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Odenwaldkreis: Ruth L. David – Freundschaftlicher Gedankenaustausch

Pressemeldung vom 10. Juni 2015, 15:32 Uhr

Zeugin und Betroffene der Judenverfolgung im Dritten Reich kommt während Deutschland-Besuch auch nach Erbach

Sie werde im Odenwald „immer gut aufgenommen“ werden, das hatte Erster Kreisbeigeordneter Oliver Grobeis im Jahr 2012 der Bundesverdienst-Trägerin Ruth L. David versprochen. Vor kurzem bot sich im Kreisarchiv Odenwaldkreis die Gelegenheit, diese Worte wahr werden zu lassen. Die heute 86 Jahre alte in Fränkisch-Crumbach als Tochter des Zigarrenfabrikanten und Sozialdemokraten Moritz Oppenheimer Geborene weilte für einige Tage im Odenwald, um an der Martin-Luther-Schule in Rimbach (Kreis Bergstraße) an der Einweihungszeremonie für einen „Platz der Achtung“ teilzunehmen. Dabei handelt es sich um das Ergebnis eines von der Künstlerin Eva-Gesine Wegner (Lautertal) initiierten Projektes, dessen Verwirklichung durch die Unterstützung von Ruth David und des Bergsträßer Landrates Matthias Wilkes nach längerer Vorlaufzeit Gestalt annahm.
Seit dem 6. Juni 2015 erinnert der „Platz der Achtung“ als Gedenkstätte an 9.600 jüdische Kinder, die zwischen Dezember 1938 und dem 1. September 1939 der Ächtung, Verfolgung und Ermordung

in Deutschland in „Kindertransporten“ nach England entkommen konnten. Ruth David gehörte zu ihnen, ihre Flucht führte am 6. Juni 1939 von Mannheim über Frankfurt auf die britische Insel, wo sie heute in Leicester lebt. Ihre Erinnerungen hielt sie in dem Buch „Ein Kind unserer Zeit“ fest. Unter dem Titel „…im Dunkel so wenig Licht…“ veröffentlichte sie die Briefe ihrer Eltern Margarete und Moritz Oppenheimer vor deren Deportation nach Auschwitz, wo sie 1942 ermordet wurden. Beide Bücher erschienen im Thrun-Verlag (Wiesbaden). Beide Bücher sind auch auf Englisch erschienen.
Über zwei Jahrzehnte brachte Ruth David deutschen Schülerinnen und Schülern als Zeitzeugin innerhalb eines Unterrichtsprogramms der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte nahe. Auch jetzt stellte sie sich an der Georg-August-Zinn-Schule in Reichelsheim den Fragen einer Klasse.

In London war der Zeugin und persönlich Betroffenen schlimmster Schicksale in der eigenen Familie am 13. September 2012 vom Deutschen Botschafter Georg Boomgarden das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht worden – in Anerkennung für „außergewöhnlichen Einsatz für die Aufarbeitung des Holocaust“ und das stetige überzeugte „Eintreten für ein friedliches Zusammenleben“.

Landrat Dietrich Kübler hatte der Einladung nach London nicht folgen können und deshalb Ruth David wenig später n seinem Amtszimmer empfangen. Er zeigte sich von ihrer Persönlichkeit und ihrer Geschichte tief beeindruckt. Kübler bedauerte, dass er sie diesmal nicht selbst begrüßen konnte, als sie zu einem freundschaftlichen Gedankenaustausch ins Kreisarchiv kam. Mit dessen Leiterin Anja Hering sprach sie über Fragen der Aufarbeitung und Vermittlung der Geschichte des Nationalsozialismus, insbesondere der Judenverfolgung. „Das ist heute ein ganz anderes Deutschland“ – mit diesen Worten dankte Ruth David für die Gastfreundschaft.

Quelle: Odenwaldkreis / Pressestelle

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