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Raunheim: Es ist wichtig, dass alle eine Chance bekommen – Die Stadt Raunheim geht mit ihrem Bildungskonzept neue Wege

Pressemeldung vom 28. August 2009, 12:13 Uhr

Raunheim. Die 15 000-Einwohner-Kommune Raunheim hat nach Angaben des Statistischen Landesamtes mit einem Durchschnittsalter von 38,5 Jahren die jüngste Bevölkerung Hessens. Nach Ansicht von Bürgermeister Thomas Jühe hat Raunheim deshalb „besondere Herausforderungen“ zu meistern. Das Wichtigste für ihn ist, „dass jeder die Chance bekommt, eine berufliche Perspektive zu entwickeln“.
„Bildung ist dabei die wichtigste Ressource, daher investieren wir in die berufliche Qualifizierung, vor allem von jungen Menschen“, erklärt Jühe. Raunheims Stadtverordnete haben vor drei Jahren ein Bildungskonzept verabschiedet und entsprechende Mittel bereitgestellt.
Die Umsetzung des Bildungskonzepts Raunheim erfolgt auf mehreren Ebenen und für unterschiedliche Zielgruppen. Die Stadt kooperiert intensiv mit Institutionen und Bildungsträgern. An der Anne-Frank-Schule werden im Rahmen des Ganztagsschulprogramms in den nachmittäglichen Arbeitsgruppen handwerkliche Fähigkeiten in der Holzwerkstatt, im Metallbereich und Fahrradbau vermittelt. „Uns liegt es am Herzen, dass die Kinder nicht nur am Computer sitzen, sondern auch handwerkliches Geschick entwickeln“, sagt Isack Majura, der als Streetworker das Projekt Fahrradwerkstatt organisiert.
Insgesamt setzen sich die Schülerinnen und Schüler durch die Arbeitsgemeinschaften an den beiden Raunheimer Schulen schon früh mit den Fragen auseinander: „Was kann ich gut, was liegt mir, was macht mir Spaß? Welche Ausbildung möchte ich absolvieren?“ „Wer früh erkennt, was er später machen möchte, kann motivierter und gezielter darauf hinarbeiten, wer erste praktische Erfahrungen vorweisen kann, heimst bei späteren Bewerbungen Pluspunkte ein“, weiß Kerstin Mohr, Leiterin des Fachbereichs Soziales.
Die Stadt organisiert zudem Kampagnen, damit mehr Ausbildungsplätze angeboten werden. Im Herbst möchte sie hierzu den Raunheimer Gewerbeverein als weiteren Kooperationspartner gewinnen. Marion Götz, Fachbereichsleiterin für Zentrale Dienste und Finanzen, hebt hervor, dass die Stadt Raunheim auch selbst ausbildet, zeitweise sogar über den eigenen Bedarf hinaus.
„Auch insoweit nimmt die Stadt ihre gesellschaftspolitische Verantwortung für die Qualifizierung junger Menschen gerade auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sehr ernst“, erklärt Bürgermeister Jühe. Derzeit absolvieren drei junge Menschen eine Ausbildung als Fachangestellte für Bürokommunikation. Darüber hinaus bietet die Stadt Praktikumsplätze an.
Jugendliche, die nach der Schule keine Lehrstelle gefunden haben, erhalten die Möglichkeit, in zehnmonatigen Projekten der Arbeitsagentur (Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen) berufliche Orientierung und Ausbildungsreife zu erlangen. Die Stadt Raunheim stellt dazu Schulungsräume zur Verfügung und unterstützt Projekte, in denen die Teilnehmer handwerkliche Qualifikationen entwickeln. „Junge Menschen haben einen Erlebnispfad, Spielplätze in der Ringstraßensiedlung sowie Sitzbänke für die ganze Stadt gebaut „, berichtet Kerstin Mohr. „Die Vermittlungsquote in eine betriebliche Ausbildung durch den verantwortlichen Bildungsträger „Zentrum für Weiterbildung“ beträgt rund 65 Prozent, das ist eine erfreulich hohe Quote.“
Auch für junge Menschen unter 25 Jahren, die weder Ausbildung noch Arbeit haben und Arbeitslosengeld II beziehen, werden Projekte zur beruflichen Qualifizierung in Kooperation mit der ARGE (Jobcenter Rüsselsheim) organisiert. „Wir setzen die Leute unter anderem beim Renovieren von Kindergärten ein“, erläutert Kerstin Mohr. Isack Majura ist heute noch begeistert, wenn er erzählt, wie er mit jungen Leuten dreißig Umzüge in die neue Seniorenwohnanlage bewältigt hat. „Jung und Alt kamen miteinander ins Gespräch, alle waren zufrieden.“ Gleichzeitig sammelten die jungen Leute erste Erfahrungen für den neuen Ausbildungsberuf „Fachkraft für Umzugsservice“.
Jugendliche, die ohne berufliche Perspektive sind, werden häufiger straffällig als andere. „Wir wollen junge Leute, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, unterstützen, damit sie eine eigenständige berufliche Lebensperspektive entwickeln können“, sagt Isack Majura. Die Stadt arbeitet eng mit der Bewährungs- und der Jugendgerichtshilfe zusammen. Jugendliche können gemeinnützige Arbeitsstunden in Projekten des Raunheimer Stadtteilbüros absolvieren. So wirkten sie bei der Neugestaltung der Schulhöfe der Pestalozzischule mit.
Für erwachsene Erwerbs- und Langzeitarbeitsarbeitslose gibt es Angebote zur beruflichen Wiedereingliederung. In Raunheim sind gegenwärtig 33 Menschen in so genannten Ein-Euro-Jobs beschäftigt, etwa im Stadtarchiv und als Stadtteilhelfer in der Ringstraßensiedlung. Vier Personen absolvieren eine Qualifizierung im Handwerksbereich, drei in den Schulküchen. „Die Begeisterung, eine neue Chance zu bekommen ist groß“, sagt Kerstin Mohr.
Um die Vermittlung von Akademikern in Festanstellung durch praxisnahe Tätigkeiten zu verbessern, wurde über den Förderverein Ringstraßensiedlung gerade eine Stelle für einen Jahrespraktikanten eingerichtet. Zu seinen Aufgaben gehört das Mitwirken am Aufbau eines Qualitätsmanagements in der Bildungsarbeit vor Ort. „Wir sind mit dem Bildungskonzept auf dem richtigen Weg, doch wir wollen auch prüfen, wie erfolgreich unsere Anstrengungen sind“, sagt Bürgermeister Jühe. „Wenn wir zum Beispiel belegen können, dass die Schülerinnen und Schüler der Pestalozzischule durch das Ganztagsangebot selbstständiger und aktiver geworden sind, wird klar, dass die Investition von
300 000 Euro pro Schuljahr sinnvoll ist.“

Quelle: Stadt Raunheim – Pressestelle (Gross-Gerau)

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