. Die ländliche Region mit ihren engen Verknüpfungen macht es ihnen nicht einfacher. Veigl: „Missbrauch ist ein schwieriges Thema, das sehr viel mit Verschweigen zu tun hat“. Ihre Kollegin ergänzt: „Missbrauch zu benennen und Lösungen zu finden, das hat eine ganz spezielle Dynamik, ist für alle Beteiligten oft schwer auszuhalten und Lösungen sind nicht immer schnell greifbar.“ Die Voraussetzungen, präventiv wie zu akut arbeiten zu können, sind mit dem Ausbau des Beratungs- und Hilfe-Angebots im Bereich der Prävention gegen sexuelle Gewalt deutlich besser geworden. Jetzt hoffen die beiden Fachfrauen auf eine gute Zusammenarbeit mit Schulen und weiteren Institutionen.

Kontakt:
Die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern des Odenwaldkreises an der Relystraße 20 in Michelstadt ist unter der Rufnummer 06061 71792 zu erreichen, Familientherapeutin und Sozialpädagogin Gertrud Hemer-Sieverding per E-Mail unter g.hemer-sieverding@odenwaldkreis.de

Quelle: Pressedienst Odenwaldkreis

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