Energiewechsel

Rodgau: Rede anlässlich der Verleihung des Kulturförderpreises der Stadt Rodgau 2016

Pressemeldung vom 29. März 2017, 16:23 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Lukas,

gerne habe ich die Aufgabe übernommen, hier und heute, zur Verleihung des Kulturförderpreises 2017 der Stadt Rodgau die Laudatio für den Preisträger Lukas Schrod zu übernehmen. Das ist eine besondere Ehre und ein Zeichen freundschaftlicher Verbundenheit und persönlichen Vertrauens.

Ich will mich deshalb klar bekennen: ich halte Lukas Schrod für einen würdigen Preisträger. Ich bin froh und stolz, als alter Freund der Familie Schrod, die Wahl der Kulturpreisjury untermauern und in möglichst vielen Facetten beleuchten und darstellen zu können. Schließlich ist dieser Kulturförderpreis für einen jungen Menschen eine ganz besondere Auszeichnung.

Dieser Kulturförderpreis bringt zum einen Respekt und Anerkennung für besondere Leistungen des Preisträgers in seiner bisherigen musikalischen Entwicklung und Tätigkeit zum Ausdruck, zum anderen ist er aber auch ein klares Signal an den Preisträger, seine Schaffenskraft nach vorne auszurichten, nicht nachzulassen in seinen Anstrengungen sein musikalisches Handwerk weiter zu perfektionieren. Ein hoher Anspruch für einen jungen Menschen.

Lukas Schrod wird in ziemlich genau 6 Wochen, am 13. Mai, 17 Jahre alt, er ist im Jahr 2000 geboren. In eine Familie hinein, die Musik im wahrsten Sinn des Wortes lebt, für die Musik lebt – und von der Musik lebt. Die Eltern, Anja und Dietmar Schrod, sind beide Dirigenten, beide studierte Musiker. Posaunist der Vater, er trägt den Titel Musikschulleiter (Obertshausen). Klarinettistin die Mutter, sie ist Musikpädagogin.

Mit einem solchen Startvorsprung könnte man eigentlich meinen, davon ausgehen zu können, dass die musikalische Prägung des Kindes, seine Hinwendung zur Musik, selbstverständlich gegeben zu sein hat, ihm wie man so schön sagt, in die Wiege gelegt worden ist. Sanfter Druck und elterliche Prägung eingeschlossen.

Eigentlich aber war das, trotz entsprechender Erwartungen, nicht so. Überliefert ist die, beinahe schon stereotype, Antwort der Mutter, auf die bei Sichtung des Kleinkindes vielfach gestellte Frage „Spielt der Lukas schon ein Instrument?“. Beharrlich antwortete Anja Schrod: “ Nein, er spielt im Sandkasten und mit Lego, wie alle anderen Kinder“.

Und doch ist es, Absicht oder glückliche Fügung, in jedem Fall aber Interesse und Talent, die Lukas Schrod dann doch zur Musik bringen. Auch wenn zwischendurch der Sport, konkret das Tennisspiel, für einige Jahre an der Nummer eins der Hobbys stand. Diese Hinwendung zur Musik lässt sich verorten: die Stadt Rodgau steht hier im Fokus.

Zum einen haben sich, über Vater Dietmar (und Mutter Anna) Freundschaften zu Jungen und Mädchen im und aus dem Umfeld des Musikvereins Weiskirchen entwickelt. Das hat am Ende dazu geführt, dass Lukas Schrod, mit seinen Freunden Marco Podroschko und Ken Kemmerer sich dafür entschieden, ein Musikinstrument zu erlernen. Schlagzeug natürlich, weil man dabei so viel Spaß haben kann. Das muss man nicht kommentieren.

Zum anderen, kommt hier die Freie Musikschule Rodgau ins Spiel. Wenn der Lukas Schlagzeug spielen lernen will, so entschieden die Eltern, kommt als Lehrer nur einer in Frage: Piotr Konczewski, heute der Leiter der Freien Musikschule Rodgau und nicht nur nach der Auffassung von Anja und Dietmar Schrod, der beste Schlagzeuger in der Region.

Beiden Institutionen, dem Musikverein Weiskirchen und der Freien Musikschule ist Lukas Schrod, wie auch seinem Lehrer Piotr Konczewski, bis heute verbunden. Es waren Piotr Konczewski und der Musikverein Weiskirchen, die Lukas Schrod für den Kulturförderpreis 2016 vorgeschlagen haben. Gestatten Sie mir zwei kurze Zitate aus den Vorschlagsschreiben.

Piotr Konczewski schreibt „Lukas Schrod erhält seit 2010 Unterricht an der Freien Musikschule Rodgau … Seine Begabung, großes Interesse und Fleiß am Schlagzeugspiel zeichnen Lukas aus. Besonders erwähnenswert ist die Vielfalt an Schlaginstrumenten mit denen er sich beschäftigt. Er erhält Unterricht am Drumset, Pauken, Marimba-, Vibra- und Xylophon. Ergänzend dazu spielt er Klavier“. Der Musikverein begründete seinen Vorschlag u.a. so. “ …Der 16jährige hat eine Persönlichkeit entwickelt, die sich besonders positiv auf die Jugendarbeit in unserem Verein auswirkt, da Fleiß, Geduld, Durchhaltevermögen, Interesse an den verschiedensten Musikstilen und sein sympathisches Wesen vorbildlich sind“.

Gerade das Zitat des Musikvereins zeigt, dass es über das musikalische hinaus Einschätzungen und Bewertungen gibt, die auch im Zwischenmenschlichen viel Positives sehen. Soziale Kompetenz ist sicher für die Charakterisierung eines Menschen eine wichtige und gute Beschreibung, die Zuversicht vermittelt und steht auch einem Kulturförderpreisträger gut zu Gesicht.

Wenn man mit Menschen spricht – und ich habe das in Vorbereitung auf den heutigen Abend sehr intensiv getan, um mein Bild von Lukas Schrod zu vervollständigen, werden weitere Eigenschaften genannt, Handlungen beschrieben, die schon einen guten Eindruck vermitteln, wie man ihn kennt: „ehrgeizig, zielstrebig, ausdauernd, freundlich, sympathisch, einfühlsam“. An dieser Stelle keine Anmerkungen von mir, kein weiteres Lob. Ich lasse das hier einfach so stehen. Vielleicht nur kurz und knapp der Appell: Lukas bleib so, wenn’s stimmt, ansonsten so werden“.

Eines habe ich eben, bei der kurzen Skizze seines Charakters, bewusst ausgespart. Es fielen auch die Begriffe „nervenstark“ und „Wettbewerbstyp“. Wie das zu verstehen ist wird deutlich, wenn man den musikalischen Werdegang von Lukas Schrod betrachtet. Sozusagen der Grund der heutigen Zusammenkunft. Werfen wir gemeinsam einen Blick auf das bisherige Wirken von Lukas Schrod.

Seit seinem 10. Lebensjahr, seit 2010 erhält er, wie schon gesagt, Schlagzeugunterricht an der Freien Musikschule Rodgau bei Piotr Konczewski. Bereits nach nur einem Jahr Unterricht konnte er im großen Blasorchester des Musikvereins Weiskirchen eingesetzt werden.

Seit August 2015 erhält er zusätzlich Schlagzeugunterricht bei Max Gärtner in Frankfurt. Und seit Beginn des Wintersemesters 2016 erhält er am Pre-College der Hochschule der Künste in Zürich Unterricht bei Martin Grubinger, Prof. Reiner Seegers (Solopauker der Berliner Philharmoniker), Prof. Klaus Schwärzler und Prof. Raphael Christen.

Er hat im Laufe seiner Ausbildung schon beachtliche Erfolge erzielt. In Rodgau hat er in den Jahren 2012, 2014 und 2016 den Begabtenförderpreis der Freien Musikschule erhalten. National war er im Jahre 2015 2. Bundespreisträger bei „Jugend musiziert“ in der Kategorie Percussion Ensemble (Duo); im vergangenen Jahr hat den 1. Preis beim Bundeswettbewerb Hessen „Jugend musiziert“ in der Kategorie Percussion Solo erzielt.

Er spielt natürlich nach wie vor im Musikverein Weiskirchen und nimmt regelmäßig an den Schülerkonzerten der Freien Musikschule Rodgau teil. Daneben engagiert er sich schon länger über Rodgau hinaus.

In verschiedenen Projekten, 2014 „The Great Learning“ mit Cornelius Cardew an der Alten Oper Frankfurt, 2015 in einem Praktikum beim Landespolizeiorchester Rheinland-Pfalz, und in den beiden vergangenen Jahren bei der Brass Band Hessen, dem Orchester der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt.

Das alles dient dazu, Konzerterfahrung zu sammeln, im professionellen Umfeld zu lernen, umzusetzen was die Ausbildung vermittelt hat, zu wachsen, musikalisch und als Mensch, an neuen Eindrücken, Einsichten, Erfolgen, großen Momenten, aber auch an dem ein oder anderen Missgeschick oder Erlebnis, das besser vergessen werden wird.

Und er ist Mitglied in renommierten Orchestern: so seit dem Jahr 2014 im Jugend Percussion Ensemble Hessen, seit 2015 im Landesjugendsinfonieorchester Hessen und im Jugendsinfonieorchester Hochtaunus. Und ganz aktuell (und natürlich neben der heutigen Preisverleihung) ein toller Erfolg für all die Anstrengungen und die Arbeit: seit Ende letzten Jahres ist Lukas Schrod Mitglied im Bundesjugendorchester. Seine erste Tournee mit dem Bundesjugendorchester führte ihn u.a. in die Semper-Oper Dresden, die Staatsoper Hamburg und die Philharmonie Essen. Das nächste Konzert steht schon bevor: Anlässlich der Osterfestspiele Baden-Baden, wir Lukas Schrod mit dem Bundesjugendorchester erstmals unter der Leitung von Sir Simon Rattle auf der Bühne stehen. Es wird auch Sergei Rachmaninows 3. Sinfonie zu hören sein.

Bereits in der vergangenen Woche war ein ganz besonderes Highlight für unseren Kulturförderpreisträger. Mit Martin Grubinger, einem seiner Ausbilder in Zürich, ist Lukas Schrod in der Tonhalle in Zürich aufgetreten. Die Neue Züricher Zeitung schreibt: „Sechs in einem Sechseck im Raum verteilte Schlagzeugbatterien bewegen dichte Klangaggregate kreisförmig um das Publikum. Ohne Dirigent, dafür mit Klick im Ohr, kreierten die Musiker in der Tonhalle scharf konturierte Schallkörper, deren beschleunigende Bewegung die Dimensionen des Realraums aus den Angeln hob – ein Schwindel, durchbrochen von peitschenden Akzenten, in denen sich die sechs Schlagzeuger in ihren polymetrischen Texturen treffen.“

Warum erwähne ich dieses Konzert hier besonders? Weil Martin Gruber unangefochten einer der weltbesten Schlagzeuger und Multi-Perkussionisten ist, für viele gilt er gar als der mit Abstand weltbeste. Auftritte in allen großen Konzerthäusern der Welt, Zusammenarbeit mit allen Orchestern, Dirigenten und Solisten die international Rang und Namen haben und auch Soloprojekte, die den jungen Österreicher schon heute zu einer Legende machen, nicht nur in Fachkreisen. Lukas Schrod hat Martin Grubinger übrigens zum ersten Mal bei einem Konzert in Wien nicht nur gesehen, sondern auch gesprochen – sozusagen in der Folge eines Autogrammwunsches und unter Aufbietung allen Mutes zu dem der junge Mann, damals 13jährig, fähig war.

Die Arbeit und der Anspruch in diesen Orchestern und Projekten erfordertständig große Disziplin, Konzentration und Auffassungsgabe. Besonders die Disziplin ist gefragt beim Aufwand für das Instrument. Zwischen fünf und zehn Stunden übt Lukas Schrod täglich an seinen verschiedenen Schlaginstrumenten. Hilfreich sicher auch ein Leben neben oder außerhalb der Musik. Da ist Lukas Schrod Schüler, besucht die Ricarda-Huch-Schule in Dreieich und will dort auch im nächsten Jahr sein Abitur erfolgreich ablegen. Auch der Schulleitung und den Lehrern sei an dieser Stelle für ihr Verständnis und ihre Unterstützung gedankt.

Zu Beginn habe ich Gründe für die Auszeichnung mit diesem Kulturförderpreis benannt. Zuvörderst bereits gezeigte Leistungen; ich denke, auch in der heute gebotenen Kürze der Darstellung wird das jeder bejahen können. Aber natürlich auch in die Zukunft gerichtet, Erwartungen, Vorfreude, Spannung, Hoffnungen und Wünsche für das was da noch folgen kann, musikalisch und im Leben.

Es ist nicht an mir, hier und heute zu spekulieren. Lukas Schrod muss und wird seinen weiteren Lebensweg selber finden und gehen. Ich bin mir sicher, er wird dies tun. Beim Pre-College der Hochschule der Künste in Zürich ist mir ein Text ins Auge gestochen, den ich hier in Auszügen zitieren darf. Unter der Überschrift „Meisterschaft, die vom Himmel fällt? Musikalische Talentförderung“ war da zu lesen: „Was, wenn Jugendliche die Musik zu ihrem Beruf machen wollen? Dann gibt es für die letzte Meile zwischen Schule und Studium ein Angebot: das Pre-College“. Das war für mich dann wie doch ein kleiner Fingerzeig.

Ich möchte so und hier schließen. Ich gratuliere selbstverständlich auch dem zweiten Preisträger Jan Iser und wünsche ihm alles Gute. Ich gratuliere Lukas Schrod herzlich und von ganzem Herzen zum Kulturförderpreis 2016 der Stadt Rodgau. Ich bedanke mich bei der Jury für die Vergabe, die für mich wohlbegründet und nachvollziehbar ist.

Ich wünsche Dir, lieber Lukas, allzeit viel Freude und Begeisterung für das und bei dem was Du tust, insbesondere natürlich am Schlagzeug. Ich wünsche Dir, dass Dein Interesse nicht erlahmt, dass Deine Eltern Dich weiterhin – auch finanziell – so unterstützen wie bisher. Und ein letztes Zitat [(von Jan Fabig, Schlagzeuger, was sonst) „Schlagzeug ist Vielfalt, Klang, Abenteuer“.] Ich füge hinzu: „wie das Leben“. Kurzum: viel Glück und Erfolg auf Deinem weiteren Lebensweg.

Quelle: Stadt Rodgau

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis